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25. Mai 2008, 08:40 Uhr

Russlands teurer Sieg

Dima Bilan heißt der Gewinner des 53. Eurovision Song Contests. Damit geht der Sieg zum ersten Mal nach Russland. Das Geheimnis des Erfolgs: ein guter Song und Millionenbeträge. Die No Angels landeten leider abgeschlagen auf dem letzten Platz - zum Glück nicht alleine. Von Jens Maier, Belgrad

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Bei Pressekonferenzen überheblich, auf der Bühne perfekt: Eurovision Song Contest-Gewinner Dima Bilan© Jörg Carstensen/DPA

Nach der 39. Wertung stand das Ergebnis des diesjährigen Eurovision Song Contests fest: Russland lag uneinholbar vorne und konnte damit bereits vier Punktevergaben vor Schluss den Sieg feiern. Zuvor hatte sich Gewinner Dima Bilan einen spannenden Zweikampf mit Ani Lorak aus der Ukraine geliefert. Am Ende lag der Russe aber deutlich, mit 272 zu 230 Punkten, vorne. Es ist der erste Triumph für Russland, das vor 14 Jahren sein Debüt beim Grand Prix feierte.

Bilan ist ein alter Bekannter im Grand-Prix-Geschäft. 2005 in Athen nahm er schon einmal teil und scheiterte nur knapp an den finnischen Rockern "Lordi". In Belgrad überließ er nichts dem Zufall, um zu gewinnen. Sein Titel "Believe", den er selbst komponiert hat, wurde in amerikanischen Studios des Produzenten Timbaland abgemischt, seinen Geiger stattete er mit einer echten Stradivari aus, die angeblich 300.000 Euro wert sein soll und obendrein engagierte er den Eiskunstläufer Eugeni Pluschenko für seine Bühnenshow. Alles in allem soll Bilan über 10 Millionen Euro in seinen Auftritt investiert haben.

Bei Pressekonferenzen überheblich

Der war ohne Zweifel perfekt. Barfuß lag der 27-Jährige zu Beginn des Songs auf der Bühne, ganz in Weiß gekleidet, den Scheinwerfer-Spot auf sich gerichtet. Höhepunkt war der Auftritt Pluschenkos, der auf einer Kunsteisbahn Pirouetten drehte und Sprünge absolvierte, während sich Bilan in der Mitte das Hemd vom Leib riss. Mit dem Liedtext, der vom Glauben an sich selbst, hatte das freilich nichts zu tun. Auch gesanglich war Bilan, der in seiner Heimat bereits ein Superstar ist, ganz Profi. Schiefe Töne, wie bei dem Duo aus Aserbaidschan, leistete er sich nicht. Sein Sieg geht deshalb wohl auch in Ordnung, auch wenn er bei den Pressekonferenzen in Belgrad stets überheblich und arrogant aufgetreten war.

Diman setzte sich gegen ein starkes Favoritenfeld von Frauen durch. Vor dem Finale galten sowohl Ani Lorak aus der Ukraine, Charlotte Perrelli aus Schweden als auch die Serbin Jelena Tomašević als heiße Anwärterinnen auf den Grand-Prix-Thron. Ani Lorak landete schließlich auf dem zweiten Platz - und das ist mehr als verdient. Die ukrainische Kylie Minogue glänzte mit einer großartigen und originellen Bühnenshow. Mit perfekten Tanzeinlagen und einem silbernen Wahnsinns-Kleid hat sie die Belgrad Arena gerockt und ihr Disco-Kracher "Shady Lady" hat Sommerhit-Qualitäten.

Favoritin abgeschlagen auf Platz 18

Perrelli hingegen, die 1999 den Grand Prix schon einmal gewonnen hatte, wird als eine weitere gescheiterte Favoritin in die Annalen des Contests eingehen. Sie landete abgeschlagen auf Platz 18, bekam nicht mal von ihren skandinavischen Nachbarn die 12 Punkte-Wertung. Offenbar waren die 100 Millionen Zuschauer an den europäischen Fernsehschirmen von ihrem Aussehen zu sehr erschrocken. Ihr Gesicht war derart von Schönheitsoperationen gezeichnet, dass sie kaum noch aus den Augen schauen konnte. Übrigens hätte sie es ohne die neuen Regeln im Halbfinale (dort lag sie im Zuschauerergebnis auf Rang 12) nicht mal ins Finale geschafft. Nur dank der Backupjury ergatterte sie den Platz, den sonst Mazedonien bekommen hätte.

