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27. Mai 2008, 10:36 Uhr
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Hat uns nur Bulgarien lieb?

40 Mal gab es Null Punkte, zwei kamen aus der Schweiz. Nur die Wertung aus Bulgarien bewahrte Deutschland vor einem völligen Desaster. Das schlechte Abschneiden beim Grand Prix hat erneut eine Diskussion um den deutschen Vorentscheid und die Punktevergabe losgetreten. Von Jens Maier, Belgrad

Mit "Dissapear" sangen sich die No Angels auf den letzten Platz© Marko Djurica/Reuters

Zum dritten Mal in der 53-jährigen Grand-Prix-Geschichte hat Deutschland beim Eurovision Song Contest (ESC) den letzten Platz belegt. Nach 1995 mit der Gruppe Stone und Stone (1 Punkt) und 2005 mit Gracia (4 Punkte) landeten jetzt in Belgrad auch die No Angels auf dem hintersten Rang. Trösten können sich die vier Sängerinnen nur damit, dass sie immerhin 14 Punkte erreicht haben und sich den letzten Platz mit Großbritannien und Polen teilen, die auch nur 14 Punkte einheimsten.

Dennoch zeigten sich die No Angels als gute Verlierer: Beim ersten Interview nach der Veranstaltung in der ARD sangen sie "Don't worry, be happy". "Wir sind sehr enttäuscht und geschockt, wir haben uns mehr gewünscht. Aber es war toll, dabei zu sein, und das Leben geht weiter", sagte Sängerin Sandy auf der After-Show-Party in Belgrad. Auf die Frage, woran das schlechte Ergebnis gelegen haben könnte, sagte Nadja: "Das ist schwierig zu sagen, da können wir uns kein Urteil erlauben. Wir hatten gehofft, ganz vorne dabei zu sein."

Der letzte Platz von Belgrad hat in Deutschland die Diskussion um die Eurovisionsregeln und die Gruppen-Auswahl im Vorentscheid neu entfacht. An vorderster Front wetterte Grand-Prix-Veteran Ralph Siegel, der 1982 mit Nicole den einzigen Sieg für Deutschland erzielte. In der "Bild am Sonntag" sagte er, bei der Art der Vorauswahl zählten nicht mehr Qualität, sondern nur Einschaltquote und anspruchslose Unterhaltung. "Mit so einer Einstellung kann es nichts werden." Das hat offenbar auch der für den Vorentscheid zuständige NDR erkannt. "Wir werden in Ruhe analysieren, was sich im kommenden Jahr besser machen lässt.", sagte Volker Herres, Programmdirektor Fernsehen des NDR.

Der Osten hat uns vor einer weiteren Blamage bewahrt

Im erweiterten Europa sei es für unsere Interpreten schwerer geworden, einen der vorderen Plätze zu erobern, erklärte der Unterhaltungs-Koordinator der ARD, Thomas Schreiber. Allerdings wären die No Angels auch Letzte geworden, wenn nur die klassischen Grand-Prix-Nationen abgestimmt hätten. Nicht mal aus unseren Nachbarländern Holland, Dänemark oder Belgien gab es Punkte. Lediglich die Schweiz hatte Erbarmen und gab zwei Punkte. Der Osten hat uns sogar vor einer weiteren Blamage bewahrt. Ohne die Höchstwertung (12 Punkte) aus Bulgarien, die auf die Beliebtheit von Lucy (die Sängerin mit bulgarischen Wurzeln sitzt in ihrer Heimat in der Jury des Superstar-Wettbewerbs) zurückzuführen ist, hätte es noch düsterer ausgesehen.

Doch nicht nur die Deutschen haben ein Problem, sondern alle Länder der "Big Four". Großbritannien (teilt sich Platz 23 mit Deutschland), Frankreich (18.) und Spanien (16.) lagen zum wiederholten Mal im hinteren Drittel der Wertungstabelle. Das wirft die Frage auf, ob die automatische Qualifizierung fürs Finale zukünftig noch Sinn macht. Denn eine Halbfinalteilnahme hat auch Vorteile. Die Interpreten können Sympathiepunkte sammeln, denn viele Zuschauer haben schon in der Vorrunde einen Favoriten, den sie dann auch im Finale wählen.

