20. März 2010, 14:03 Uhr

Stars für Oslo - dringend gesucht

Während Deutschland Lena Meyer-Landrut feiert, scheinen andere Länder derzeit an ihren Eurovisions-Teilnehmern zu verzweifeln. Großbritannien arrangiert sein Lied um, die Ukraine veranstaltet einen neuen Vorentscheid und Frankreich hat noch gar keinen Teilnehmer. Von Jens Maier

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Kann ganz entspannt abwarten, was ihre Konkurrenz macht: die deutsche Teilnehmerin Lena Meyer-Landrut©

"Sha-la-lie, Sha-la-la" tönt es aus Holland, die Schweiz schickt einen Ross-Anthony-Verschnitt mit Segelohren: "Die Konkurrenz ist in diesem Jahr ganz außerordentlich gruselig", schrieb Kolumnist Stefan Niggemeier über die Teilnehmer des diesjährigen Eurovision Song Contest in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Einige Länder haben jetzt die Notbremse gezogen.

"Your Country Needs You" ("Dein Land braucht dich") war der reißerische Name des britischen Vorentscheids zum Grand Prix. Die englischen Fernsehzuschauer entschieden am 12. März über ihren Teilnehmer für Oslo per Telefonabstimmung. Anders als in Deutschland stand das Lied aber bereits vorher fest. Die Zuschauer mussten also nur den Interpreten wählen und entschieden sich aus drei Finalisten schließlich für den 19-jährigen Sänger Josh Dubovie. Doch schon kurz nach der Show wurde erste Kritik laut.

Aber nicht der bis dato unbekannte Sänger wurde attackiert, sondern der zuvor intern vom Fernsehsender BBC ausgewählte Song "That Sounds Good To Me". Der erfolgreiche Produzent Pete Waterman war mit der Komposition beauftragt worden und sollte eigentlich einen Hit liefern. Doch bisher taucht der Titel in den englischen Hitparaden nicht auf. Stattdessen muss Waterman nach der öffentlichen Kritik, das Lied sei zu langweilig, den Song jetzt eilig "neu arrangieren".

Vorentscheid-Chaos in der Ukraine

Noch größeres Chaos herrscht in der erfolgsverwöhnten Ukraine. Das Land, das seit seiner ersten Eurovisions-Teilnahme 2003 auf einen Sieger (Ruslana mit "Wild Dances") und zwei zweite Plätze stolz sein kann, hat seinen Kandidaten sogar zurückgezogen. Nachdem der Teilnehmer Vasyl Lazarovych intern ausgewählt worden war, hagelte es von ukrainischen Künstlern Kritik an dem undurchsichtigen Auswahlverfahren.

Mitte dieser Woche reagierten die Verantwortlichen auf die Vorwürfe. Sie haben den Vorentscheid neu ausgeschrieben. Zu einer Fernsehshow am Samstag (20. März) haben sich bereits 20 Kandidaten angemeldet. Auch Vasyl Lazarovych wird erneut antreten, dieses Mal entscheiden allerdings die Zuschauer per Telefonvoting, ob er nach Oslo fahren darf.

Frankreich hat wie im vergangenen Jahr, wo Patricia Kaas in Moskau antrat, ganz auf einen Vorentscheid verzichtet. Bisher ist allerdings völlig unklar, wer für die Grand-Prix-Nation der ersten Stunde antreten wird. Die Spekulationen reichen von DJ-Star David Guetta, der mit seinem Hit "When Love Takes Over" im vergangenen Jahr auch die deutschen Charts stürmte, bis zum französischen Nachwuchssänger Christophe Willem. Als wahrscheinlichster Kandidat wird derzeit allerdings der aus dem Kongo stammende Sänger Jessy Matador gehandelt.

Teilnehmer müssen bis Montag feststehen

Viel Zeit bleibt allen Ländern allerdings nicht mehr. Bereits am kommenden Montag müssen alle teilnehmenden Nationen ihren Kandidaten und ihr Lied für Oslo bei der für den Eurovision Song Contest verantwortlichen European Broadcasting Union (EBU) eingereicht haben. Eine verspätete Abgabe würde zur Disqualifikation führen.

Während Lena Meyer-Landrut die Charts stürmt, haben einige unserer Nachbarn also noch nicht mal einen Kandidaten für Oslo bestimmt.

Von Jens Maier
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
leberwurststulle (22.03.2010, 12:57 Uhr)
Datt wird nichts
Wenn man beim Eurovision-Songcontest gewinnen möchte, muss man es so machen wie im letzten Jahr der norwegische Russe. Man muss ein Lied machen, das sowohl in Westeuropa und in Osteuropa ankommt.Das hat er mit seinem Lied, das er herausgeschmettert hat so gut gemacht, das er die höchste Punktzahl aller Zeiten bekommen hat. Wenn Deutschland nun eine Schülerin mit leicht schrägem Sprechgesang , bei dem noch Cockneyenglischer Akzent imitiert wird da hinschickt, hinterlässt es wohl bei den Anderen eher Fragezeichen. Oder die Osteuropäer stehen auf sowas, man weiss es nicht.Meine Prognose ist aber eher: datt wird nichts!
Miguelo (21.03.2010, 10:16 Uhr)
Völlig wurscht ob Lena oder nicht
Bei Song Contest werden wir nicht gewinnen. Aber: Wir schicken dieses Mal wenigesten nicht wieder so einen Müll wie diesen unsäglichen gelackmeierten vom letzten Mal.
Wir schicken eine echte Sängerin und damit werden wir unter die Top10 kommen - das sagt mir zumindest mein Verstand nach jahrzehnten ESC-guckerei.