Nach "Molitva" im letzten Jahr sollte es offenbar 2008 nicht schon wieder eine Gänsehaut-Ballade aufs Siegertreppchen schaffen. Trotz Schützenhilfe mit etlichen Höchstwertungen vom Balkan, erreichte die Serbin Jelena Tomašević nur Platz 6. Auf den dritten Rang schaffte es hingen etwas überraschend die Griechin "Kalomira". Ihr Song "Secret Combination" klang wie ein Abklatsch von Paparizous "My Number One", das 2005 erfolgreich war, doch auch aus Deutschland wurde sie damit mit 12 Punkten bedacht.

Überraschung aus Armenien

Erstmals seit Jahren gingen die Höchstwertung aus Deutschland, die Moderator Thomas Hermanns live aus Hamburg verkündete, nicht an die Türkei, die aber in der Gesamtwertung immerhin auf Rang 7 landete. Überraschungssiegerin des Abends war Sirusha aus Armenien. "Qele, Qele" hatte kein Buchmacher auf dem Zettel. Und das, obwohl ihr Song mit orientalischen Elementen ein echter Ohrwurm ist. Gesanglich war der Auftritt der 21-Jährigen zwar verbesserungswürdig, aber sie lieferte eine gute Bühnenperformance und hatte ein extrem kurzes Kleid an. Ein verdienter vierter Platz, der von der Wahl Sirushas zur Siegerin der Abstimmung der Grand-Prix-Fanclubs gekrönt wird.

Und wo sind die No Angels abgeblieben? Die sind mit "Disappear" im Wertungskeller verschwunden. Einzig zwölf Punkte aus Bulgarien, der Heimat von Sängerin Lucy, die dort zuvor kräftig die Werbetrommel gerührt hatte, und zwei aus der Schweiz verhinderten eine komplette Blamage. Die No Angels teilen sich den 23. Platz mit Großbritannien und Polen, der aber damit leider gleichzeitig der letzte ist.

Der "Wow"-Effekt fehlte

Bereits als Vierte mussten die vier Sängerinnen auf die Bühne. Sicher keine gute Ausgangslage für eine gute Platzierung. Das darf jedoch keine Ausrede sein (siehe Sertab Erener 2003 mit "Every Way that I Can"). "Disappear" kam trotz Windmaschine, flatternder Trickkleider und Pyrotechnik nicht an. Ein Höhepunkt mit Gänsehaut oder "Wow"-Effekt fehlte und im weiteren direkten Vergleich zur Konkurrenz fiel das Lied weiter ab. Traurig für die No Angels, die bis zum Schluss der Probenwoche in Belgrad immer noch an eine vordere Platzierung glaubten. Der weiteren Karriere der Band, die ohnehin ins Stottern geraten war, ist diese Platzierung jedenfalls nicht zuträglich.

Ähnlich schlecht schnitten auch die anderen Teilnehmer der "Big Four" ab: Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Spanien waren als größte Geldgeber des Grand Prix automatisch fürs Finale qualifiziert. Glück brachte ihnen das nicht. Großbritannien landete mit Andy Abraham, der aussieht wie Bruce Darnell und singt wie einer von den Jackson Five, ebenfalls auf dem letzten Platz. Frankreich belegt mit Sebastien Tellier und seinem entspannten Song "Divine" Platz 18. Und Spanien, das als einziges Land im Wettbewerb noch mit einem Blödel-Teilnehmer vertreten waren (nimmt man einmal an, dass Lettland seine Karnevalsnummer ernst meinte) immerhin auf der 16.

Die Diskussionen um die Eurovisionsregeln werden damit neu entfacht werden. Diesmal nicht um die Stimmvergabe der "Ostblockmafia", sondern um den Automatismus der Finalteilnahme der "Big Four". Wäre es nicht besser, wenn sich zukünftig alle Nationen außer dem Gastgeberland dem Halbfinale stellen müssen? Diese Frage wird zu prüfen sein. Zeit ist bis zum Finale im nächsten Jahr genug. Das soll übrigens nach Informationen aus Kreisen der russischen Delegation nicht in Moskau, sondern in St. Petersburg stattfinden. Grand-Prix vorm Zarenpalast? Diese Vorstellung stimmt dann doch wieder mit dem Sieg von Dima Bilan versöhnlich.

