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8. Dezember 2010, 14:15 Uhr

Fünf Schüsse ins Herz des musikalischen Ausnahmetalents

Die Schüsse eines Gestörten beendeten vor 30 Jahren das Leben John Lennons. Der hatte zuvor mit den Beatles die Welt erobert, sich später ins Privatleben zurückgezogen - und bastelte gerade an einer zweiten Solokarriere. Von Carsten Heidböhmer

John Lennon, 30. Todestag, Lennon, Beatles, Yoko Ono, Mark David Chapman

John Lennon mit seiner Frau Yoko Ono© Picture Alliance

Ich bin getroffen" sollen die letzten Worte John Lennons gewesen sein. Am 8. Dezember 1980 war der Musiker spätabends von Studioaufnahmen in seine New Yorker Wohnung heimgekehrt. Davor wartete bereits der tief religiöse, fanatische Beatles-Fan Mark David Chapman.

In seinen Manteltaschen trug er Beatles-Kassetten, eine Ausgabe von J.D. Salingers Kultroman "Fänger im Roggen" - und einen 38er Revolver. Am gleichen Tag hatte sich der Verwirrte bereits ein Autogramm von seinem Idol geben lassen. Als Lennon gegen 22.50 Uhr das Dakota-Gebäude betreten wollte, drückte Chapman fünf Mal ab. Derart glanzlos ging die Karriere eines der größten Popkünstler des 20. Jahrhunderts zu Ende.

Dass es John Lennon einmal bis ganz nach oben schaffen würde, war zum Zeitpunkt seiner Geburt denkbar unwahrscheinlich. 1940 in Liverpool geboren, war die Musik für Lennon schon früh ein Ventil, um den ärmlichen Verhältnissen seiner Familie und dem Mief des Nachkriegs-England zu entfliehen. In der Hafenstadt formte sich Ende der 50er Jahre eine Band, aus der später die Beatles hervorgehen sollten.

Teenager-Hysterie um die Band

An der Seite seiner Bandkollegen Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr eroberte Lennon 1963 England, ein Jahr später dann die USA und den Rest der Welt. Die Gruppe entfachte dabei eine derartige Hysterie, dass man dafür eigens den Begriff "Beatlemania" kreierte. Teenager brachen in ekstatisches Geschrei aus, wo immer die Beatles auftauchten. Nicht einfach zu verkraften für vier junge Arbeiterkinder, die doch eigentlich nur Musik machen wollten. John Lennon stieg der Ruhm zeitweise zu Kopf, auf einer Pressekonferenz prägte er damals den denkwürdigen Satz, die Beatles seinen berühmter als Jesus - und sorgte damit für heftige Empörung. Christliche Gruppen in den USA riefen daraufhin zu Plattenverbrennungen auf, der Ku-Klux-Klan organisierte Demonstrationen gegen die Band.

Betrachtet man diese Jahre rücklickend, war es wenig erstaunlich, dass ausgerechnet Lennon diesen Eklat provoziert hatte. Denn in den folgenden Jahren entwickelte er sich immer stärker zum politischen Künstler: Er veranstaltete Bed-ins für den Frieden, engagierte sich auf Konzerten gegen den Vietnamkrieg und gedachte in Songs gerne mal des kleinen Arbeiters.

Politisch radikal

Nach der Trennung der Beatles 1970 wurde John Lennons politische Anschauung immer radikaler, was seiner Musik nicht unbedingt gut bekam. Nach den beiden hervorragenden Soloalben "John Lennon/Plastic Ono Band" (1970) und "Imagine" (1971) geriet das vor politischer Botschaften so triefende "Sometime in New York City" (1972) zum künstlerischen Tiefpunkt. Zu dieser Zeit begann der FBI, ein Auge auf den unliebsamen Künstler zu werfen. Die amerikanische Einwanderungsbehörde versuchte, den Briten auszuweisen - ein einmaliger Vorgang bei einer derart berühmten Persönlichkeit. Erst 1976 bekam John Lennon die "Green Card" und damit die unbeschränkte Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung.

Da hatte sich der Musiker aber schon ins Privatleben zurückgezogen. Ein Jahr zuvor war Sean geboren worden, der gemeinsame Sohn mit seiner Ehefrau Yoko Ono. Um Zeit für sein Kind zu haben, tauschte Lennon seine Musikkarriere gegen das Hausmann-Dasein ein - und ging in dieser Rolle sichtlich auf.

Erst 1980 besann sich Lennon wieder auf seine musikalischen Wurzeln - und war dabei frisch und inspiriert wie lange nicht mehr. Das gemeinsam mit Yoko Ono aufgenommene Album "Double Fantasy" enthält einige der besten Songs seiner Karriere. Auch wenn mancher Kritiker die bissigen Texte vermisste: "(Just like) Starting over", "Woman" oder "Watching the Wheels" sind wundervolle Popmusik und waren ein klares Zeichen dafür, dass Lennon seine künstlerische Krise überwunden hatte. Die 80er Jahre hatten gerade begonnen - und der Ex-Beatle schien seine alte Form wiedergefunden zu haben. Von Lennon - darüber war man sich damals einig - durfte man noch Großes erwarten. Die fünf Kugeln Mark David Chapmans machten diesen Hoffnungen einen jähen Strich durch die Rechnung: Sie trafen nicht nur einen großen Menschen und Musiker - sondern ein Stück weit auch jeden Musikfan.

Von Carsten Heidböhmer
 
 
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