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10. Juli 2009, 11:07 Uhr

Jacko regiert die Charts

Zwei Wochen nach seinem Tod dominiert Michael Jackson nicht nur die Schlagzeilen, auch die Hitparaden sind gepflastert mit seinen Songs. Allein in Deutschland sind neun Alben und 24 Singles in den aktuellen Top 100 platziert. Vater Joe Jacksons Prophezeiung ist damit nur wenige Tage nach der Beisetzung wahr geworden. Von Ingo Scheel

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Drin ist, was draufsteht: Das Beste von Jacko© Ted Aljibe/AFP

"Michael wird im Tod größer sein als zu Lebzeiten", sagte Vater Jackson senior jüngst in einem Interview mit dem US-Sender Fox - und siehe da: Papa Joe, von je her mit einem Händchen für Jackos Karriere-Angelegenheiten ausgestattet, hat nichts von seinem Blick fürs Wesentliche verloren. Allein in Deutschland bricht Jacko mit seinen Songs posthum sämtliche Rekorde.

Die Best-of-Platte "King of Pop" auf Platz eins der heute veröffentlichten Media-Control-Charts, das Jackson-Epos schlechthin, "Thriller", auf Platz zwei, weitere sieben unter den Top 100, dazu stolze zwei Dutzend Singles unter den Top 100 der Single-Charts. Beinah jeder vierte Song ist also ein Jackson-Song. Und auch hier ist "Thriller" ganz oben dabei, auf Platz neun. Damit steht er sogar zwölf Plätze besser als im Erscheinungsjahr 1984. Mit dem "Earth Song" (12), "Beat it" (14) und "Billie Jean" (18) sind drei weitere Klassiker allein in den Top 20 vertreten. Der "King of Pop" ist tot. Es lebe der "King of Pop".

Reguläre Alben werden sofort nachgepresst

In Großbritannien schoss sein Album "Number Ones" von Chart-Position 121 direkt auf den ersten Platz, vier weitere sind in den Top 20 vertreten. Ähnlich wie in Deutschland auch die Situation bei den Singles: Unfassbare 43 Songs der UK-Top 200 sind von Michael Jackson oder den Jackson Five, mit "Man in the Mirror" als bestplatzierter Single, die es 20 Jahre nach ihrem Erscheinen auf Platz elf geschafft hat. Der Abverkauf von Jackson sei nach seinem Tod 80 Mal höher als davor, so Gennaro Castaldo, Sprecher der Shopkette "HMV", in einem Interview mit der Londoner BBC. Die CD-Händler im britischen Königreich waren vorbereitet. Die Daten der Jackson-Konzerte in der Londoner O2-Arena im Kalender rot angestrichen, hatten sie die Lager bis unters Dach gefüllt.

In Deutschland folgte auf die Nachricht vom Tod Jacksons letztlich routinemäßiges Nachordern. "Auf so eine Nachricht wird binnen Sekunden reagiert", so Christian Riepenhausen, Vertriebsleiter der Hamburger "Saturn"-Filiale. "Limitierte Editionen oder CD-Boxen in Pappschubern dauern etwas länger. Reguläre Alben werden sofort nachgepresst, sodass die deutlich gestiegene Nachfrage nach Jackson-Alben lückenlos bedient wurde."

Der Blick auf die Charts der non-physischen Tonträger bietet ein ebenso einheitliches Bild. Michael Jackson regiert auch die iTunes-Hitlisten. Ob in den USA oder Australien, in Belgien oder Kanada, in Dänemark, Luxemburg, Italien - Jackson ist dort, wo oben ist. Bis auf die finnischen Charts, wo eine junge Frau namens Anna Puu den ersten Platz innehat, ist der King of Pop überall auf Platz eins. In Frankreich belegt er acht der ersten zehn Plätze, in den Niederlanden gar Platz eins bis neun der Download-Charts. Exakt dasselbe Bild bieten die CD-Top Ten des Online-Händlers Amazon.

"Die Musik ist immer noch wunderbar."

Fast scheint es, als hätte sich mit dem Tod Jacksons ein Ventil gelöst, als wäre der Mann mit den vielen Gesichtern zur Seite getreten, um den Blick aufs Wesentliche wieder freizugeben. Seine Songs, seine Alben, die Videos. War sein unbestritten historisches Ouevre noch vor bis vor zwei Wochen überlagert von Gerüchten und Eventualitäten, von seiner zuletzt spukhaften Erscheinung, erinnert sich die Welt in diesen Tagen wieder an den Soundtrack dieser wechselvollen Karriere. Man greift zur CD, zum Vinyl, zum iPod und überzeugt sich schlussendlich davon, dass die Songs von Jacko den Wahnwitz der letzten drei Jahrzehnte in weiten Teilen unbeschadet überstanden haben. Ein Aspekt, den der Pressesprecher des Jackson-Fanclubs "Neverland", Alexander Zimmermann, bestätigt: "Bis zu seinem Tod war er der potentielle Kinderschänder, jetzt sagten Menschen auf den Gedenkwachen, die wir veranstaltet haben, sie hätten ihn wiederentdeckt. Haben im Radio seine Songs gehört und festgestellt: Die Musik ist immer noch wunderbar." Noch bis vor wenigen Wochen war genau das der wohl geringfügigste Aspekt.

