Der böse Rapper und der heilige Sänger

15. November 2012, 20:56 Uhr

Zwei Männer, ein Duo. Die Musiker Xavier Naidoo und Kool Savas könnten auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein. Trotzdem machen sie zusammen Musik - und ernten Kritik. Von Henrietta Reese

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Soulsänger Xavier Naidoo (l.) und Rapper Kool Savas machen als Duo Xavas gemeinsame Sache©

Viel Wirbel um Xavas. Ein Duo, das aus dem Sänger Xavier Naidoo und dem Rapper Kool Savas besteht. Die Namen hat man doch schon mal gehört. Derzeit sieht man Naidoo auch als Juror in der Castingshow "The Voice of Germany". Das ist doch der, der immer so nett zu den Kandidaten ist, der auf leise Töne und ganz viel Gefühl steht. Und der soll nun einen Text geschrieben haben, für den es von der Linksjugend eine Anzeige wegen Volksverhetzung und Aufruf zur Gewalt gab?

Xavier Naidoo, gebürtiger Mannheimer mit Wurzeln in Sri Lanka und Südafrika, wird Ende der Neunziger Jahre als der deutsche Retter des Souls bekannt. Sein Debütalbum "Nicht von dieser Welt" verkauft sich über eine Million Mal. Mit sanfter Stimme und tiefsinnigen, nachdenklichen Texten kreiert er einen religiösen Soul. Naidoo nutzt seine Musik als persönliches Sprachrohr, immer wieder steht seine Beziehung zu Gott im Vordergrund - er spricht öffentlich über seinen Glauben. Von der katholischen Kirche wendet er sich aber ab, wie er auch in seinem aktuellen Statement bezüglich der Vorwürfe der Linksjugend äußert. "Ich stehe, seit ich denken kann, mit der katholischen Kirche auf Kriegsfuß, weil sie Schwule, Lesben und Transsexuelle nicht respektiert und akzeptiert. Diese Haltung ist völlig inakzeptabel, und wer gegen diese Menschen Verachtung und Hass aufbringt, der hat Jesus nicht verstanden."

Kool Savas, der mit bürgerlichem Namen Savas Yurderi heißt, wurde in 1975 in Aachen geboren, zog aber kurz darauf in die Türkei, das Heimatland seiner Familie. Durch die politische Inhaftierung seines Vaters war die Gefahr für die Angehörigen im Land zu groß, Savas kehrte nach Deutschland zurück. Der Umzug nach Berlin 1987 brachte den Jungen mit der Hip-Hop-Szene in Kontakt. Seine Leidenschaft war geweckt, ambitioniert wollte er an die Spitze. Sein Debüt-Solo-Album "Der Beste Tag meines Lebens" war der Durchbruch und wurde von Kritikern hoch gelobt. Der selbsternannte "King of Rap" steht aber auch immer wieder in der Schusslinie der Jugendschützer.

Zu derbe, zu provozierend, gewaltverherrlichend, frauen- und schwulenfeindlich - Kritiker finden immer wieder Anstoß an den Texten, die im Rap-Genre jedoch nicht ungewöhnlich sind. In einem Interview mit dem "Solinger Tageblatt" zeigt Savas Verständnis für die Besorgnis, findet die Kritik aber inkonsequent: "Ich verstehe, dass es sie gibt. Ich verstehe, dass Kinder für manche Sachen schlicht und ergreifend zu jung sind, um zu differenzieren und die Ironie dahinter zu sehen. Ich finde aber, man sollte konsequenter sein. Dann geht es auch nicht, dass man mittags nackte Frauen im Fernsehen sieht und dass man im Trash-TV Leute reden lässt, die einfach nur ignorant sind und eine verblödende Wirkung haben!"

Ein ungewöhnliches Duo

Naidoo und Savas kennen und schätzen sich seit Jahren, 2011 standen sie für einige Konzerte zusammen auf der Bühne. Es entsteht die Idee zu einem gemeinsamen Projekt: Xavas war geboren, am 21. September 2011 erscheint das erste Album "Gespaltene Persönlichkeit". Die Kombination des Duos scheint auf den ersten Blick ungewöhnlich, sind die Musikrichtungen doch sehr unterschiedlich. Was sie verbindet, ist die deutsche Sprache, in der sie ihre Botschaften vermitteln. Das Wagnis, das neue Projekt einzugehen, sehen beide Künstler als Bereicherung. "Wir haben vermehrt Tracks, bei denen die Leute sagen werden, das habe ich weder von Savas noch von Xavier erwartet. Wir sind einfach beide aus unserer Komfortzone raus gegangen", erklären sie auf ihrer Homepage.

Naidoo und Savas wollen mit dem Experiment zeigen, dass auch zwei völlig unterschiedliche Ansätze zu einem großen Gesamtbild führen können. Die erste Single Auskopplung "Schau nicht mehr zurück" die von genau diesem Mut spricht, neue Wege zu gehen, kommt gut an. Sie treten mit dem Lied bei Stefan Raabs Bundesvision Songcontest an und gewinnen.

Nun machen Xavas mit ihrem Lied "Wo sind", in dem es um Ritualmorde an Kindern geht, negative Schlagzeilen. Neben Volksverhetzung und Aufruf zur Gewalt wird ihnen auch Schwulenfeindlichkeit vorgeworfen - eine einzelne Textzeile ("Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist?") schürte die Anschuldigung. Der Text stammt aus der Feder von Schmusesänger Naidoo. Die Vermutung liegt nahe, dass die Kritik besonders durch die Verbindung mit Kool Savas, dem bösen Rapper, zum Aufreger wurde. Naidoo versteht die ganze Aufregung nicht, wollte er mit dem Lied doch die Aufmerksamkeit auf die grausamen Vergehen an Kindern richten und die Verbrecher von Ritualmorden anklagen. "Ich glaube nicht, dass diese Täter schwul oder pädophil sind", distanziert er sich vor den Vorwürfen. Die Staatsanwaltschaft hat beschlossen, auf Ermittlungen zu verzichten - den Musikern bleibt ein Verfahren erspart. Trotzdem bleiben die Anschuldigungen im Raum.

Mit ihrem Statement zu den Vorwürfen zeigen die Musiker deutlich, dass sie zwar niemanden angreifen oder verletzten wollten, aber hinter ihrer Musik und dem prekären Song stehen. Mit freundlichen Worten beenden der harte Mann und die weiche Seele ihre Rechtfertigung: "Ich hoffe, dass wir mit dieser Erklärung alle Bedenken und Fehlinterpretationen unseres Liedes ausräumen konnten. In Liebe und Hochachtung, XAVAS."

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