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Die Diva und der Gigolo

Große Überraschung: Marlene Dietrich und David Bowie haben einander Briefe geschrieben. Einige davon wurden nun wiederentdeckt und sind in der Berliner Bowie-Ausstellung zu sehen.

Von Anja Lösel

"Unser Film sieht glänzend aus." Marlene Dietrich und David Bowie haben einander verehrt. Doch ein Treffen gestaltete sich schwierig.

"Unser Film sieht glänzend aus." Marlene Dietrich und David Bowie haben einander verehrt. Doch ein Treffen gestaltete sich schwierig.

Als sie die Briefe in den Händen hielt, wusste sie sofort: Das ist eine Sensation. Eigentlich hatte Christine Heidemann in der Kinemathek am Potsdamer Platz nur nach ein paar Fotos für die große David-Bowie-Ausstellung gesucht. Doch dann stieß die Berliner Kuratorin plötzlich auf Original-Briefe von David Bowie, adressiert an eine Person, die er ganz besonders verehrte: Marlene Dietrich.

"Schöner Gigolo, armer Gigolo" heißt der fast vergessene Film, in dem Marlene Dietrich und David Bowie 1978 gemeinsam auftraten. Er spielt einen feschen Kerl im Berlin der 20er Jahre, der davon lebt, ältere Damen zum Tanz zu verführen und manchmal auch zu mehr. Sie gibt die geheimnisvolle Diva mit knallrot geschminkten Lippen - ihre letzte Rolle überhaupt. Das Ganze ist angelehnt an Erich Kästners Roman "Fabian". Ein etwas kurioser und wirrer Streifen, der trotz der beiden Superstars in den Kinos floppte.

Immerhin lernten die deutsche Diva und der britische Popstar sich damals kennen, sollte man meinen. War aber nicht so. Obwohl Marlene und Bowie im selben Film zu sehen sind, trafen sie sich nicht ein einziges Mal. Denn Marlene mochte nicht mehr reisen, schon gar nicht nach Deutschland. Sie setzte durch, ihren Part in Paris spielen zu dürfen, während Bowie in Berlin vor der Kamera stand.

Das Kokain aus dem Kopf kriegen

1976 war Bowie hierher geflohen, weil er Drogenprobleme hatte und auf dieser seltsamen Insel West-Berlin zur Ruhe kommen wollte. Er aß Steak mit Kartoffeln und begeisterte sich für die expressionische Malerei von Erich Heckel. Mit dem Fahrrad fuhr er ins Brücke-Museum nach Dahlem, um das Kokain aus dem Kopf zu bekommen. Von den Gemälden ließ er sich zu seinen Plattencovers anregen. Wahrscheinlich hat die Stadt ihm das Leben gerettet.

In Berlin-Schöneberg, Hauptstraße 155, mietete Bowie sich eine Altbauwohnung. Damals war das eine öde, graue Gegend. "Ich fahre jeden Tag dran vorbei", sagt Christine Heidemann, "unten ist ein Tattoostudio". Manchmal stehen Leute vor dem Haus, die die Eingangstür fotografieren und einen Blick ins Treppenhaus erhaschen wollen. Der Bowie-Zauber wirkt immer noch.

"My deepest love and respect"

Und was steht nun drin in den Briefen? "Die beiden schrieben einander vor allem, wie sehr sie sich gegenseitig verehrten und schätzten", sagt Christine Heidemann. "Sie diskutierten nicht das politische Weltgeschehen." Immer wieder geht es darum, wann sie sich endlich einmal treffen könnten.

Unterwegs in Detroit schreibt Bowie an Marlene, wie grau und traurig alles um ihn herum ist. "Ich hoffe, Sie in Amerika zu treffen", erklärt Marlene im April 1978, obwohl sie doch gar nicht ans Reisen denken mag. "Unser Film sieht glänzend aus", schreibt Bowie zurück.

Einmal ist er ihr sogar ganz nah. Seine Tournee hat ihn nach Paris geführt, aus seinem Hotel schickt er ihr eine Karte, er wohnt "natürlich im Plaza" - genau gegenüber von Marlenes Wohnung. Und bezeugt ihr in schwungvoll-schöner Schrift "my deepest love and respect".

Trotzdem klappt es nicht mit dem Treffen. Man schwärmt sich weiterhin aus der Ferne an, Marlene schnippelt Artikel über Bowie aus der Zeitung und hebt sie auf. Sie muss ihn sehr gemocht haben. Wie so viele.

Das Sofa aus dem Dschungel

Die können Bowie nun in der Berliner Schau ganz nah sein. Mit perfektem Sound auf dem Kopfhörer taucht man ein in Bowies Musik, bewundert seine Kostüme, Videos und Plattencover. Ein Sonderteil zur Berliner Zeit des Popstars zeigt kuriose Ausstellungsstücke wie das verschlissene Samtsofa aus dem "Dschungel". Und Filmaufnahmen von DDR-Polizisten, die 1987 während des Bowie-Konzerts vor dem Reichstag versuchen, Ostberliner Fans von der Mauer wegzudrängen.

In London, wo die Schau im vergangenen Sommer zu sehen war, strömten 311.000 Besucher ins ehrwürdige Victoria & Albert Museum. Ein Rekord. Könnte sein, dass es auch in Deutschland voll wird. Berlin und Bowie - das war schon immer eine Liebesgeschichte.

Martin-Gropius-Bau, 20. Mai bis 10. August, täglich von 10 bis 20 Uhr. Tickets: davidbowie-berlin.de

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