Langweilige Castingbands

In Kommentaren zum schlechten Abschneiden Deutschlands forderten Leser von stern.de, sich ganz aus dem Wettbewerb zu verabschieden. "Es ist ja sowieso völlig Wurst, was da vorher von wem geträllert wurde, die Punkte bekommen immer die Gleichen", meint User "Motte07". Ein Gefühl, das sich bei vielen Grand-Prix-Fans nach den enttäuschenden Platzierungen in den letzten Jahren eingestellt hat. Die Schuld sucht User "Roli84" aber eher bei der falschen Gruppenauswahl. "Nach Gracia hätte Deutschland verstehen müssen, dass man mit Castingbands, die nur langweilige Auftritte hinzaubern, nicht in die vorderen Ränge kommen kann.

Damit hat er nicht ganz Unrecht. Denn dass Deutschland in den Nachbarländern so unbeliebt sei, dass es niemals Punkte bekäme, lässt sich statistisch nicht belegen. Im Gegenteil: Wie man Punkte sammeln kann, haben zuletzt 1998 Guildo Horn (6. Platz), 2000 Stefan Raab (5. Platz) und 2005 Max Mutzke (8. Platz) bewiesen. Mit einem mutigen Song, auf den Punkt vorgetragen, wählen uns offenbar auch unsere Nachbarn in die Top Ten.

Die vielen deutschen Grand-Prix-Fans, die nach Belgrad gekommen waren, nehmen das schlechte Abschneiden der No Angels übrigens mit Galgenhumor. Ein Witz macht hier die Runde, wie Deutschland nach Frankfurt 1957 und München 1983 den ESC endlich mal wieder zu Hause austragen kann: "Im nächsten Jahr muss ein Land gewinnen, das keine Mehrzweck-Halle hat und den Grand Prix nicht austragen kann."

Von Jens Maier, Belgrad
KOMMENTARE (10 von 24)
 
