Vor rund 100 ausgewählten Zuhörern präsentierte die britische Band Blur in Babelsberg ihr neues Album. "Think Tank" ist ein reinrassiges Rockalbum geworden.

Blur rockten auch in Berlin - wie hier am 16. März in New York© Getty Images
Im Schatten der mächtigen Kulissen des Filmparks Babelsberg geschah in einem kleinen Raum etwas Großes. Auf einer Fläche von vielleicht zehn mal zehn Metern warteten rund 100 Gäste gespannt auf ein Ereignis, das so nur noch ausgewählten Menschen in Paris, Madrid und Tokio zuteil werden soll: Die einstigen Brit-Pop-Stars Blur hatten sich zu einem Exklusivkonzert angesagt.
Im Berlin-Potsdamer Mini-Studio des Radiosenders Fritz durften ausgeloste Hörer und eine Hand voll Journalisten Zeuge der ersten deutschen Live-Vorstellung von "Think Tank" werden, dem mit großer Spannung erwarteten neuen Studioalbum der Avantgarde-Rocker aus Großbritannien.
Vier Jahre ist das letzte, schlicht "13" betitelte Album bereits alt, und die Spekulationen waren ins Kraut geschossen, ob und wie es mit der Band überhaupt weitergeht. Wird das neue Album soft, zu pop-lastig oder im Gegenteil zu punkig? Mitbegründer und Gitarrist Graham Coxon hatte zum Jahreswechsel das Handtuch geworfen, also war auch dessen Nachfolge zu regeln. Fragen über Fragen, die an diesem Abend eindeutig geklärt wurden.
Wie es sich für Megastars gehört, startete das Konzert mit Verspätung. Während draußen die Standheizung des Nightliners brummte, enterten Sänger Damon Albarn, Bassist Alex James und Schlagzeuger Dave Rowntree das kleine Stückchen Bühne. Für Eingeweihte war schnell klar, wer statt Coxon jetzt in die Saiten greift: Simon Tong, bekannt als Gitarrist von The Verve und The Shining.
Der Opener des nach Bandangaben "wohl kleinsten Konzerts, das wir je gegeben haben" war dann auch der erste Titel des neuen Albums: "Ambulance" dröhnte bei ausgezeichnetem Sound in den Raum und lockte das begeistert mitgehende Publikum prompt auf die falsche Fährte. Das sehr funkige und von Elektronik-Percussion dominierte Stück passt zwar ausgezeichnet in das Repertoire einer Band, der nachgesagt wird, das einzig Berechenbare an ihr sei die Unberechenbarkeit.
Doch "Think Tank" ist - das zeigte der weitere Verlauf des Konzerts - kein abgedrehtes, sondern ein in sich geschlossenes, reinrassiges Rockalbum geworden. Mit vielen Samples und fetten Beats, mit schrägem Gesang, Reggaeanleihen wie auf "Moroccan People's Revolutionary Bowls Club" zu hören, orientalischen Klängen, Dub und jeder Menge Funk. Aber in der Essenz eben ein Rockalbum, von dem Dave Rowntree zu Recht behaupten darf, es sei "mit Abstand das beste Album, das wir je gemacht haben".