12. Juli 2012, 10:28 Uhr

Wie die Steine das Rollen lernten

Sie gaben Sex, Drugs and Rock'n'Roll erst eine Bedeutung, sie waren der Sound mehrerer Generationen: Vor 50 Jahren gaben die Rolling Stones ihr erstes Konzert. Bilder aus den Gründerjahren. Von Veronika Gstöttl

Charlie Watts, Keith Richards, Bill Wyman (vorne), Mick Jagger und Brian Jones (v.l.) sind die Rolling Stones. Die größte und berühmteste Rockband der Welt nahm 1962 ihren Anfang - mit ihrem ersten Auftritt im Marquee-Club in London am 12. Juli. Keith Richards sagte einmal: "1962 ist für mich das Jahr der Empfängnis, 1963 das Jahr der Geburt." Dieses Bild stammt aus dem Geburtsjahr der Band - 1963 veröffentlichten sie ihre erste Single "Come On", ein Cover des Chuck-Berry-Songs.

Es ist Oktober 1961 in Dartford in Kent. Ein Kaff in der Nähe von London. Zwei schlaksige Twens stehen am Bahnhof, warten - wie fast jeden Morgen - auf den Zug. Sie kennen sich von früher aus der Schule und weil sich in der kleinen Stadt irgendwie alle kennen. Sie reden über Chuck Berry, über Schallplatten und Gitarren. Weil sie sich sympatisch sind, verabreden sie sich, um gemeinsam ihre Plattensammlungen zu hören. Und das ist er, der Moment. Hier nahmen die Rolling Stones ihren Anfang.

Die zwei hochaufgeschossenen jungen Männer waren Keith Richards und Mike (Mick) Jagger. Sie schrieben in den 60ern und 70ern mit den Rolling Stones Musikgeschichte. Die Rocker lebten das "wilde Leben", hatten Affären mit Models und Schauspielerinnen, berauschten sich mit Kokain und Jack Daniels, wurden verhaftet und doch - sind die Stones der Inbegriff des Rock'n'Roll.

Anfang der 60er war der Beginn einer Revolution. Es war ein Kampf für die Freiheit. "Make love, not war" prangt auf Plakaten, Hippies schließen sich zu einer Friedensbewegung zusammen, unter ihnen Rainer Langhans in der berüchtigten Kommune 1 in Berlin. Zum Klang der Beatles und Elvis Presley schaukeln die Jugendlichen in den VW-Kastenwagen. Es war die Zeit des ersten James Bond und der Legalisierung der Pille. Mittendrin: die Rolling Stones. Ungezügelt, tabulos, wild gaben sie den Rhythmus vor.

Heute, 50 Jahre nach ihrem ersten Auftritt, sind die Rocker gealtert, aber nicht alt. Sie haben die Welt gesehen, erlebt und haben ihr ihren Stempel aufgedrückt - geöffnete Lippen und eine rausgestreckte Zunge. Mit Welttourneen, Filmen und Büchern haben die Rockstars bis heute Milliarden verdient. Zum alten Eisen gehören die Mitt-Sechziger aber noch lange nicht. Eine weitere Tournee? Ein neues Album? Nichts ist unmöglich für die Legenden des Rock'n'Roll.

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