Selbst, als Jackson vor Wochen seine 50 Konzerte in der Londoner O2-Arena ankündigte, ging es zu allerletzt um die Musik. Die Fragen waren nicht, ob er "ABC" oder "Beat it", "Earth Song" oder "Ben" spielen würde, sondern ob er es denn überhaupt schafft, diese Mammutveranstaltung zu absolvieren, war der springende Punkt. Kommt er selbst oder schickt er ein Double? Packt er zehn Minuten pro Abend oder zehn Songs? Und nach der wievielten Show klappt er wohl zusammen? Wer die Londoner Wettbüros und ihren Ideenreichtum kennt, weiß, dass auf all diese Fragen spätestens ab nächster Woche Wetten hätten platziert werden können.

Dazu wird es nun nicht mehr kommen. Wenn sich demnächst Ticketbesitzer an der O2-Arena einfinden, dann werden sie vor der Halle singen und Kerzen anzünden, statt drinnen zu jubeln. Die Show ist vorbei, die Musik jedoch, die klingt ohne Michael Jackson fast noch schöner als zuvor. Darüberhinaus sollen sogar noch bis zu 100 unveröffentlichte Songs in den Archiven schlummern, Stoff also für diverse neue Jackson-Alben, auf die sich nicht nur Fans weltweit, sondern natürlich auch Jacksons Plattenfirma Sony freuen darf. Hatte die Geldmaschine Jackson zuletzt massiv Rost angesetzt, strahlt sie nun wieder in goldenem Glanz. Schon jetzt darf man auf die Bilanzen aller Beteiligten gespannt sein. Wie lautete doch gleich das Motto der geplanten Abschiedskonzerte? "This is it". Das war's. Aus und vorbei. Nichts scheint in diesen Tagen unzutreffender, im Gegenteil: Jetzt geht es erst so richtig los.

Von Ingo Scheel
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
h.morun (10.07.2009, 22:40 Uhr)
MORD ????
Wenn, dann geht das als Sterbehilfe durch.
laketahoe (10.07.2009, 18:44 Uhr)
@marihuhna
Du scheinst ja den Durchblick schlechthin zu haben. Kannst du uns bitte auch an deinem erlesenen Musikgeschmack teilhaben lassen. Man will ja schließlich nicht mit einer Art Landpomeranzen-Musikgeschmack vor sich hin gammeln, während du dich wahrscheinlich an Abba und ähnlichem hochziehst.
raptor-xl (10.07.2009, 17:43 Uhr)
stufe wie elvis?
abwarten, denn es folgt ja gerade eine öffentliche selbstzerfleischung. pädophil? je ne frau angefasst oder alles schummelei mit "seinen" kindern?
die konzerte hätte er nicht durchgestanden. die proben haben mit seinen früheren auftritten nichts zu tun. und 2 stunden hätte er nie geschafft. nicht mal in dieser lauwarmen probevariante.
nun soll es gar mord gewesen sien. oder eben doch der leibarzt. hauptsache, er wars nicht selbst. denn dann zahlt ja die versicherung nicht. und wetten, dass der ganz dicke prämien hatte???
gunnarhaeger (10.07.2009, 17:37 Uhr)
Auf den Punkt gebracht....
hat es genau dieser Artikel. Es ist wirklich, als ob sich ein Ventil geöffnet hätte und man sich nunmehr nur noch seiner Musik widmen kann, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Der Zeitpunkt seines "Abgangs" war genial. Und ob man mag oder nicht: Er wird immer in einem Atemzug mit Elvis Presley genannt werden.
Motte07 (10.07.2009, 17:00 Uhr)
Die selben Leute...
Die selben Leute, die vor drei Wochen noch über den Freak lachten, sind jetzt die, die in die Läden rennen und seine CD's leerkaufen...
Mopar (10.07.2009, 16:13 Uhr)
Unverständlich
Wenn man die CDs vorher nicht gekauft hat, wieso kauft man sie denn jetzt? Die Dummheit der Menschen ist immer wieder erschreckend...
marihuhna (10.07.2009, 16:03 Uhr)
Nur 5 Jahre warten ...
... und Wacko Jacko läuft nur noch bei den Lokalsendern morgens um 4. Wo er auch hingehört! Aber schmeisst euer Geld ruhig für diese 3 Akkorde Musik zum Fenster raus.
JoeSkeleton (10.07.2009, 15:41 Uhr)
Auf der...
ersten Seite von STERN.de sind mindestens 20 andere Schalgzeilen,mal von den unzähligen Berichten über Gott und die Welt mal abgesehen,und trotzdem regen sich Leute über die "übertrieben" Berichterstattung auf.Notorische Meckerer,oder wie? Lasst die Leute sich über MJ informieren,auch hier,man kann ja drüber weglesen wenn einem das am A.... vorbeigeht.
Hätte Michael Jacksons Ruf völlig ruiniert,wenn er nicht versucht hätte,die Konzerte durchzuziehen.Man munkelt ja,er wäre bis zum Schluss davon ausgegangen,er hätte nur für 10 Auftritte unterschrieben.Nix genaues weiß man nicht...Nur schade das "Vater" Joe jetzt wohl auch von den auch in diesen Massen vorhersehbaren Plattenverkäufen profitieren wird.
emeinung (10.07.2009, 15:18 Uhr)
und Jacko regiert die Medien!
Auch besonders stern.online immer noch ewig und jeden Tag mit immer mehr überflüssigen Berichten. Laßt es doch endlich gut sein und überlaßt es den paar eingefleischten Fans, die sollen das unter sich ausmachen!
Starbeiter (10.07.2009, 14:47 Uhr)
Stärker als viel sagen
Sicher geht es ums Geld; um was anderes geht es uns Menschen seit zig Jahren nicht mehr.
Aber ich denke schon, dass MJ die Konzerte durchgezogen hätte. Er machte schon immer einen zerbrechlichen Eindruck und war dennoch tatkräftig auf der Bühne. Alleine die Bilder und Videos von den Proben zeigen das.
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