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Tränen in den Charts

Eigentlich wollten sie nur ein bisschen Singen - um Spenden für Afghanistan-Veteranen zu sammeln. Doch dann landete ein Chor britischer Soldaten-Frauen plötzlich einen Nummer-Eins-Hit. Seitdem weint ein ganzes Land vor Rührung.

Von Cornelia Fuchs, London

  Die Soldatenfrauen und der Hit: Ihr Song "Wherever You Are" ist die schnellstverkaufte Weihnachtsnummer seit Jahren

Die Soldatenfrauen und der Hit: Ihr Song "Wherever You Are" ist die schnellstverkaufte Weihnachtsnummer seit Jahren

Die Beatles schafften es vier Mal, die Spice Girls drei Mal, sogar Bob der Baumeister war schon ganz vorne wie auch Robbie Williams, Rage against the Machine und Leona Lewis: Was zu Weihnachten in Großbritannien den Nummer Eins der Single-Charts belegt, ist jedes Jahr wieder ein wochenlang ausführlich besprochenes Großereignis. Und meistens mit ein bisschen Spaß verbunden.

Dieses Jahr sollte es eigentlich eine Retorten-Band aus einer der vielen Talent-Shows werden, so schnell vergessen wie sie in die Herzen von Millionen von Teenies gestürmt waren. Doch dann kamen diese Ehefrauen britischer Soldaten - und wollten ein bisschen singen, um Spenden zu sammeln für die Reha-Maßnahmen verletzter Afghanistan-Rückkehrer. Die BBC drehte über Monate einen herzerweichenden Dokumentarfilm über den jungen, enthusiastischen Chorleiter, der die Mütter, Hausfrauen und Freundinnen der Kämpfer aus ihren Kasernen-Wohnungen ins Studio begleitete. Und während in den britischen Nachrichten Experten das Ende des Euros heraufbeschworen, schaute die Nation zu, wie sich diese Frauen von schüchternen, kichernden zurückgebliebenen Hälften zu wahren Stimmwundern wandelten.

Eine junge Frau mit vielem Tattoos ist der stille Star

Am Ende der Dokumentation steht der Chor der Soldaten-Frauen in der Royal Albert Hall in London, und singt Prinz Charles und Tausenden von Zuschauern das Lied "Wherever you are" vor. Der Text besteht aus Sätzen aus Liebesbriefen der Royal-Marine-Frauen aus Plymouth an ihre Ehemänner in Afghanistan. Der stille Star der Veranstaltung war Sam, eine junge Frau mit roter Brille und einer enormen Menge an Tattoos, die mit einer solch klaren Stimme singt, dass sogar der Herzogin von Cornwall die Tränen in den Augen zu stehen scheinen. Selbst die britische Regierung war gerührt: Sie spendet die Mehrwertsteuer der Single an Hilfsorganisationen für verletzte Soldaten - wie auch die weiteren Erlöse dem guten Zweck zugeführt werden.

Die Nummer war derart anrührend, dass der Chor bei den Proben mit jeder neuen Zeile neue Packungen von Taschentücher verbrauchte. Soloistin Sam brach regelmäßig in Tränen aus. Und zu Weihnachten weinte schließlich die ganze britische Nation mit: aus Stolz auf die Streitkräfte, auf die Nation und was diese trotz allem noch zu Stande bringt - und weil es wahrscheinlich einfach schön ist, nach diesem aufreibenden Jahr 2011 einmal so richtig loszulassen.

Die Single hält sich übrigens auch nach Weihnachten ganz oben in den Charts, sie ist die schnellstverkaufte Weihnachtsnummer seit sechs Jahren.

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