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Der Eurovisionsfrieden von Baku ist vorbei

Drei Wochen nach dem Eurovision Song Contest zeigt Aserbaidschan sein wahres Gesicht: Mehman Huseynow, eines der Mitglieder der "Song for Democracy"-Bewegung, wurde in Baku verhaftet. Angeblich wegen Polizistenbeleidigung. Freunde fürchten eine Racheaktion.

Von Jens Maier

Seine Befürchtungen sind wahr geworden: "Nach dem Eurovision Song Contest wird alles wieder so werden wie vorher", hatte Blogger Mehman Huseynow Mitte Mai, wenige Tage vor dem Finale des Musikwettbewerbs in Baku, im Gespräch mit stern.de gesagt. Jetzt wurde der 23-Jährige, der sich für die Bewegung "Sing for Democracy" eingesetzt hatte, verhaftet. Nach dem Eurovisionsfrieden zeigt die aserbaidschanische Regierung ihr wahres Gesicht.

Huseynow wurde am Dienstagabend gegen neun Uhr Ortszeit von Polizisten verhaftet. Auf einem Polizeirevier wurde er drei Stunden verhört. Huseynow wird nach Paragraph 221.1 des aserbaidschanischen Strafrechts "Rowdytum" vorgeworfen, weil er bei einer Demonstration der "Sing for Democracy"-Bewegung am 21. Mai einen Polizisten beleidigt haben soll. Ob eine entsprechende Anklage erhoben wird, ist derzeit allerdings noch unklar. Die aserbaidschanischen Behörden haben dazu 28 Stunden Zeit.

Huseynow hatte Übergriffe der Polizei dokumentiert

Der junge Blogger hatte die Protestaktion der Kampagne mit der Videokamera dokumentiert und von Übergriffen der Polizei gegen Demonstranten, Fotografen und Journalisten berichtet. "Während des Protestes wurden sowohl die Fotoapparate und die Videokameras von mir als auch von anderen IRFS-Reportern (Anm. der Red.: Institut für die Freiheit und Sicherheit von Reportern) zerstört. Die Beamten taten alles ihnen mögliche, um die technische Ausrüstung von Medienvertretern zu zerstören", schilderte Huseynow auf der Homepage des IRFS die Vorfälle an jenem Tag.

Racheaktion der Regierung befürchtet

Die Verantwortlichen von "Sing for Democracy" sehen in der Verhaftung Huseynows eine gezielte Racheaktion der Regierung. "Unsere Aktivitäten auf lokaler und internationaler Ebene für Redefreiheit und Menschenrechte haben die Regierung wütend gemacht, deshalb wird Druck auf uns und unsere Korrespondenten ausgeübt", sagt der Leiter des IRFS, Emin Huseynov, Bruder von Mehman Huseynow.

"Ich spüre ständig Druck", hatte der 23-Jährige im Mai zu stern.de gesagt. Ihm sei Geld angeboten worden, wenn er aufhöre, seine Forderungen übers Internet zu verbreiten. Zwar sei er noch nie verprügelt worden, aber er werde als unpatriotisch und als Verräter beschimpft. Doch Huseynow ließ sich nicht einschüchtern. "Ich möchte hier bleiben und kämpfen", hatte Huseynow gesagt. Es ist zu befürchten, dass er den Kampf verlieren wird. Bei einer Verurteilung droht ihm bis zu einem Jahr Haft.

Nachtrag vom 14.06.2012: Nach stern.de-Informationen ist Huseynow wieder auf freiem Fuß. Ob Anklage gegen ihn erhoben werden wird, ist derzeit unklar.

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