Lesen Sie auch bei unserem Partner prinz.de: "Dima Bilan veröffentlicht Demo-Version seines Songs für Oslo"

Von Jens Maier, Belgrad
 
 
KOMMENTARE (10 von 44)
 
Titania (27.05.2008, 16:17 Uhr)
vielleicht Subway to Sally?
Den Auftritt der No Angels hab ich nicht gesehen, aber nicht viel gutes drüber gelesen. Das Lied fand ich schon beim ersten Hören so spannend wie eingeschlafene Füße und hab gleich gesagt, das wird nix - zu langweilig, zu leierig, zu gesichtslos. Allerdings hätte ich schon mit einer Platzierung im unteren Mittelfeld gerechnet... Vielleicht sollten wir es mal mit Subway to Sally versuchen? Die stechen wenigstens aus dem Einheitsbrei heraus und sind zudem noch begnadete Live - Musiker. Rammstein? Auch nicht schlecht, aber vielleicht doch eine Nummer zu heftig...
nese (26.05.2008, 23:46 Uhr)
Ja,
die NoAngels haben mir auch nicht gefallen, aber muss man gleich deshalb die ganze Schuld fuer die Blamage dieser Gruppe anlasten? Ich mag nicht auf Menschen 'herumzutrampeln', die bereits flach auf dem Boden liegen. Die Maedels muessen sich sehr schlecht fuehlen. Sie haben ihr bestes gegeben, das hat aber nicht ausgereicht, was solls....
J.Stahl (26.05.2008, 18:24 Uhr)
der auftritt
der no angels war einfach nur furchtbar.damit kann man vielleicht auf einer kirmes einen blumentopf gewinnen..
Louyi (26.05.2008, 00:09 Uhr)
So weiterhin nicht der Hauch einer Chance
Eur.Cont. - warum tun sich diesen Wahnsinn die Zuschauer jedes Jahr aufs Neue selbst an ?
Man kann sich spät. seit Guildo Horn, Stefan Raab doch gar nicht mehr erinnern dass dieser Pseudo Musik- Event –mehr ist es nicht - irgendetwas mit wirklich guter Musik, bzw. besten Musikinterpreten zu tun hat. In Deutschland mit dem seit einigen Jahren ausgedachten System der nicht nachvollziehbaren
3 mikrigen Vorauswahl Interpreten –anschl. DSDS System Telefonvoting schon gar nicht. Wer/welche Musikexperten ( hat sich eigentlich diesen unproffessionellen Mist der eigenen Beschränkung zum Minimalismus aus nur 3 vorgekauten Interpreten ausgedacht ? Das kann nur schiefgehen wenn man nur zwischen Malaria, Pest und Cholera wählen kann. Schon dieses Konzept stimmt hinten und vorne nicht. Kein beteiligter Act-ob Cineama Bizarre, C.Furten-.... und letztendlich No Angels /(Aufguss 2) oder sonstwer hätte da Plätze in Belgrad gut gemacht. Man sollte zu mind. 10 Interpreten zur Auswahl zurückkommen, sogar evtl. nach aktuell verkauftenCDs bewertet. Sonst wird Deutschland in den nächsten 10 Jahren weiterhin nicht der Hauch einer Chance haben. Auch nach der Wahl machts keinen Sinn mehr ob von den vermeintlichen Experten oder Pseudo Jubler im Vorfeld der Titel bzw. Interpreten schön reden. Das Fernsehen sollte schon längst als Hauptgeldgeber und techn. Hintergrundassistent für derartige teure Veranstaltungen vezichten. Das Geld für die Förderung von Künstlernachwuchs in Deutschland verwendet werden. Vielleicht bekommen wir dann auch endlich so eine Nachwuchskünstlerin -bereits international bekannt-z.B. wie die Norwegerin Maia Mena.
Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Mena
Diese hätte mit Ihrem derzeit aktuellen Hit Just Hold me – als 1 Mann/Frau Show
den Euro.Chanc. Preis abgeräumt.
Das hat wenigstens etwas mit anspruchsvollem Gesang zu tun.

