Bis heute gilt Woodstock als das größte Musikfestival aller Zeiten - musikalisch brillant, von einem friedlichen und unkommerziellen Geist geprägt. Die Wahrheit sieht freilich etwas anders aus. Von Carsten Heidböhmer
Es war eine Epoche, in der alles möglich zu sein schien: Am 20. Juli 1969 betrat erstmals ein Mensch den Mond. Knapp vier Wochen später erreichten die Weltöffentlichkeit wieder Bilder, die von einem anderen Planeten zu sein schienen - oder die zumindest von der Gründung einer neuen Nation kündeten - der Woodstock-Nation. Der Polit-Aktivist Abbie Hoffman schuf diesen Begriff mit seinem gleichnamigen Buch, und verband damit die Hoffnung eines neuen, friedlichen Zeitalters in der Menschheitsgeschichte. Der berühmte Dichter Allen Ginsberg sprach gar von einem "großen planetarischen Ereignis". Zwar erfüllten sich die großen Erwartungen auf eine Erneuerung der Menschheit nicht - dennoch schimmerte in Woodstock kurzzeitig eine Utopie dessen auf, was gesellschaftlich möglich ist. Hier kam Vieles erstmals zum Tragen, was in den 70er und 80er Jahren fester Bestandteil der Alternativkultur werden sollte - vom Nacktbaden über den Verzehr von Müsli bis hin zu fernöstlichen Entspannungstechniken. Die "Zeit" nannte dies den "weiten Weg von Janis Joplin hin zu Claudia Roth". Bis heute schwingt viel Verklärung mit, wenn von Woodstock gesprochen wird - zahlreiche Mythen haben sich hartnäckig gehalten. Die zehn größten Mythen.