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22. Mai 2008, 22:17 Uhr

Popkultur aus der Konserve

Mit David Cook feiert Amerika seit gestern sein siebtes "American Idol". Doch die Show ist schon längst viel mehr als seichte TV-Unterhaltung. Sie bestimmt, wer heute in und wer morgen out ist. Auch deshalb stand Hollywoods Elite Schlange, um eine Eintrittskarte erhaschen zu können. Von Frank Siering, Los Angeles

David Cook (Mitte) ist Amerikas neuer Superstar© Mark Mainz/AP

Es war der Abend der medialen Superlative in Amerika. 27 Millionen Zuschauer hatten es sich um 20 Uhr vor dem Fernseher bequem gemacht, um am Mittwochabend dem Finale von "American Idol" auf Fox beizuwohnen. Gar 100 Millionen Menschen, so versicherte Gastgeber Ryan Seacrest, hatten am Abend zuvor die Gesangsauftritte der beiden Finalisten David Archuleta und David Cook via SMS-Wahl beurteilt. Mit zwölf Millionen Stimmen Vorsprung gewann überraschend Rock-Imitator David Cook - und avancierte über Nacht zum absoluten Superstar in Amerika. Hat doch diese Show bereits Stars wie Kelly Clarkson oder Carrie Underwood aus der Wiege gehoben.

"American Idol", das US-Pendant zu "DSDS", feierte somit einen gelungenen Ausstand einer holperigen siebten Saison. Zum ersten Mal in der Geschichte der Show mussten leichte Zuschauerrückgänge verzeichnet werden, was dazu geführte hatte, dass das Format der noch immer erfolgreichsten Reality-Show der Welt leicht verändert wurde. "Zum ersten Mal durften die Teilnehmer Instrumente auf der Bühne spielen", so Seacrest, der glaubt, dass dieses Detail dazu geführt hat, "dass wir die wohl besten Talente, die wir jemals rekrutieren konnten, auf der Bühne hatten".

Perfekte PR-Maschinerie

Nun ist Mr. Seacrest natürlich ein perfekter PR-Trommler. Der Clear Channel Angestellte mit eigener Radioshow, eigener TV-Show und eigener Talentschmiede weiß, wie man ein Produkt gut verpackt, um es anschließend gut verkaufen zu können. "American Idol" ist ein solches Produkt. Es findet Rohdiamanten auf der monatelangen Talentsuche, bringt sie nach Hollywood, startet ein Makeover und lässt die Top 12 einen Vertrag unterschreiben, der sie unter anderem dazu verpflichtet, kostenlos Werbung für den Sponsor Ford zu machen. Die Spots für den Autohersteller werden dann während der Show ausgestrahlt. Alles ganz amüsant, alles im Zeichen der Suche nach dem neuesten amerikanischen Musiktalent. Nach dem großen Finale gibt's dann noch eine große Konzerttour für die Top 12. Und die Hoffnung, mit solch Musikgrößen wie Clive Davis oder Andrew Lloyd Webber ins Geschäft zu kommen. Und das Prinzip "Musiker aus der Konserve" (LA Times) scheint prima zu funktionieren. American Idol dient nicht nur als ideales Werbeumfeld für die Sponsoren, die auf der Suche nach dem Zeitgeist sind, es lockt auch immer häufiger Hollywoods Prominenz ins Kodak Theater. Hier wird die Sendung aufgezeichnet.

In diesem Jahr schauten dann auch gleich solche A-Listler wie Brad Pitt, Ben Stiller, Robin Williams, Celine Dion, Forest Whitaker, Billy Crystal und Bono vorbei, um in der Episode "Idol gives back" Geld für Afrika einzusammeln. "'American Idol' ist die perfekte Plattform für einen Hollywood-Star, der eine breite Fanbasis erreichen will", sagt Howard Bragman, der als Publizist in Hollywood arbeitet. Und Moderator Seacrest fügt hinzu: "Wir erreichen mit dieser Show eine Millionenpublikum. Natürlich wollen Star diese Plattform nutzen, um entweder sich selbst und noch besser, gleichzeitig eine gute Sache zu unterstützen". So war dann auch im großen Finale wieder eine bunte Palette von Stars und Sternchen anwesend, um den beiden Davids zuzujubeln. Ashley Tisdale fieberte im Publikum mit, Ben Stiller, Jack Black und Robert Downey Jr. gaben sich sogar für einen gespielten Musiksketch her. Und Teri Hatcher, ihr wurde ja vor einige Zeit eine Affäre mit dem Moderator Seacrest nachgesagt, ließ es sich nehmen, um in der ersten Reihe zur Musik von Mr. Cook mitzuschwingen.

