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Ohne. Bowie.

Fassungslos. So traurig, wie man traurig sein kann, wenn ein Idol stirbt, das größer ist als alle anderen Idole. Und dann ist da dieses neue Album, "Blackstar", wie ein Abschiedsgeschenk. So wollte David Bowie also die Welt verlassen?

Von Sophie Albers Ben Chamo

David Bowie

David Bowie - "Sein Tod ist nicht anders als sein Leben - ein Kunstwerk"

Zuletzt war ich mit David Bowie im KDW. Kurz vor Weihnachten. In meiner Vorstellung. Als sein Sohn, der großartige Regisseur Duncan Jones, mir am Telefon erzählte, dass sein Vater mit ihm als Kind zu Weihnachten immer ins Berliner Luxuskaufhaus gegangen sei, wo sie dann zusammen den riesigen Deko-Weihnachtsbaum in der Mitte bestaunten.

Davor war ich mit David Bowie im Berliner Planetarium. Es war die Listening-Session für sein neues Album, "★" (Blackstar), das nun auch sein letztes ist. Gerade eben erschienen am 8. Januar, an Bowies 69. Geburtstag. 42 Minuten musikalischer Mut. Ich habe es "David Bowies Vermächtnis" genannt. Was für eine entsetzliche Überschrift, denke ich seit den Morgenstunden. Seitdem ich weiß, dass dieser Popgigant nicht mehr lebt. "Unsterblich" sei er, hat eine Kollegin gesagt. "Offensichtlich leider nicht", habe ich geantwortet.

Und er wusste es, sagt mein Mann, der seit Stunden "★" hört und nach Antworten sucht. Lazarus steht da in großen Lettern - für all die, die noch CDs mit Artwork besitzen -, wenn man das Album aufklappt. Und rechts davon der Text zu dem Song: "Look up here, I am in heaven/ I've got scars, that can't be seen/ I've got drama, can't be stolen/ everybody knows me now". (Sieh nach oben, ich bin im Himmel/ Ich habe Narben, die unsichtbar sind/ Ich habe Drama, das mir niemand nehmen kann/ Jeder kennt mich jetzt). Bowies Stimme singt "Black Star is waiting for me" und "You know, I'll be free", und es bricht mir das Herz. "Oh, I'll be free/ just like that bluebird/ Oh, I'll be free/ ain't that just like me". (Ich werde frei sein wie der blaue Vogel/ ich werde frei sein, das sieht mir doch ähnlich) Ja, er wusste es. Und er war vorbereitet.


Ist Ihnen auch aufgefallen, dass am Anfang des "Blackstar"-Videos ein toter Astronaut zu sehen ist? Die Welt dreht sich schillernd wie ein Kaleidoskop bestehend aus den verschiedenen Räumen der David-Bowie-Ausstellung, die gerade erst in Berlin Station gemacht hat (und die jetzt im holländischen Groningen zu sehen ist). Wo man eintauchen konnte in das Kunstwerk David Bowie. Sehen, hören, fühlen. Plattencover, Skizzen, Kostüme, Filmausschnitte, Schuhe, Perücken, Hausschlüssel und das Computerprogramm, mit dem er angeblich Texte geschrieben hat. Ein unvergesslicher Bowie-Rausch. Irgendwann habe ich in einem großen schwarzen Raum gesessen, an dessen Wänden verschiedene Konzertausschnitte liefen. Daneben Puppen mit den berühmten Bowie-Outfits. Ich wollte gar nicht mehr gehen.  

He always did what he wanted to do. And he wanted to do it his way and he wanted to do it the best way. His death was...

Posted by Tony Visconti on Monday, 11 January 2016


"Er hat immer getan, was er wollte. Und er wollte es auf seine Art machen und so gut wie möglich. Sein Tod ist nicht anders als sein Leben - ein Kunstwerk", hat Bowies Produzent Tony Visconti geschrieben. "Blackstar" sei ein "Abschiedsgeschenk". "Ich wusste seit einem Jahr, dass es so kommen würde. Ich war trotzdem nicht darauf vorbereitet. Er war ein außergewöhnlicher Mensch, voller Liebe und Leben. Er wird immer mit uns sein. Jetzt ist es angemessen zu weinen."

Wie wir Bowie erinnern

Bowie wollte also das "Vermächtnis". Dieses Album steht für die Akzeptanz dessen, was kommt. Dessen, was angeblich nicht einmal die Plattenfirma wusste. David Bowie war ein Mann, der Kontrolle hatte. Einer der wenigen Popstars, die die öffentliche Aufmerksamkeit zu lenken verstehen, die Erwartungen als Herausforderung ansehen. Und für sein Publikum hat er bis zum Schluss die Kontrolle behalten. Bis zum Ende exakt das gegeben, was wir hören sollen, damit wir es in Erinnerung behalten, wenn die Show vorbei ist. Diese Erinnerung ist nun ein ganzes Leben.

Meine erste Erinnerung ist das Zitat am Anfang von John Hughes' Kultfilm "The Breakfast Club": "And these children that you spit on as they try to change their worlds; are immune to your consultations, they are quite aware of what they are going through." (Und diese Kinder, auf die ihr spuckt, während sie versuchen, ihre Welt zu verändern, sind immun gegen eure Ratschläge; sie wissen ganz genau, was sie durchmachen)

Und was ist Ihre erste Erinnerung?

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