Vom Papa hat er die Augen, aber nicht den Eroberungsdrang: Enrique Iglesias macht artige Kuschelmusik.

Schmusemusiker Enrique Iglesias© Foto: Outline / Intertopics
Man muss sagen, dass er Glück gehabt hat. Verdammtes Glück. Denn seine neue Schmuse-Single »Hero« - ein Liebeslied so unpolitisch wie alles, was Enrique Iglesias bislang zu Gold und Platin gesungen hat - wurde kurz vor dem 11. September öffentlich vorgestellt. Und plötzlich hatten Helden Hochkonjunktur.
»Es war verrückt«, sagt Enrique Iglesias, die Füße samt Sportschuhen auf der weißen Hotel-Bettdecke, die Augen leuchtend. »In jedem Taxi, auf jedem Radiosender lief mein Song. Ich bin froh, wenn ich den Menschen damit durch den Tag helfen kann.« Für den Bezug von »Hero« zur Katastrophe haben inzwischen andere gesorgt: Durchs Internet schwirrt eine MP3-Fassung, die mit Fernsehkommentaren zum Attentat in New York unterlegt ist (www.rronline.com/tribute).
Das jetzt erschienene Iglesias-Album sieht aus, als hätten clevere Manager aus dem Erfolg gelernt: Auch hier geht es ausschließlich um Liebe. Aber der Titelsong heißt »Escape« (»Entkommen«), es folgen »I Will Survive« (»Ich werde überleben«) und »If The World Crashes Down« (»Wenn die Welt einstürzt«). Zufall, beteuert Enrique, er folge keiner Strategie: »Ich schreibe einen Song, und wenn er mir gefällt, wird er produziert.«
Dabei hört sich die CD so an, als wolle hier einer sein Image verändern. Denn der 26-Jährige trägt drei Bürden durch seine Karriere: Er wird immer »Sohn von« sein, nämlich der von Spaniens Dauerschnulzer Julio Iglesias. Er singt von Liebe, ohne sich je mit Liebster zu zeigen. Und er hat als in Miami lebender Spanier seine Karriere in Mexiko begonnen und wird das Klischee des Latino-Musikers nicht los.