Bruce Springsteen wird 60. Zu diesem Anlass hat sich stern.de mit einem unterhalten, der ihn kennt: BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken ist seit Jahren mit dem "Boss" befreundet - und beschreibt ihn als leidenschaftlichen Musiker, dem die Begeisterung nie abhanden gekommen ist.
Genau genommen schreibt er, wie alle Songwriter, immer denselben Song of Hope. Aber er hat es geschafft, ihn immer kompakter zu schreiben, immer mehr Überflüssiges wegzulassen. Das Thema ist der amerikanische Mythos, der immer wieder neu formuliert wird: "Wir können". Ihm sind die Werte nicht abhanden gekommen. Bei ihm ist es nicht nur "Go West" und "Wir machen alles platt". Bruce hält dabei die Werte hoch, die Amerika anscheinend abhanden gekommen sind. Bruce Springsteen hat sich politisch für die Demokraten engagiert, auf die Gefahr hin, dass er einen Teil seines eher konservativen Publikums verschrecken würde, aber nach zweimal vier Jahren George W. Bush konnte er einfach nicht anders.
Er lebt ja das Leben, von dem er immer geträumt hat. Man steht ja nicht in der Pflicht, sich teure Klamotten zu kaufen oder Autos, auf die man nicht steht. Sein bescheidenes Auftreten ist übrigens auch kein Styling, dahinter steht kein Konzept. Der steht wirklich auf nichts anderes. Status-Symbole bedeuten ihm gar nichts.
Es gibt eine kölsche Fassung von "Hungry Heart". Ein ganzes Album mit Springsteen-Songs zu machen ist was anderes als ein Album mit Dylan-Songs. Bob Dylan hat keine zwei Mal ein und denselben Song in der gleichen Version gespielt. Die Songs bestehen aus einer Gesangsmelodie, dem Text und einigen Grundharmonien. Die stehen für andere Arrangements einfach zur Verfügung. Bei einem Stones-Song oder einem Springsteen-Song kann man davon ausgehen, dass man das Arrangement der Originalfassung sowieso nicht toppen kann.
Gesundheit, Zuversicht und Gelassenheit. Als Künstler wünsche ich ihm, dass seine Leidenschaft niemals versiegt, dass er immer der leidenschaftliche Singer-Songwriter bleibt, der er für mich schon seit vier Jahrzehnten ist. In dieser Beziehung ist er ein absolutes Vorbild. Und er hat das Album geschafften, das ich einem Marsmenschen geben würde, der auf die Erde käme und wissen wollte, was Rock'n'Roll ist: "Born to Run".
Ich glaube wirklich, dass Bruce Springsteen sehr mit sich im Reinen ist. Dass er sehr ausgefüllt ist mit dem, was er tut. Er steht als Künstler nach jeder Tournee wieder an dem Punkt, dass er seinen Song of Hope ein weiteres Mal neu formulieren muss. Aber er freut sich darauf, er ist ein glücklicher Sisyphos. Er ist froh, dass er seinen Felsen hat. Wenn man aufhört sich zu freuen, welche tollen Gitarren man spielen darf, wenn man aufhört sich zu freuen, dass man durch die Gegend fahren darf und für die Leute spielt, die die eigene Musik mögen: Wenn man dieses Gefühl verliert, dann ist es vorbei. Und das wird bei ihm niemals passieren.