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Hammer statt Honks

"Attitude" und "Punch" stimmten mal wieder bei Stefan Raabs Suche nach dem "Star für Oslo". Wassergläser flogen gestern zwar nicht, stattdessen Herzen, Höchstnoten und am Ende wiederum zwei Kandidaten. Schade nur, dass die Zuschauer ausblieben.

Von Ingo Scheel

  • Ingo Scheel

Nena hätte ihre wahre Freude gehabt: Nach den - zugegeben unterhaltsamen - Ausfällen in der letzten Ausgabe von "Unser Star für Oslo", herrschte wieder pure Harmonie im Kölner ProSieben-Studio. Acht auf den Punkt fitte Kandidaten, mit Cassandra Steen ("Glashaus") und Sasha zwei Gast-Juroren, die sich in punkto Diplomatie zwischen Peter Maffay und Kofi Annan einreihten, ergänzt durch Stefan Raab, den "Juror mit der Zehnerkarte". Man vergaß beinah, dass am Ende zwei der angetretenen Kandidaten rausfliegen sollten. Doch auch diesmal lichteten sich die Reihen wieder ein Stück, es geht schließlich unaufhaltsam Richtung Finale und Richtung ARD. Auf ProSieben scheint dieses Experiment vorerst gescheitert: Von dem schwachen Ergebnis der Vorwoche verlor "USFO" noch einmal eine halbe Million Zuschauer. Nur noch 1,38 Millionen Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren wollten die Castingshow sehen.

Ein vorletztes Mal also tagte der Grand-Prix-Gipfel auf ProSieben und ist dort mit der vierten Ausgabe mittlerweile TV-Routine am Dienstagabend geworden: Raab referiert, die Heavytones werfen den Riemen auf die Orgel, Opdenhövel moderiert und Sabine Heinrich glänzt zumindest bei der vom Zettel abgelesenen Beschreibung der Verlosungsgewinne. Mit Lena, Jennifer und Co. steht darüber hinaus ein Casting-Tross am Startblock, so grundsolide und motiviert, man könnte meinen, Vorentscheid-Historie à la Zlatko, Mosi oder Leon hat nicht nur vor vielen Jahren, sondern auch auf einem fernen Planeten stattgefunden.

Geliebt gelobt, bewundert und beklatscht

Raabs Grundidee hat weiterhin Bestand: Bei "USFO" wird mit Würde gecastet. Hier gibt es eben keine "Honks", so der einstige Alf Igel im Schluss-Plädoyer, sondern Kandidaten mit Passion. Und die sind - Cassandra Steen flötete es auch dem letzten, nach der Werbepause zu spät aufs Sofa zurückgekehrten Zuschauer immer wieder ins Ohr - einfach "Hammer". Die "Performance", der "Punch" und vor allem die "Attitude": Alles krass, mutig und "übelst beeindruckend". Da mochte auch Sasha - mit Rübezahl-Gedächtnis-Vollbart - nicht widersprechen. Es wurde wieder geliebt und gelobt, bewundert und beklatscht.

Sharyhan war von der barfüßigen Nil-Göttin zur blau behüteten Swing-Sister mutiert und punktete mit Classic Jazz ("Is You Is or Is You Ain't my Baby"), Jennifer gab eine zu Beginn zahme, in der Mitte hysterische, am Ende überzeugende Version von Avril Lavignes "I'm With You" und Christian eine Eigenkomposition zum Besten. Leon rockte Lenny Kravitz, Kerstin kopierte Alanis Morissette sehr souverän.

Und Lena? Die bewies mit Kate Nashs "Foundations", dass sie durchaus konventioneller zu Werke gehen kann und es ganz schön ist, ein Lied zu singen, das mehr als drei Zuschauer kennen. Endstation war schließlich für Katrin, deren "Love Song" von Sara Bareilles kaum schlechter war als der Rest und - schon mit dem Schlusston seiner Version von U2s "Beautiful Day" war das zu ahnen - für einen formschwachen Cyril, der diesmal "überpowerte" und weder Timing noch Töne des Originals bändigen konnte.

Das Rennen ist wieder offener

Das letzte halbe Dutzend im ESC-Vorentscheid steht also fest. War Lenas Oslo-Ticket nach der ersten Show fast schon gedruckt, scheint das Rennen mittlerweile wieder offener zu sein, die Konkurrenz bekommt Konturen: Sharyhan als Kandidatin für die große Euro-Ballade, Kerstin mit Nudelook-Charme als Wiedergängerin von ABBAs Agnetha oder Christian Durstewitz als männliche Nicole, mit Wandergitarre und Hoppla-jetzt-komm-ich-Charme unterm Stirnband - die Luft wird dünner für Fräulein Meyer-Landrut.

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