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8. April 2006, 10:03 Uhr

Der Klassik-Gipfel

Taktgeber: Plácido Domingo ist nicht nur ein begnadeter Tenor, sondern seit 1973 auch Dirigent© Ethan Hill

1982 sagten Sie dem stern: "Ich werde noch zehn Jahre singen und dann nur noch als Dirigent auftreten." Werden Sie irgendwann wie Elvis in Las Vegas enden?

Domingo: Ich stehe seit 45 Jahren auf der Bühne. Das Schwierigste dieser langen Karriere wird es sein, den Zeitpunkt auszuwählen, Good-bye zu sagen. Ich will keinen Tag länger singen, als ich sollte - aber eben auch keinen weniger! Ich werde diese Entscheidung spontan fällen. Eine Faustregel unseres Gewerbes ist: Wer dreimal hintereinander schlecht singt, hat ein gravierendes Problem. Und ich habe Gott sei Dank eine Frau, die kompetent und couragiert genug ist, um mich nach dem dritten Mal beiseite zu nehmen.

Tenöre können feine Sektgläser zersingen und bringen es beim hohen C auf 523 Stimmlippenschwingungen pro Sekunde. Caruso klagte einmal: "Beim hohen C klemme ich den Arsch zusammen und stemme drei Zentner hoch." Wie lange geben Sie Ihrem Arbeitsgerät noch?

Domingo: Die Tenorstimme bleibt ein Rätsel. Niemand kann vorhersagen, wann sie abgenutzt ist. Ich bin ein schicksalsgläubiger Mensch. In der Sekunde, in der ich nicht mehr singen kann, werde ich Gott auf Knien dafür danken, dass mein Kehlkopf nicht schon viel früher schlapp gemacht hat.

Was wird in Pavarottis Kopf vorgehen, wenn er am 7. Juli das Konzert von Ihnen dreien auf der Berliner Waldbühne am Fernseher verfolgt? (Orchester der Deutschen Oper Berlin, Dirigent: Marco Armiliato, Kartentelefon: 01805/33 24 33)

Domingo: Ich habe Luciano längere Zeit nicht gesehen, aber es gibt für ihn eigentlich keinen Grund, bitter zu sein. Er gibt ja immer noch alle paar Tage ein Konzert.

Villazón: Aber Maestro Domingo, Pavarotti wird etwas ganz Entscheidendes verpassen!

Domingo: Du hast Recht. Als der Impresario Peter Schwenkow mich fragte, ob ich erstmals gemeinsam mit Anna und Rolando singen würde, hatte ich einen Hintergedanken. Zwei Tage nach unserem Konzert findet in Berlin das Endspiel der Fußball-WM statt. Da ich seit 1982 kein WM-Finale verpasst habe, war das auch ein Grund, zuzusagen. Oper und Fußball haben viele Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel wird in beiden Disziplinen sehr viel geschrien - in der Oper allerdings mit etwas mehr Technik.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 14/2006

Plácido Domingo Durch seine Auftritte an der Seite von José Carreras und Luciano Pavarotti entdeckten Millionen von Menschen die Oper: Plácido Domingo, 1941 in Madrid geboren, wurde von seinen Eltern, die als Sänger in Madrid lebten, an die Musik herangeführt - zunächst als Bariton. 1961 debütierte er an der Oper von Mexico City als Alfredo in Verdis "La Traviata". Weitere Engagements führten Domingo nach Barcelona, New York und Hamburg. Zum Star wurde der Tenor 1968 an der New Yorker Met. Fünf Jahre später trat er erstmals als Dirigent ans Pult. Kommerziell am erfolgreichsten waren Domingos Einspielungen mit den "Drei Tenören", künstlerisch l besonders seine Rolle als Verdis "Othello"

Sven Michaelsen
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