Michi Beck: Mit Sicherheit. Aber wenn wir nicht mit dieser Naivität an uns geglaubt hätten, wäre das auch alles nicht so gelaufen.
Thomas D: Da bin ich ganz sicher. Dieser unbedingte Glaube, der nichts anderes zulässt, um dahin zu kommen, wo wir jetzt sind. Wenn du da schon Zweifel hast, dann kannst du es vergessen. Die Zweifel haben die anderen. Du bist der, der die anderen überzeugen muss.
Michi Beck: Aber ist das nicht erstaunlich? Wir waren doch alle in der Schule nicht gerade die, die so ein Selbstbewusstsein aufbauen konnten.
Smudo: Die Kleinen, die Normalos waren wir.
Michi Beck: Wir waren nicht die Killesberg-Typen mit Lacoste-Hemden. Ich war dazu auch noch zu spät in der Pubertät, schlecht in der Schule, hatte kein Glück bei den Mädchen. Alles Gründe, die eigentlich gegen mein Selbstbewusstsein sprechen. Wieso waren wir als Band so selbstbewusst?
And.Y: Weil wir für uns eine neue Identität aufgebaut haben.
Thomas D: Das hat uns besonders gemacht.
Michi Beck: Klar, das würden wir nicht mehr machen. Wir haben dafür Ohrfeigen eingesteckt...
Thomas D: ... aber die Ohrfeigen haben uns weitergebracht, nicht der Hohes-C-Deal.
Michi Beck: Es war auch ein Fehler, bei Dieter Thomas Hecks Sendung "Musik liegt in der Luft" aufzutreten. Und erst diese bescheuerte Geschichte da in der "Bravo"...
Thomas D: Peinlich! Wir haben uns da für die "Bravo" fotografieren lassen und sollten denen Tanzschritte vormachen. In der "Bravo" stand so in etwa: "Michi Beck zeigt uns seinen Knie-Move... danach hüpft er dann lustig durch die Gegend und hebt die Arme, um einen Kranich zu imitieren." Unfassbare Scheiße.
Thomas D: Die haben wir ein Stück weit verloren, klar. Irgendwann hast du dein Konzert in der Schleyer-Halle, hast deinen Nummer-eins-Hit, hast den MTV-Preis mit nach Hause genommen. Ich wusste echt nicht mehr genau, was die nächste Motivation ist. Irgendwann wirst du müde.
Thomas D: Ich nehm mich nicht mehr so ernst. Wir waren unglaublich verbissen früher. Diese Verbissenheit ist einer gewissen Ruhe gewichen. Wir haben keine Angst mehr, unser Image zu ruinieren, bloß weil wir Leute aller Altersstufen erreichen wollen.
Michi Beck: Hier spielt vielleicht auch unser Alter wieder rein. Früher haben mich zum Beispiel diese Teeniegirls wahnsinnig abgestoßen. Ich habe es kaum ertragen, dass die zu unseren Konzerten kamen und uns gut fanden. Mittlerweile freue ich mich, wenn ich diese 16-jährigen Mädels sehe, ich krieg da richtig Vatergefühle. Die sind richtig süß. Ich gebe denen inzwischen auch sehr gern Autogramme. Eigentlich ein schöner Effekt des Alters. Ich muss mich nicht mehr schämen für so was. Werden Sie noch mit 60 auf der Bühne stehen? Smudo: Also mit 60 einen alten Hit zu trällern...
Thomas D: ... das ist schon hart.
And.Y: Ich glaube, solange wir bestimmte Songs aus dem Repertoire herausnehmen und dafür nicht das richtige Gefühl verlieren, sind wir zeitlos glaubwürdig.
Thomas D: Seh ich auch so. "Tag am Meer" zum Beispiel. Das könnte ich mir auch noch mit 60 vorstellen. Weil es um ein Gefühl geht, das zeitlos gültig ist. Im Gegensatz etwa zu "Die da", das textlich sehr platt ist und dessen Witz sich auch sehr schnell abnutzt. Das kickt uns einfach nicht mehr.
Michi Beck: Wenn wir aufhören würden, neue Songs und neue Platten zu machen, dann müssten wir auch aufhören, als Band zu existieren. Alles andere ist Jürgen-Drews-Scheiße.
Michi Beck: Die da.
Smudo: Hier liegen die da. Die, die es fast geschafft hätten, die Welt zu retten.
Thomas D: Hier liegen vier geile Typen. Endlich sind sie weg.
Alle: Jetzt sind sie weg! Das muss da draufstehen.