29. Juni 2007, 17:23 Uhr

500 Euro sind noch nicht zu viel

Weltstar Barbra Streisand wird am Samstag zum ersten Mal in ihrer Karriere in Deutschland auftreten. Kartenpreise von bis zu 550 Euro sorgten im Vorfeld für Empörung. Doch noch sind genügend Fans bereit, diese Summen zu zahlen. Von Carsten Heidböhmer

Barbra Streisand

Triumphzug durch Europa: Trotz astronomischer Kartenpreise singt Barbra Streisand auf ihrer Tournee vor vollen Häusern©

Die Überraschung war groß: Anfang Mai dieses Jahres kündigte die als publikumsscheu geltende Sängerin Barbra Streisand eine Konzerttournee durch Europa an, mit einem Halt in Deutschland. Nie zuvor war die Sängerin in Kontinentaleuropa aufgetreten, Konzerte in Deutschland hatte die aus einer jüdischen Familie stammende New Yorkerin bislang immer abgelehnt - mit Hinweis auf die Vergangenheit des Landes. Nun tritt die Entertainerin ausgerechnet in der ehemaligen Reichshauptstadt auf - ein starkes Signal für das lange verschmähte deutsche Publikum. Doch angesichts von Kartenpreisen von bis zu 550 Euro verging so manchem eingefleischten Fans die Freude. Vor allem in Internetforen wurde heftig über die Kartenpreise diskutiert. Tenor: Das ist reine Abzocke.

Berechtigte Wut über eine aus den Fugen geratene Preispolitik oder Kleingeistigkeit angesichts des erstmaligen Besuchs der großen Künstlerin? Michael van Almsick, Pressesprecher der Deutschen Entertainment AG, die das Konzert veranstaltet, kann den Wirbel um die Preise nicht ganz nachvollziehen. Immerhin reise die Entertainerin mit einem 58-köpfigen Orchester an. Während klassische Konzertorchester bei ihren Auftritten vom Staat großzügig subventioniert würden, müssten die Kosten in diesem Fall zu 100 Prozent über den Eintritt gedeckt werden. Zudem liege Streisand mit Einstiegspreisen von unter 100 Euro durchaus im Rahmen der vergleichbaren Weltstars, sagt van Almsick im Gespräch mit stern.de.

Rolling Stones für 188 Euro

Tatsächlich ist die Tendenz zu immer teureren Konzertkarten schon seit längerem zu beobachten. Parallel zur Krise der Musikindustrie haben immer mehr Künstler Tourneen als Einnahmequelle für sich entdeckt. Topstars wie U2 haben in der Vergangenheit bewiesen, dass Konzerte sehr viel Geld in die Kassen spülen. Auch in diesem Sommer dürfen die Musikfans wieder tief in die Taschen greifen: Wer die Rolling Stones sehen will, muss zwischen 82 und 188 Euro berappen. Die in die Jahre gekommenen Rocker von Police kosten bis zu 122 Euro. Und selbst die Konzerte eines Jungspunds wie Michael Bublé kann man nicht unter 83 Euro besuchen.

"Letzten Endes bestimmt der Markt die Höhe", sagt van Almsick. Im Fall Streisand scheint die Preispolitik durchaus aufgegangen zu sein: Mehr als 17.000 Tickets sind für die Waldbühne bereits verkauft, nur noch wenige hundert Restkarten erhältlich.

Viele Plätze blieben leer

Grundsätzlich seien Konzertveranstalter an maßvollen Preisen interessiert, so van Almsick. Allerdings ist ihr Einfluss nur begrenzt. Das Problem ist: Sind die Preise zu hoch, bleibt das Publikum weg. Die Rolling Stones mussten erst unlängst diese Erfahrung machen, als bei ihrem Konzert in der Frankfurter Commerzbank-Arena etliche Plätze leer blieben.

Barbra Streisand bleibt dieses Schicksal erspart: In Deutschland - und in den übrigen europäischen Stationen - war das Publikum bislang noch bereit, die hohen Preise zu zahlen. Nur das ursprünglich als Tourauftakt geplante Konzert in Rom wurde abgesagt - angeblich wegen der Proteste gegen die zu hohen Preise. Aus Branchenkreisen hört man hingegen eine ganz andere Erklärung: Streisand sei einfach mit ihrer Produktion nicht fertig geworden.

So beweist die Tournee vor allem eines: Die Schmerzgrenze scheint auch bei 500 Euro noch nicht erreicht. So wird sich die Preisspirale wohl noch eine ganze Weile nach oben bewegen.

 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
bendesaintpreux (02.07.2007, 07:31 Uhr)
Abzocke?
Natürlich sind die Karten für ein Streisand Konzert viel zu teuer, insbesondere wenn man daran denkt, das viele Menschenvon diesem Betrag einen ganzen Monat leben müssen.
Auf der anderen Seite, wenn man einmal die Möglichkeit hatte, Barbra Streisand auf der Bühne live zu erleben, dann denkt man über den Eintrittspreis maximal bis zum Beginn des Konzertes nach. Danach ist alles nur ein Traum. Unauslöschlich in der Erinnerung.
Ich bin ein großer "Stones-Fan". Aber der Vergleich der Kartenpreise hinkt. Nicht nur der Aufwand bei Streisand ist großer (riesiges Orchester). Streisand und die Stones spielen einfach in unterschiedlichen Liegen. Und Streisand singt live!
042020 (02.07.2007, 02:34 Uhr)
500 euro
nicht schlecht 500 euro um eine oma 2.5 stunden singen zu hohren.
ihr deutsche seit eben so reich ???
PS habe fur Pavarotti mal 90 USD
bezahlt, das war singen.
inge_je (02.07.2007, 01:20 Uhr)
Abzocke?
Die Streisand kostet viel Geld und die Deutschen, die angeblich kein Geld haben, wegen Hartz 4 usw. zahlen, da sieht man doch den Irrsinn. Ich wuerde nie fuer eine Streisand soviel Geld ausgeben. Hier in USA hat sie viele ihrer Zuhoerer mit Ausdruecken bedeckt weil sie ihr zuriefen endlich zu singen statt laufend ueber Politik zu reden. Die ist mir wirklich keinen Pfennig wert.
carbo4711 (01.07.2007, 21:31 Uhr)
Genesis
also Genesis habe ich vor ca. 18 Jahren in Köln gesehen und die Karte hat ich glaube 55 DM gekostet. 3 Jahre vorher hat Barbra Streisand ein Konzert auf ihrem Privatgrundstück gegeben und 3000 Dollar pro Karte genommen.... Na ja, es relativiert sich alles irgendwann. Ich bin jedenfalls froh in Berlin dabei gewesen zu sein, das Konzert war jeden Cent wert.
dr_sobal (01.07.2007, 11:07 Uhr)
Bublè-Karten
gibts in Deutschland für 83 Euro und in Mailand für 38 Euro. In London darf man stolze 83 Pfund hinlegen! Läßt der Gute sein Orchester an der Grenze stehen, bevor er nach Italien einreist oder nimmt er gar noch ein paar Extra-musiker mit, wenn es auf die Insel geht?
FortyTwo (29.06.2007, 20:20 Uhr)
Genesis
Zumal 96,- EUR bei Genesis schon zu der teuereren Kategorie zählt. Genesis kann man auch schon für knapp 60,- EUR bekommen - und das mit einer gigantischen Licht- und Soundshow.
goessnitzer (29.06.2007, 20:19 Uhr)
genesis
mei Red! - was sung Streisand !?! - so aehnlich wie Collins "another day in paradise" ?* - oder Fogerty (11.7.07 @ Abenberg/ MFR, 50 euro): Bad moon * rising** ~
Exrocker (29.06.2007, 20:12 Uhr)
Oh mann
nur mal eben zur Info : Mich hält man im Büro für verrückt weil ich 96 Euro für 3 Stunden GENESIS hingelegt habe .. Da relativiert sich das ganze schon wieder :-)
goessnitzer (29.06.2007, 19:42 Uhr)
Musik
..,- mancher Kaufmann uebertreibt's aber nur kurz !! - das Orchester ist eine entschuldigung, find ich. Pardon: Streisand, streisand, gesungen hat die ??*
screne (29.06.2007, 17:56 Uhr)
Nix Abzocke...
... das ist MARKTWIRTSCHAFT, Leute. Angebot und Nachfrage. Als Kaufmann wäre man ja blöde, nicht die Preise zu nehmen, die man bekommen kann. Und wenn die Streisand 500 Euro für eine Karte nehmen kann weil die Leute die Plätze nachfragen, soll die Streisand die 500 Euro bekommen.
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