WeitWeg (25.05.2008, 19:06 Uhr)
No No Never
@MarinaNRW - Doch, No No Never war eine falsche Auswahl, allerdings nicht qualitativ sondern einfach hinsichtlich des Darbietungsrahmens: das ist ein internationaler Wettbewerb - wieso sollte es den Rest von Europa vom Hocker reißen, wenn ein paar lokal höchst beliebte Komiker Deutschland (!!) mit einem amerikanischen Westernlied (!!) vertreten?
..
Bei den Deutschen hatte Texas Lightning einen hohen Sympathie-Schmunzel-Bonus, aber beim ESC war's einfach nur fehl am Platze. Falsches Forum, das ist alles.
8GradOst50GradNord (25.05.2008, 18:43 Uhr)
Auch 2009 bin ich dabei
Ich bin ein Fan des Eurovisionsfestivals, weil dies so ziemlich die einzige Möglichkeit ist, im TV mal Musik aus den anderen Ländern Europas zu hören. Hier kann man erleben, dass es außerhalb der kleinen BRD-Welt von DSDS und Popstars gute Musik gibt und zwar durch alle Genres hindurch: Vom Chanson über Disco zu Heavy Metal. Wer das alles für "niveaulos" hält, soll halt Vivaldi hören. Für mich bietet die Eurovisionsveranstaltung gute Unterhaltungsmusik quer durch den Garten. Und der deutsche Beitrag von Sandy, Mandy und Wendy, oder wie die No Angels mit bürgerlichem Namen heißen, ist verdientermaßen hinten gelandet. - Das ändert freilich nichts daran, dass die Abstimmungsmodalitäten m.E. geändert werden müssten. Vielleicht wäre es unterhaltsamer, wenn z.B. die DSDS Jury für Deutschland die Punkte vergeben würde und entsprechende Pendants für die anderen Länder. Das jetzige Telefonvoting ist jedenfalls aufgrund der ethnischen Verbundenheiten nicht reell - und auch nicht demokratisch, denn nach demokratischen Grundsätzen könnte Malta nicht so viel Stimmgewalt wie Frankreich besitzen. Eine Lösung wäre vielleicht, einfach die Anrufe zu zählen, egal aus welchem Land diese kommen (außer fürs eigene Land). So hätten die größeren Länder zwar mehr Gewicht aber das entspricht nunmal dem demokratischen Grundsatz "one man, one vote". So würde verhindert, dass eine Minderheit von 1 Millionen Beispielstanern in Beispielstan automatisch 12 Punkte für ihr Mutterland abgeben könnte, wie dies auf dem Balkan oder in der ehemaligen UdSSR üblich ist. Dann hätte "der Balkan" eben nur z.B. 80 Millionen potenzielle Stimmen und nicht x mal 12 Punkte. - Aber das ist für mich Nebensache: mir geht es um die Musik und wegen der Musik werde ich auch 2009 wieder Eurovision schauen!
chrgue (25.05.2008, 17:48 Uhr)
Wer guckt da noch zu?
Da ist mir doch sch...egal, wer bei diesem Nonsens-Wettbewerb gewinnt. Klar, dieses Mal die Russen, das nächste Mal eben ein anderes unzivilisiertes Land, das meint zu Europa zu gehören. Ist doch mir egal!
Sardor (25.05.2008, 17:30 Uhr)
Sertab Erener ...
... hat 2003 gewonnen, nicht 2006!
babylon (25.05.2008, 17:15 Uhr)
die nominierung
und die plazierung der no angels entspricht dem niveau un unseres volkes
sascha949 (25.05.2008, 16:53 Uhr)
Die Deutschen sind halt nur Mittelmass
Verstehe die ganze Aufregung nicht. Deutschland hatte eine hervorragende Interpretin mit einemtollen Song (Carolin Fortenbacher mit Hinterm Ocean) der mit Sicherheit erste Plätze belegt hat. Leider schied sie in der Vorentscheidung aus. Das haben die Deutschen so entschieden, nicht die Ostblockstaaten. Also verstehe ich die ganze Aufregung nicht; Deutschalnd will halt nicht gewinnen.
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