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Hamburger Arzt erinnert sich: Mein Patient Bowie

Er behandelte David Bowie in der Notaufnahme, kam mit ihm ins Gespräch und begleitete ihn schließlich nach New York: Ein Hamburger Arzt stand lange Jahre mit Bowie in Kontakt. Im stern erzählt er davon.

David Bowie bei einem seiner letzten Konzerte im Jahr 2004

David Bowie bei einem seiner letzten Konzerte im Jahr 2004

Immer wieder rief ihn an, mehrfach besuchte er den Sänger in seiner Wohnung in Soho, diskutierte mit ihm über seine Kunst, über Atomenergie, über das Leben: Der deutsche Arzt Michael Ehnert kann einige Geschichten über den Weltstar erzählen.

Sie trafen sich im Sommer 2004 in der Notaufnahme des Krankenhaus St. Georg in Hamburg. Der Weltstar, der kurz zuvor beinahe einen Herzinfarkt auf der Bühne hatte. Und der deutsche Arzt. Bowie, der damals beim Hurricane-Festival in Scheeßel aufgetreten war, klagte über Schmerzen in der Schulter und im Arm, vielleicht ein eingeklemmter Nerv.

Michael Ehnert behandelte David Bowie 2004 in Hamburg

Michael Ehnert behandelte David Bowie 2004 in Hamburg

Doch Untersuchungen zeigten, dass eine seiner Arterien verstopft war. Bowie wurde ein Stent eingesetzt, seine geplante Welttournee musste er absagen. Er blieb in Behandlung von Ehnert, der untypisch viel Zeit mit seinem Patienten verbrachte – nicht, weil er es so wollte, sondern weil Bowies Offenheit dazu einlud. Noch heute, wenn er an Bowie zurückdenkt, ist Ehnert erstaunt über die Bescheidenheit und Empathie des Künstlers. „Er verhielt sich wie ein normaler Patient und war ehrlich interessiert, ja hungrig, auch unsere Geschichten zu hören.“ 

Lediglich seine Entourage an Begleitern erinnerte daran, dass sie einen der bedeutendsten Musiker dieser Zeit zu behandelten. Zum Ende seines Aufenthalts bat Bowie Ehnert, ihn auf seinem Flug zurück nach New York zu begleiten. Ehnert blieb eine Woche - und auch danach traf er Bowie, wenn er in der Stadt war. Mehrfach rief der Sänger ihn an, um über seine Behandlung in New York zu sprechen.

"Ich habe gerade keine Zeit"

Einmal, so erinnert sich Ehnert, rief Bowie ihn an und erzählte, er solle bei den Oscars auftreten und wollte wissen ob er das schon könne. Ehnert stand damals im Treppenhaus, „und ich hörte mich tatsächlich sagen: Kannst du später noch einmal anrufen? Ich habe keine Zeit.“ Was Bowie auch tat. Der Sänger habe die Reaktion ganz normal gefunden, Ehnert denkt heute noch daran, wie leicht Bowie es ihm gemacht habe, mit ihm wie mit jedem anderen umzugehen.

Vor zwei Jahren hörte er zuletzt von Bowie. „Ihn selbst anzurufen, hätte ich inadäquat gefunden.“ Von der Erkrankung des Sängers erfuhr er erst mit der Nachricht seines Todes. Auch Ehnert, ausgebildeter Onkologe, ahnte nichts von der Krebsdiagnose, auch wenn er den letzten Bildern des Weltstars ansah, dass es ihm nicht gut ging. „Er war eben ein Perfektionist seiner eigenen Öffentlichkeitsarbeit.“ Bis zum traurigen Ende.

val

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