5. Oktober 2007, 13:50 Uhr

In dubio pro Britney

Rauchen vor den Kindern, mieser Klamottenstil, Besäufnis am Wochenende: Alles ganz normal, was Britney Spears in ihrem Privatleben treibt, meint Till und bricht eine Lanze für die skandalträchtigste Mutter der Welt. Von Till Hoheneder

Britney Spears verlässt ein Hotel mit Sohnemann Sean Preston auf dem Arm©

Leute, mal ganz ehrlich! Diese miese, heuchlerische und von Doppelmoral geprägte Hetzkampagne gegen Britney Spears ist nicht mehr auszuhalten! Gehen wir doch mal die Vorwürfe der Reihe nach durch: Britney trinkt Alkohol vor den Kindern! Bitte, was ist daran schlimm? Was ist mit tausenden von deutschen Vätern, die sich nach der Arbeit, zum Essen oder schon morgens aus der Abteilung "Konterbier" im Beisein der lieben Kleinen ein leckeres Pils reinschrauben? Stellt Euch mal morgens an einen Kiosk und achtet darauf, wie viele Autofahrer auf dem Weg zur Kita anhalten, um sich schnell noch die drei großen "B" zu besorgen: Bild, BiFi, Boonekamp!

Oder die lieben Muttis aus der Krabbelgruppe "Lillebror", die sich jeden Mittwoch immer zum Frühstück treffen und die üblichen Dialoge austauschen: Die Britta: "Sag mal Uta, Der Finn, wie alt ist der eigentlich?"
Die Uta: "Der Finn? Elf Monate, wieso?"
Die Britta": "Du, weil der so undeutlich spricht. Der Paul hat in dem Alter schon ganze Sätze gesagt, fragDen Rainer!"
Bei jedem dieser Quassel-Kaffeekränzchen wird ordentlich Prosecco vernichtet, denn nüchtern würden die Damen sich doch gar nicht ertragen. Also lasst doch "der Britney" auch ein Tässchen Eierlikör oder was auch immer zum Frühstück oder über den Tag verteilt!

Ob Promiparty oder Ü30 in der Provinzdisko - alles das Gleiche

Auch der nächste Vorwurf ist lächerlich: Britney läuft vor ihren Kindern nackt rum! Unfassbar. Wahrscheinlich war sie sogar nackt, als sie die Kinder gezeugt hat? Aber was erwarten wir von einem Land, dass "sichtbare" Brustnippel unter Pullovern in Filmen wegretuschieren lässt? Weitere Horrorvorstellung prüder, amerikanischer Sittenwächter: Welches Paar ist von seinen Kindern nicht mindestens einmal beim sonntäglichen Nachmittagsvollzug erwischt worden? Leute, nach amerikanischen Maßstäben müsste man 50 Prozent aller Mütter im Ruhrgebiet das Sorgerecht für ihre Kinder entziehen, denn die sind wie Britney: Komische Frisur, vor den Kindern rauchen und trinken und am Wochenende... Paaaaarty! Einziger Unterschied: Britney fährt Mercedes Cabrio und feiert in Promi-Clubs, während Jacqueline Katlewski mit dem alten Twingo zur Ü- oder U30 Party zockelt.

Nein, nein. Britney Spears ist bestimmt auch eine tolle Mutti. Und ich kenne dieses Theater. Was haben ehemalige Mithäftlinge und Putzfrauen nicht alles schon über mich erzählt! Ich hätte Haarausfall, würde mir schon morgens das Kokain fingerdick aufs Butterbrot schmieren und die Kinder jeden Tag auf Stöckelschuhen eiernd in einem Benjamin Blümchen-Kostüm rumkommandieren. Da stimmt doch auch nur die Hälfte! Eines Tages gibt es Gerechtigkeit für Britney, dann gibt es den großen ARD-Zweiteiler "Britney Eine Mutter gibt nicht auf!" Hauptrolle: Na klar, Frau Ferres! Bei den Ähnlichkeiten (äußerlich, ohne Photoshop!): schlecht gefärbte blonde Haare, Hüftspeck, komische Kinnpartie. Weitere Gemeinsamkeiten: überschätztes Talent! Und trotzdem: beide haben immer Top-Quote!

Bis die Tage.....!