Bryan Adams und Seal hielt es nicht mehr auf ihren Sitzen

Als dann, so kurz gegen 22 Uhr - George Michael hatte nach einem Gesangsmedley gerade die Bühne verlassen - David Cook, ein Bartender aus dem Städtchen Blue Springs im US-Bundesstaat Missouri, als Gewinner bekanntgegeben wurde, hielt es auch Bryan Adams und Seal nicht mehr auf ihren Sitzen. Als hätte Cook gerade eigenhändig die Europameisterschaft gegen Italien gewonnen, flippte die hoch motivierte Fangemeinde aus. Teenager brachen weinend zusammen, Sicherheitskräfte scharten sich sogleich um den 25-jährigen Cook. Der konnte seinen Sieg im ersten Moment überhaupt nicht fassen. "Ich dachte, Ryan würde den anderen David als Sieger nennen", so Cook nach der Show. Die Fox-PR-Maschine läuft auf am Tag nach dem Finale auf vollen Touren. David Cook im Frühstücksfernsehen, David Cook in den Late Night Talkshows. Dazwischen ein Dinner mit Clive Davis, Verhandlungen für einen lukrativen Plattenvertrag, und der Ausblick auf eine blumige musikalische Zukunft. Aber, Vorsicht: Nicht jedes "American Idol" bleibt auf Rosen gebettet. Ein kleiner Fehltritt, und die "fünf Minuten im Spotlight" sind gleich wieder vorbei. Taylor Hicks zum Beispiel, Gewinner von Saison Fünf. Sein Stern erlosch, bevor er so richtig zu strahlen began. Sein Plattenlabel feuerte ihn kürzlich. Der Grund: schwache Verkaufszahlen. Die Popmusik aus der Konserve funktioniert halt auch in Amerika nur dann, wenn sich jemand findet, der die Dose öffnen möchte.

Von Frank Siering, Los Angeles
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
Anijsch (25.05.2008, 22:05 Uhr)
American Idol mit Semi Profis
Um eines vorauszuschicken ich mag David Cook sehr, nicht so sehr wegen Idol, sondern wegen seiner eigenen Musik.
Das ist es aber auch.
Er hatte eine eigene Band, die mehrere CDs herausgebracht hat und er selbst hat auch eine eigene herausgebracht.
Ich habe jetzt nicht genau recherchiert, aber mindestens die Hälfte der Top 12 kommen aus dem Entertainment Bereich oder haben schon Platten veröffentlicht
Der zweite hat zum Bespiel als 12 Jähriger Star Search gewonnen.
Ich glaube nicht das es wirklich Zufall ist, das diese in den Top 12 gelandet sind.
Und ich glaube auch nicht das es so wirklich noch möglich ist, dass dort jemand von der Strasse kommt und es zum American Idol schafft.
jochen80 (23.05.2008, 16:16 Uhr)
dsds
woran kann man sehen, dass die superstars bei dsds nicht für länger sind? - daran, dass zu autogrammstunden und konzerte nur kinder bis 15 jahren hinrennen!
ps: stehen bei am.idol immer noch die riesen coca cola becher auf dem tresen? *g*
havranek (23.05.2008, 14:44 Uhr)
@ sternchen2007
Die Grösse eines Landes ist nicht unbedingt entscheidend ob es gute Talente hat, USA ist Menschenmässig "nur" ca. 4mal grösser, die Schweiz z.B. 10x kleiner als Deutschland, trotzdem hat Stefanie Heinzmann beim Raab gewonnen.
EIN gutes Talent reicht ja im Prinzip schon für einen Gewinner, klar, je mehr Talente umso besser.
Aber dass DSDS eine so schlechte Sendung ist liegt nicht an den fehlenden Talenten, sondern am fehlenden Hirn der Jury und Produzenten, das Konzept ist schon völlig falsch aufgesetzt!
Plakate welche von RTL gemalt werden, vielleicht können 5-jährige so getäuscht werden, die Mehrheit der Zuschauer hat den (Marketing-)Braten längst gerochen! Talente werden bei RTL nicht gefördert sondern benutzt, und das ist ja im Prinzip schon traurig!
sphinx2008 (23.05.2008, 13:43 Uhr)
American Idol - Superstar
nachdem David Cook im Finale "I still haven't found what I'm looking for" gebracht hat, das ja vom deutschen "Superstar" in einer der Mottoshows gesungen wurde, habe ich die beiden Versionen auf Youtube verglichen und kann nur sagen, dass Thomas Godoj sowohl,was Stimme (trotz Erkältung) als auch was Darbietung und Aussehen angeht, dem American Idol um Einiges überlegen ist. Ich denke, man sollte die Seriosität der Sendung nicht an der Jury, sondern am Ergebnis festmachen, und da braucht sich DSDS nicht zu verstecken.
sternchen2007 (23.05.2008, 08:14 Uhr)
@Klawe
Was die Jury angeht, so gebe ich Dir recht, aber ansonsten kann man die Talentsuche in einem so riesigen Land wie Amerika wohl kaum mit der in Deutschland vergleichen.
klawe (23.05.2008, 01:15 Uhr)
...DSDS ist dagegen Provinzposse
Ich habe die Show live mitverfolgt. Der Stern liegt falsch: Das war keine Aufzeichnung, sondern eine Live-Sendung des TV Senders FOX.
Dieses hervorragende Talentsuch-Konzept wird so brilliant gemacht, da kann sich Bohlen und Co. verstecken. In Deutschland verkommt die Kopie der Talentshow zu einem Kaspertheater mit Bohlen als Oberkasper. Es wird Zeit, dass diese Show wieder an Seriositaet gewinnt. Man kann ruhig mal bei Ryan Seacrest (uebrigens hier auch beim Channel E!) nachfragen wie sowas geht.
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