MusicMan (26.05.2008, 19:16 Uhr)
Leider völlig daneben :-(
Mal abgesehen von der üblichen Punkteschieberei hatte der Titel doch von vornherein keine Chance, weil er einfach völlig daneben ist. Dieser langweilige, laaaanggezogene Refrain, der sich Pattern für Pattern wiederholt ist einfach nur nervig. Die schlechte Performance im Gegensatz zu manchen Konkurrenten und schrägen Live-Vocals taten ihr übriges zum Ergebnis.
Was will man aber auch erwarten, wenn in der Vorentscheidung "Casting-Show-Geschädigte-Teenager" durch ihr multiples Voting entscheiden, wer Deutschland im GrandPrix vertritt? Da geht's doch weniger um musikalischen Sachverstand als Sympathien, wie man auch an DSDS sieht.
Bin mir sicher, die Fortenbacher oder selbst Monrose hätten besser abgeschnitten, der Titel der No Angels war einfach zu schlecht.
IMHO hätte die Ukraine verdient gewonnen. In Anbetracht dessen, dass der Siegertitel Russlands von Timberland produziert wurde, zog der nicht die Wurst vom Teller. Die Performance mit dem Geiger und Eiskunstlaufweltmeister wirkte albern und irgendwie unpassend. Man hat da wohl mehr auf den Bekanntheitsgrad gesetzt als Voting-Faktor.
DT72 (26.05.2008, 16:58 Uhr)
Raus aus dem (teurem) Elend!!!
Fakten:
1)der Auftritt der No Angels war grottenschlecht. Sie waren nahezu die einzigen, die kaum einen Ton getroffen haben.
2)Die gegenseitige Hilfe der osteuropäischen Länder ist zwar Realität, aber Deutschland hat gerade nur aus Sympathie 12 Punkte von Bulgarien bekommen.
3)Der Grand Prix, oder ESC oder wie dieses Ding auch immer heißt, hat am musikalischen Niveau deutlich verloren. Er ist unter der (schon miserablen) Stufe des San Remo Festivals in Italien.
4)Als Metal Fan kann ich nur sagen, dass die Finnen endlich aufhören sollten, abgedroschene Songs für diesen Wettbewerb zu liefern. Ein Gitarrenriff macht schon lange keinen Hit, egal ob im kommerziellen Sinne oder nicht.
5)Es ist gefährlich für gute Künstler, am Grand Prix teilzunehmen. Dies kann das Aus für ihre Karriere bedeuten. Dann hilft nichts mehr, auch nicht das Dschungel-Camp.
6)Zum Grand Prix gehen i.d.R. nur Pfeiffen. Oder schickt Großbritannien in Etwa die Rolling Stones oder zumindest eine anständige Band dorthin?
Fazit: Deckel auf diesem Sarg der Musik festnageln und ADE GRAND PRIX!
Prato61 (26.05.2008, 16:48 Uhr)
Wie lange noch
Wie lange noch werden unsere Fernsehgebühren für diesen Schwachsinn ausgegeben?
gruni36 (26.05.2008, 13:58 Uhr)
Sie waren so schlecht
oje schon beim Vorausscheid haben es die meisten gewußt, mit dem mickrigen Liedchen wird es nix, aber auch gute Beiträge wzB vor 2 Jahren Texas L. bekommen keine gute Bewertung. Die Osteuropäer haben eben auch einen anderen Musikgeschmack und mit jedem zusätzlichen Teilnehmer von dort wird es immer einseitiger. Wie auch immer, ich hätte Deutschland auch keine Punkte gegeben.
georgy_22 (26.05.2008, 12:14 Uhr)
Wir...
...hätten diese beiden Weltkriege nicht anzetteln sollen, dann würden wir vielleicht auch paar Punkte bekommen! :-)
Skorti (26.05.2008, 11:48 Uhr)
Immer das gleiche
Immer wird über die Ost-Block-Stimmen gemeckert. Wenn man jedoch ALLE ehemaligen Ostblockländer herausrechnet, bleiben die ersten 5 in leicht veränderter Reihenfolge weiter unter sich. Und Deutschland wäre ganz alleine mit 2 Punkten verdienter letzter. Die alten GrandPrix-Länder haben nicht viel anderes abgestimmt als die neuen.
Day2walker (26.05.2008, 10:42 Uhr)
Albatros111
Aber so was von richtig !
endbenutzer (26.05.2008, 10:35 Uhr)
Davon abgesehen...
...dass ich diese Veranstaltung sowieso total überflüssig finde, halte ich die Form der Abstimmung mit Mehrfach-Anrufmöglichkeiten sowieso für ziemlich fragwürdig. Das ist es aber was interessiert: Möglichst viel Kohle machen..
uligrepel (26.05.2008, 10:20 Uhr)
Noch ein Weg, nach vorne zu kommen...
Wir könnten aus den 12 Punkten von Bulgarien lernen und eine Art All-Star-Band zusammenstellen, die aus Stars aus 42 Nationen (Deutschland selbst braucht offensichtlich nicht vertreten zu sein) zusammengesetzt ist.
Internationale Superstars sind in Deutschland ja recht rar gesäht, England hat aber eigentlich die gleichen Probleme und mehr als genügend Superstars aufzubieten.
Trotzdem glaube ich, dass sie, selbst wenn sie die Stones schicken würden, nicht ganz vorne landen würden.
Uli
susanne_happy (26.05.2008, 10:05 Uhr)
Grottenschlecht! Letzter Platz - zu Recht!
Wer die No Angels am Samstag gehört hat wird sich wundern, dass Bulgarien 12 Punkte geben konnte. Ich habe selten so eine schlechte Abstimmung bei einer Band gesehen. Mir haben die Ohren weh getan! Die Mädels haben gesungen, als wären sie die total Anfänger. Jedes andere Land war besser! Vielleicht sollte Stefan Raab mal wieder eine Band ins Rennen schicken, dann klappts auch mit den Punkten aus den Nachbarländern. S.
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