Nach dem Raab ist vor dem Raab

30. September 2010, 17:20 Uhr

Stefan Raab präsentiert sich am Vortag des sechsten Bundesvision Song Contest als entspannter König des deutschen Musikfernsehens. Das hat er sich auch verdient. Von Sophie Albers

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"Da ist Brandenburg": Stefan Raab präsentiert den sechsten Bundesvision Song Contest©

Aufstellung für eine Pressekonferenz der etwas anderen Art im Bauch der Max-Schmeling-Halle in Berlin: Zwischen weißen Lederimitat-Hockern und -Sofas wuseln von rosa-blauem Lounge-Licht beschienene Menschen durcheinander. In ein paar Minuten soll sich das Wirrwarr aus Musikern mit hängenden Hosenhintern (Hört das denn nie auf?), drängelnden Fotografen (Das war mein Fuß!) und energischen Pressevertretern, die mit schneidender Stimme Befehle ins Telefon bellen (Ja, wir haben Sie alle gehört!) auf die Plätze vor und hinter einer Stahlkette verteilen. Klappt nicht so ganz. Aber zumindest "Der Graf" von Unheilig, Dirk Darmstaedter&Bernd Begemann und die Mitglieder der Band Silly sitzen schon richtig.

Dann kommt auch endlich Stefan Raab, Schöpfer des Bundesvision Song Contest - oder auch "BuViSoCo" wie die "Leistungsshow der deutschen Popmusik" liebevoll genannt wird - und hart erarbeiteter König des deutschen Musikfernsehens. Spätestens mit dem Eurovision-Songcontest-Sieg seiner Lena hat er allen gezeigt, wo die Harfe hängt.

Trotzdem fängt er mit einer Rechtfertigung an: Der Bundesvision Song Contest habe als Spaß begonnen, "weil wir ein bisschen sauer waren, dass man beim Eurovision Song Contest keine Preise gewinnen kann", verkündet er kalt lächelnd im Pluralis Majestatis. Der "BuViSoCo" sei keine Konkurrenz-, sondern eine Alternativveranstaltung, so Raab weiter, während sein Lächeln zum berüchtigten Raab-Grinsen wird. Schon klar.

Von Ich+Ich bis Bakkushan

Am Freitag wird TV-Herrscher Raab das Fernsehen zum sechsten Mal die deutschsprachige Musik feiern lassen. Jedes Bundesland wird von einer Band mit einem mindestens zu 50 Prozent deutsch gesungenen Song vertreten. Pflicht ist ein besonderer Bezug zum Bundesland - allerdings müssen die Musiker dort nicht mal wohnen. "Bands gehen ja eh Berlin, weil man hier leichter an die Sozialleistungen kommt", ätzt Raab. Der Saal lacht. Der Grund dafür, dass der "BuViSoCo" diesmal in der Hauptstadt über die Bühne geht: Der Berliner Peter Fox hat im vergangenen Jahr gewonnen.

Er sei froh, dass die Suche nach dem besten Song Deutschlands mittlerweile auch erfolgreiche, gestandene Bands anlocke, sagt Raab. Sie hätten begriffen, dass es nicht schlimm sei, wenn man nicht Erster wird. Dann dreht er den Kopf und betrachtet mit vorgeschobenem Unterkiefer einen Bildschirm, auf dem ein Filmchen läuft, das diese erfolgreichen, aber auch weniger erfolgreichen Musiker (die seien ihm besonders wichtig, sagt Raab) vorstellt.

Song zum Buch "Deutschland schafft sich ab"

Und es sind große, chartbeliebte Bands mit dabei: Unheilig singen für Nordrhein-Westfalen, Ich+Ich für Berlin, Selig für Hamburg. Weniger bekannt sind Mikroboy (Saarland), Bakkushan (Baden-Württemberg) oder auch Kleinstadthelden (Bremen). Bei der Ankündigung der Blockflöte des Todes, die für Sachsen mit dem Song "Alles wird teurer" (über fair gehandeltes Koks) in die Musikantenschlacht zieht, muss Raab lachen. Ziemlichen Respekt hat er offensichtlich vor dem Konzept-Popper Das gezeichnete Ich (Brandenburg). Nach dem Film folgt das übliche Geplänkel der Teilnehmer: Dass man sich freue, dabei zu sein, weil Dabeisein bekanntlich alles ist, und dann erklärt König Raab den Anwesenden anhand einer Landkarte sein Reiches noch ein bisschen deutsche Geografie. Wo ist Rügen?

Zumindest am Ende der Pressekonferenz gibt es aber doch noch einen raab-schönen Witz: Weil eine Junge-Jungs-Band noch darauf hinweisen möchte, dass der Titel ihres Liedes der Titel eines Buches von Truman Capote sei, nutzt Raab die Steilvorlage für ein bizarres Gedankenspiel, das man auch auf dem Weg aus der Halle nicht los wird: "Vielleicht sollte ich auch mal nen Song nach nem Buch machen: 'Deutschland schafft sich ab'".

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