Als Schlagzeuger der Beatles gehörte er in den 60er Jahren zur berühmtesten Musikgruppe der Welt. Jetzt wird der Spaßvogel der Fab Four 70 - und trommelt auch an seinem Geburtstag munter weiter. Von Carsten Heidböhmer

Ringo Starr - auch an seinem 70. Geburtstag wird der Ex-Beatle hinter dem Schlagzeug sitzen© AP
Es war nicht der clevere John Lennon, nicht Paul McCartney, der Liebling aller Schwiegermütter. Und schon gar nicht der stille George Harrison. Stattdessen flogen Ringo Starr während der "Beatlemania" Mitte der 60er Jahre der größte Teil der Mädchenherzen zu. Das hat er wohl gleichermaßen seinem traurigen Dackelblick wie seinem frischen Humor verdanken. Doch sein Anteil am Erfolg der Fab Four geht weit darüber hinaus: Auch als Schlagzeuger und Sänger trug er seinen Teil zum Erfolg der Beatles bei - wenngleich dieser Aspekt lange Zeit gerne unterschlagen wurde.
Dass aus Ringo Starr einmal der berühmteste Schlagzeuger der Welt werden würde, war bei seiner Geburt alles andere als wahrscheinlich. Als Richard Starkey kam er am 7. Juli 1940 in dem tristen Liverpooler Arbeiterviertel Dingle auf die Welt. Sein Vater war ursprünglich Hafenarbeiter, später arbeitete er in einer Bäckerei. Seine Eltern ließen sich früh scheiden. Der kleine Richard war von schwacher Konstitution und musste wegen einer schweren Tuberkulose mehrere Jahre im Krankenhaus verbringen.
Seine musikalische Karriere begann er nach gescheiterten Anläufen als Botenjunge, Barkeeper und Schreiner 1959 bei der Liverpooler Band Rory Storm And The Hurricanes. Aus dieser Zeit stammt auch sein Künstlername: Ringo nannte er sich wegen der vielen Ringe an seiner Hand, Starr leitet sich von seinem Nachnamen ab. Bei einem Gastspiel im Hamburger Star Club traf er 1960 erstmals die Beatles, die ihn zwei Jahre später für den untalentierten Pete Best als Schlagzeuger in ihre Band aufnahmen.
Doch auch Starr war auf seinem Instrument kein Überflieger: Die Legende besagt, dass auf der ersten Beatles-Single "Love me do" an seiner Stelle ein Studiomusiker trommelte. Im Laufe der Jahre entwickelte Ringo Starr jedoch seinen eigenen Stil, der den Sound der Gruppe maßgeblich prägte. Seine begrenzten Fähigkeiten setzte er derart effektiv ein, dass man noch heute den "Ringo-Sound" heraushört. Gut möglich, dass seine Eigenheiten daraus resultieren, dass ihn seine Großmutter gewaltsam vom Links- zum Rechtshänger umerzogen hat.
Lange galt Starr wegen seiner technischen Limitierung als schlechter Schlagzeuger. Von Muhammad Ali ist etwa das Zitat überliefert, sogar sein Hund spiele besser Schlagzeug. Seine Bandmitglieder konterten derartige Geringschätzung immer mit dem Hinweis, Ringo sei der beste Schlagzeuger der Welt. Inzwischen ist er auch in der Fachwelt rehabilitiert: Zahlreiche Experten und Profimusiker erkennen seine Leistung an und verehren ihn für sein charakteristisches Trommelspiel, das ihn bis heute unverwechselbar gemacht hat.
Als Komponist trat er kaum in Erscheinung. Nur wenige Beatles-Songs stammen aus seiner Feder: "Don't Pass Me By" und "Octopus's Garden" schrieb er allein, an "What goes on", "Flying" und "Dig It" war er als Co-Autor beteiligt. Dafür sang er auf jedem Album - mit Ausnahme von "Let it be" - mindestens ein Lied, darunter Klassiker wie "With A Little Help From My Friends" und "Yellow Submarine". Auch jenseits der Musik setzte er Akzente: Ohne Ringos humoristische Einlangen wären die ersten beiden Beatles-Spielfilme, "A Hard Days Night" und "Help" nur halb so komisch.