E-Mail von Till

E-Mail von Till Till Hoheneder (früher Mitglied des Duos "Till & Obel") ist rotzfrech, charmant, gnadenlos geradeaus, immer cremig. Seine Karriere begann Hoheneder (41) als Musiker. Mit der Rockgruppe "Till & Die Altobellis" absolviert er regelmäßig Auftritte mit Comedy-Einlagen. Im Sommer 2007 begleitet die Band Atze Schröder auf seiner "Atze im Wunderland"-Open-Air-Tour. Derzeit ist der Comedian und Autor mit seinem neuen Solo-Programm "Herrencreme" auf Tournee. Termine gibt es unter www.tillhoheneder.de

Von Till Hoheneder
 
 
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KOMMENTARE (7 von 7)
 
fidelcastrop (07.10.2007, 21:52 Uhr)
Vroni Spears
Also...bis zu der Stelle mit dem Vergleich mit Veronika ferres fand ich den Artikel ja recht lustig.
Aber dann...
..fand ich ihn erst recht großartig.
Ferres und Furtwängler- zwei schlagende Beweise, dass wir in Deutschland leider keine Stars haben...
Bereits in Frankreich oder England würdense die beiden bestenfalls an die suburbane "Tengelmann"- Kasse lassen.
WENN....es denn da mal überhaupt nen Tengelmann gibt!
Und was Britney angeht:
Leute, die hat ja noch nicht mal ne Rose auf die Brust tätowiert... also, bitte...
nony (06.10.2007, 17:37 Uhr)
@ jezz
Ist zwar nicht ganz falsch, aber wer mit den Medien spielt und davon lebt, sein Leben den Massen zu verkaufen, sollte sich nicht beklagen, wenn die Massen nicht nur freiwillig ihr Geld herausrücken, sondern manchmal auch etwas mehr wissen wollen, als man selber bereit ist, mitzuteilen.
In diesem Sinne..... für das Geld, würde ich den Paparazzi auch eine Schlafgelegenheit in meiner Garage anbieten.
hmpff (06.10.2007, 10:38 Uhr)
wohl wahr
Merkwürdige Auffassung von tolerierbarem Elternverhalten haben Sie.
In Einem gebe ich Ihnen allerdings Recht: Es gehören in der Tat 50% der Eltern ihre Kinder entzogen, zumindest in manchen Stadtteilen. Wäre für schrecklich viele Kinder der einzige Weg, halbwegs normal aufzuwachsen.
jezz (05.10.2007, 23:45 Uhr)
Es reicht auch...
Frau Spears ist nicht mein unbedingter Liebling, aber was dort von der Presse/den Medien veranstaltet wird, ist schon menschenverachtend. Und jeder Leser, der seinen Mund weit aufreißt, dem wünsche ich diese Meute Paparazzi an den Hals. Oder was ist so wichtig daran, wenn Frau Spears, Frau Aguilera oder sonst wer aufs Klo geht???
Ich habe damals auch vor meinen Kindern geraucht und auch mal das eine oder andere Glas getrunken. Meine Kinder sind zu anständigen jungen Menschen herangewachsen...
Auf diese Doppelmoral könnte ich ko... aber lassen wir das.
vogelman (05.10.2007, 19:54 Uhr)
hahaaa, endlich mal ein lustiger artikel !
böse britney
böse presse
böse USA
böse hüftpölsterchen
na denn: prosit kinder !
sportartmakler (05.10.2007, 15:41 Uhr)
Gratulation Herr Hoheneder
endlich mal jemand der sich vor fräulein spears stellt und die vielen vorwürfe ein stück weit relativiert. die ganzen leute die in diversen foren oder sonst wo auf ihr rumhacken dürften sich kein urteil über die frau bilden. sicherlicfh ist aus deren perspektive vieles befremdlich was da üer die medien verbreitet wird, aber letztlich hat keiner dieser kritiker einen lebensstil a la spears; viele von uns würden genauso auf partys oder mit drogen versumpfen, wenn man als nichtvolljähriger schon millionen auf dem konto hat und das öffentliche interesse riesengroß ist. letzten endes sind all die leute schuld die über jeden scheiß eines promis informiert sein wollen, und die medien versorgen die leute halt damit. mir würde es auch tierisch auf den sack keine ruhige minute mehr zu haben und dauernd abgelichtet zu werden. dass so ein rummel um eine person irgendwann zu solch einem verhalten führt ist doch nachvollziehbar.
havranek (05.10.2007, 15:32 Uhr)
Naja,
so ganz kann ich da nicht zustimmen. Klar ist es schon eine regelrechte "Hetzkampagne" gegen Britney, doch wenn eine Person dermassen im Rampenlicht steht, muss diese sich schon ein bisschen besser überlegen wie sie sich in der Öffentlichkeit darstellt.
Klar trinken auch andere Mütter Alkohol vor den Kindern, oder konsumieren Drogen. Aaaber diese lassen sich dabei nicht filmen, dementieren in der Öffentlichkeit nicht alles ab (also klare Lüge), und vorallen Dingen bessern sie sich wenn sie vor Gericht erscheinen müssen.
Und noch was zum allbeliebtem Thema: prüdes USA! In der Schweiz wurde vor paar Wochen die Sexmesse "Erotica" aus dem Hallenstadion verbannt, wir sind ja sooo viel besser als die Amis!
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