4. April 2013, 12:28 Uhr

Adam Ant als Husar auf großer Fahrt

Nach über 17 Jahren feiert der 58-jährige Londoner Stuart Goddard, besser bekannt als Adam Ant, sein Comeback. Mit großem Pathos verkündet er sein solides und umfangreiches Werk: "Adam Ant Is The Blueblack Hussar In Marrying The Gunner's Daughter".

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Adam Ant ist zurück. Foto: BlueBlack Hussar©

Hamburg - Nach über 17 Jahren feiert der 58-jährige Londoner Stuart Goddard, besser bekannt als Adam Ant, sein Comeback. Mit großem Pathos verkündet er sein solides und umfangreiches Werk: "Adam Ant Is The Blueblack Hussar In Marrying The Gunner's Daughter".

Wer kennt Ihn nicht, den Frontmann der 80er-Post-Punk-Band Adam and the Ants! Auffällig waren seine fantasievollen Kostüme wie Indianerwams inklusive Kriegsbemalung, während psychedelische Gitarren kreischten.

Adam Ant hatte sich mit jedem neuen Release neu erfunden und machte keinen Hehl daraus, dass die Verpackung ebenso wichtig sei wie die Musik selbst. Dies kann man umso mehr nachvollziehen, wenn man seine musikalische Sozialisation betrachtet. Mit Derek Jarmans Kult-Film "Jubilee" (1978) war er mitten im Zentrum der Punk-Revolution. Weitere Erfolge feierte Goddard bis 1982 mit seiner Band, danach folgten einige Pop-Hits mit lautmalerischen Titeln wie "crish crish in ninky dink".

Nach Jahren des Erfolgs verschwand er nach seinem elften Album im Jahr 1994 von der Bildfläche, um sich ganz dem Theater und Film zu widmen. Aber auch seine psychische Labilität sollte ihn wieder einholen. Mit einem Spielzeuggewehr wollte er sich Eintritt in einem Pub in Nord-London verschaffen, was ihm 2002 den Aufenthalt in einer Nervenklinik kostete.

Mit seinen neuen Songs beweist Goddard erneut seine Wandelbarkeit und überrascht mit einem durchweg vielseitigen Album, für das er eigens ein Plattenlabel ins Leben rief.

"Marrying The Gunner's Daughter" ist eine archaische Sanktionierung aus der Seefahrt und meint die Zucht zum Gehorsamkeit durch Anbinden und Auspeitschen über einem Kanonenrohr. Es ist eine Metapher dafür, wie sich Goddard selbst von der Musikindustrie ausgenommen fühlte. Wenig verwunderlich scheint es auch, dass zwei Songs auf dem neuen Album von weiteren Sängern handeln, die ebenso psychische Probleme hatten - Marvin Gaye und der britische Rock'n'Roller Vince Taylor, der zum Schluss mehr für seine Ausfälle als für seine Musik bekannt war.

Dass sich Goddard darauf nicht festnageln lässt, zeigt jedoch seine Vorgehensweise in der Zusammenstellung seiner 17 Songs: Das Album lebt von der Attraktivität seiner retrospektiv stiftenden Ideen, alten Wunden und Hindernissen, an denen sich Goddard fieberhaft abarbeitet und sich zum Weltverbesserer stilisiert - ein echter Adam Ant eben, so freigeistig und universell wie zu seiner Zeit mit den "Kings of the Wild Frontier".

 
 
 
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