Meinen Vorrednern gebe ich Recht: Von den meisten Gewinnern hört man - wenn überhaupt - nur noch was in deren Heimatländern was.
Und das wir Deutschen trotz katastrophaler Juryergebnisse (2009 war die Entscheidung in meinen Augen zum ersten Mal wieder korrekt) dieses Event am Leben erhalten haben, war eigentlich nicht zu vertreten. Zu viele GEZ-Gebühren wurden da verplempert.
iosono (20.03.2010, 20:57 Uhr)
@SethusCalvisius
sie haben recht.
lena war erfrischend und anders,aber die medien machen sie wieder zu dem was den meisten von uns zum halse raushängt.
sie hat den vorentscheid gewonnen,darüber wurde berichtet,2-3 tage irgendwelche auftritte -und dann könnten die medien bis mai doch einfach ruhe geben.
aber jeder will jetzt daran verdienen bis zum geht nicht mehr.
wir müssen alles erfahren über lena-absolut alles und tausend mal die selben fragen und antworten a la ''wie fühlt sich das an&co.''
schade
testsieger2006 (20.03.2010, 20:44 Uhr)
abwarten...
Mazedonia 12 points to Serbia. germany 12 points to Turkey. ...etc.
.
Die müssen nich mal singen. Eine türkische Flagge auf der Bühne reicht.
SethusCalvisius (20.03.2010, 20:02 Uhr)
Armes Mädchen
Kann denn keiner die 18jährige Lena vor diesem Irrsinn beschützen? Jeden Tag kommt jetzt ein Bericht selbst in einem ehemals politischen Magazin wie dem Stern, dann wird sie durch die ganzen Shows gereicht, und wenn es dann im Mai endlich ernst wird, hängt den meisten Zuschauern die ganze Sache schon zum Hals raus.

Kann man jetzt nicht mal eine Zeit Ruhe geben und abwarten, was im Mai passiert? Jetzt noch die anderen Konkurrenten niederzuschreiben, ist ja nur peinlich. Was schreibt der Stern, wenn wir trotz der "grottenschlechten" Konkurrenz doch wieder nur Vorletzter werden?
STR_EDDS (20.03.2010, 19:35 Uhr)
@hraben
Was heisst hier "hä?". Musik ist eben Geschmacksache. Wie das bei Kunst eben immer so ist. Ich fand die Finnen cool. Die haben ohne nackte Haut gewonnen und der Song hate auch noch nach dem GP Bestand.
hraban (20.03.2010, 19:19 Uhr)
Hä???
"Die 'gruseligen Finnen' haben den einzigen vorzeigbaren Song der letzten 10 Jahre abgeliefert."

"Die gute Lena mag ja niedlich, sympathisch und sonstwas sein. Ihr Lied ist Einheitsgedudel. Von langweiligen Leuten für langweilige Leute. "

Wie bitte ???????
stasicom (20.03.2010, 19:16 Uhr)
Die junge Frau Meyer-Landrut...
sollte sich von den Spinnern mal nicht so vereinnahmen lassen. Sie hat mit Sicherheit genug Talent und Charakter, um eine "normale" Sangeskarriere durchzuziehen, so sie denn will...
Eh, wo war eigentlich Michael Mrontz?
STR_EDDS (20.03.2010, 19:00 Uhr)
Finnen
Die "gruseligen Finnen" haben den einzigen vorzeigbaren Song der letzten 10 Jahre abgeliefert. Und sie sind heute noch im Geschäft. Leider kann das eine Nation von chartsgeschädigten Mainstreamhöhrern nicht erkennen.
.
Die gute Lena mag ja niedlich, sympathisch und sonstwas sein. Ihr Lied ist Einheitsgedudel. Von langweiligen Leuten für langweilige Leute.
hraban (20.03.2010, 18:46 Uhr)
Was soll's...
... ich werde mir das Spektakel wie alle Jahre wieder antun, mich wundern, dass am Schluss Ost-Usbekistan mit grossem Abstand gewinnt und den guten alten Zeiten von "Merci Cherie" nachtrauern, als der Wettbewerb noch Charme und Qualität hatte. Lang, lang ist's her.
Heute ist das Ganze eine Farce, ein Millionengrab für Fernsehgebühren und ein Sammelbecken für No-name-Künstler, nach denen ein Tag später kein Hahn mehr kräht..
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