Startseite

Vor diesem Mädchen zieht selbst Taylor Swift den Hut

Sie ist mit Taylor Swift aufgetreten, zur Musik führte sie aber eine ganz andere: Amy Winehouse. Jetzt hat Alessia Cara ihr Debütalbum veröffentlicht.

  Amy Winehouse gab ihr die richtige Stimme, jetzt macht Alessia Cara klugen Teenagersoul, den auch Erwachsene gern hören.

Amy Winehouse gab ihr die richtige Stimme, jetzt macht Alessia Cara klugen Teenagersoul, den auch Erwachsene gern hören.

Die Sache mit Amy Winehouse ist ihr ja doch ein bisschen unheimlich. Alessia Cara war neun Jahre alt, als sie zum allerersten Mal "Rehab" hörte. In diesem Moment fühlte sie, als sei ihr zum ersten Mal das Herz gebrochen worden.

Schon damals liebte sie Musik, hatte sich aber eigentlich damit abgefunden, nicht singen zu können, schließlich hatte sie alles versucht, hatte sämtliche Songs der großen Popdiven nachgesungen. Doch es wollte einfach nicht gut klingen. "Wie kann ich Musik machen, wenn ich nicht wie Mariah Carey singen kann?", fragte sich die kleine Alessia traurig. Eines Tages dann rief ihre Mutter sie ins Wohnzimmer, schau, das Mädchen in dem Video, sie erinnert mich an dich. "Amy nahm mich mit in ihre Welt", sagt Cara, die erst viel später verstand, was Winehouse da überhaupt besang. Was zählte, war das Herz.

Cara coverte ihre Lieder – und hatte plötzlich ihre eigene Stimme gefunden. Inzwischen ist sie 19 Jahre alt, auch wenn Alter im Popbusiness eine schwer zu deutende Kennzahl ist. Zum Interview isst sie ein puderzuckerbestäubtes Teilchen, beginnt die Sätze mit: "Als ich ein junges Mädchen war... also, bin ich ja immer noch", ein bisschen altklug, gleichzeitig angenehm geerdet. Im Nebenzimmer wartet ihr Vater, der als ebensolcher mit ihr um die Welt reist, das Management überlässt Cara anderen. Er habe seinen Job für sie aufgegeben, erzählt Cara, die Mutter arbeite jetzt doppelte Schichten als Friseurin. "Sie hoffen, dass es funktioniert und sie nicht mehr arbeiten müssen".

   Alessia Caras "Know-it-all" erscheint am 11. März in Deutschland.

 Alessia Caras "Know-it-all" erscheint am 11. März in Deutschland.

Es, das große Karrieregedeck, nicht viel weniger trauen sie, traut ihre Plattenfirma dem Mädchen mit den wilden Locken zu, die in Chucks und Holzfällerhemd neben der knapp bekleideten und perfekt ondulierten Taylor Swift auftritt - und später einen ihrer Tourbademäntel mitnimmt. Swift outete sich schon früh als Fan von Caras eigensinnigem Teenie-Soul, der Zuhörern unglaublich viel Wärme entgegengießt.

"Know-it-all" ist eine Ode an die Adoleszenz,an diese Zeit der Gefühlsloopings, mal genervt, mal euphorisch, mal staunend oder überfordert. "Die einzige Sache, worüber ich Musik machen kann, ist schließlich das, was ich erlebt habe."

Es wäre falsch, Alessia Cara einen Youtube-Star zu nennen. Und doch ebnete ihr das Portal den Weg zum Debüt. Jahrelang sang sie für ein überschaubares Publikum Coversongs aus ihrem Kinderzimmer, die Locken beinahe wie ein Vorhang vors Gesicht gelegt. Gesangsstunden vor der Webcam, unter jedem Video las sie Kommentare.

Eines Tages entdeckte ausgerechnet die Tochter des Musikmoguls Tony Perez ihr Cover "Sweater Weather", sie schickte ihm das Video und sagte, du musst sie kennenlernen.

 

Perez bestellte sie nach New York. Kurze Zeit später verbrachte sie ihre Nachmittage und Wochenenden in Studios rund um Toronto, ihrer Heimatregion. Am Tag ihrer Graduation erfuhr sie: Das Label Def Jam will ihr Album herausbringen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie nur ihren Eltern und einer Lehrerin von dem erzählt, was da eigentlich gerade passierte in ihrem Leben.

Im letzten Dezember ist das Album "Know-it-all" ist auf Platz neun der US-Charts eingestiegen. Cara überredete ihr Label, zuerst "Here" zu veröffentlichen, zunächst waren sie dagegen. "Ich wollte ein Statement mit meinem ersten Lied machen", sie wollte etwas sagen, jemand sein, "und ich habe gewusst, dass dieses Lied mich genau dorthin führen würde." Die Presse feierte "Here" als Hymne der Introvertierten. Das Teenagermädchen hatte Recht behalten. 

Tatsächlich sei sie gern allein und könne mit Parties oft nichts anfangen, in der Schule kannte sie kaum jemand, das stille Mädchen mit einer Handvoll guter Freunde. Und dann, plötzlich, jubelten ihr Mitschüler zu, mit denen sie lange nicht gesprochen hatte. Mädchen und Jungen von ihrer alten Highschool posten begeistert Fotos von ihrem alten Spind, ihren Schulbüchern bei Instagram.

Unter den vielen Nachrichten war auch eine des Gastgebers der Party, über die sie in "Here" singt: "Ich freu mich, dass es so gut für dich läuft, Alessia - aber meine Party war wirklich nicht so schlecht." "An dir lag es nicht, sondern an mir", antwortete sie.

Zum Glück. 

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools