Dirigent Petrenko stiehlt Regisseur Castorf die Show

29. Juli 2013, 08:54 Uhr

Buhrufe für das "Rheingold", Jubel für die "Walküre": Frank Castorfs Regiearbeit hat in Bayreuth die unterschiedlichsten Reaktionen hervorgerufen. Nur bei Dirigent Petrenko sind sich alle einig.

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"Ring"-Regisseur Frank Castorf (l.) spaltet die Gemüter, Dirigent Kirill Petrenko hingegen begeistert das ganze Festspiel-Publikum©

Er habe gar nicht den Anspruch, einen Jahrhundert-"Ring" auf die Beine zu stellen, sagte Frank Castorf kurz vor Beginn der Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele. Und nach den ersten beiden Teilen erhärtet sich der Verdacht: Die Gefahr besteht wohl auch nicht. Es ist der Jubiläums-"Ring des Nibelungen" im großen Wagner-Jahr, entsprechend groß war die Spannung. Doch was Regisseur Castorf, der nach Absagen von Tom Tykwer und Wim Wenders reichlich kurzfristig als Regisseur einsprang, jetzt in Bayreuth vorgelegt hat, enttäuscht bislang.

Zwar gefällt dem Bayreuther Publikum Castorfs "Walküre" deutlich besser als das grellbunte "Rheingold", das kann aber nicht über das ungute Gefühl hinwegtäuschen, dem Berliner Regisseur sei inhaltlich nicht wirklich etwas zu Wagners Tetralogie eingefallen.

Fokussierung unmöglich

Nach Tankstellen- und Motel-Kulisse (Bühnenbild: Aleksandar Denic), B-Movie-Ästhetik, einem Gangster-Wotan und leicht bekleideten Rheintöchtern im "Rheingold" geht es in der "Walküre" deutlich gesitteter zu. Das Bayreuther Publikum, das nicht als konservativ gelten will, aber immer wieder das Gegenteil unter Beweis stellt, freut sich darüber. In der ersten Pause atmen viele hörbar und erleichtert durch. Seine Inszenierung stört nicht großartig - damit kann ein Frank Castorf doch eigentlich nicht zufrieden sein.

"Das ist ein Quantensprung", sagt eine Wagnerianerin. Genau genommen ist es das aber nicht. Diesmal spielt die Geschichte zwar nicht, wie im "Rheingold", in den USA der 1960er Jahre, sondern bei der Ölförderung in Aserbaidschan. Kulisse ist ein schäbiger Förderturm auf einer Drehbühne. Beziehung zu Teil eins? Eher Fehlanzeige.

Castorfs Konzept aber bleibt weitgehend das gleiche: Er setzt auf filmische Untermalung und lässt die Sänger stets von einem Kameramann begleiten. So nah hat man die Stars der Wagner-Oper selten bei der Arbeit beobachten können. Dadurch geht aber viel von der großen ganzen Geschichte verloren. Schlüsselszenen verpuffen, weil gerade auf der Leinwand etwas völlig anderes läuft. Und immer wenn Fokussierung droht, rollt wieder jemand irgendwo ein Bettlaken aus und bastelt damit eine neue Leinwand.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, welches Thema Castorf für seine Inszenierung gewählt hat und warum Kirill Petrenko das Publikum fasziniert.

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