Wer schon beim Chinamann ums Eck keine Angst vor der Musik hatte, hat einen gewissen Vorteil: Alle anderen werden vielleicht vor der Riesenwelle kapitulieren, die gerade über hippe Hörer hereinbricht.

Wer sich schon bisher nicht beim lokalen Chinarestaurant gefürchtet hat, als schmalzige Klangkaskaden samt schrill-nasalen Frauenstimmen mit enormer Ausdauer über die wehrlosen Esser hereinbrachen, ist hier zwar nicht unbedingt richtig, hat aber zumindest einen gewissen Startvorteil. Denn im Zuge der hippen Bollywood-Welle kommt neben vielem Großartigen auch eine ganze Menge Musikschrott in die Regale.
Inder sind kinosüchtig - bei schätzungsweise 950 Millionen Einwohnern kommt da eine ganz schöne Marktmacht zusammen. Knapp 15 Millionen Menschen gehen dort täglich ins Kino um sich einen der zahllosen Bollywood-Filme anzusehen. So kommen etwa 800 indische Eigenproduktionen in die Kinos - längst mehr als aus Hollywood. Dieses indische Kommerzkino bietet eine Kombination aus Gesang, Tanz, Komik, Romantik und neuerdings oft auch Action. Aber immer gibt es ein Happy End. Und ganz wichtig ist dabei die Musik: In Indien wird der Filmsoundtrack meist mehrere Wochen vor dem Start veröffentlich, dessen Popularität also auch wesentlich über Erfolg oder Misserfolg des Filmes. Da die Welt immer mehr zusammenrückt, war es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Bollywood-Compilations das alte Europa erreichen und hier eine neue (Hör-)Mode auslösten.
Häufigstes gemeinsames Merkmal der Filmmusiken: Sirenenartige Gesänge und Arrangements zwischen indischer Folkore, Bigband Jazz, Soul, Lounge, sogar Flamenco, Streicharien, Cembalo und Walzerklänge kommen vor. Und um den Weltmusikanspruch noch zu unterstreichen findet man manchmal noch eine Prise Samba, Disco oder Rap.

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Wir erinnern uns: Pro Jahr kommen etwa 800 indische Bollywood-Filme in die Kinos. Die Anzahl der Songs, die so in den letzten Jahren zusammen gekommen sind, ist astronomisch. Um sich in dieser Masse nicht zu verlieren, kann man dankenswerterweise diese CD benutzen. Ohne frustrierende Umwege bietet sie den kürzesten Weg zu 15 der besten Juwelen authentischen Bollywood-Kinos. Angefangen mit "Mehbooba Mehbooba", einem unglaublich pathetischien Popsong aus "Sholay" - einem der größten Kultfilme des Subkontinents; über "Pal Bhar Ke Liye", einer IndiaOpera-goes-Mariachi-Nummer aus dem 70er Hit "Johnny Mera Naam" bis zu dem romantischen Schmachtfetzen "Ye Raatin" aus der Low-Budget-Produktion "Julie" sind nur Perlen reinsten Wassers verteten.
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