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Wie tanzende Köttbullar die Eurovision retten

Zu teuer, zu groß, zu aufgebläht: Der ESC muss abspecken. Die Schweden wollen in Malmö beweisen, dass es auch kleiner und billiger geht. Wie? Mit tanzenden Fleischbällchen.

Von Jens Maier, Malmö

Wird ebenfalls Bestandteil der Show von Malmö sein: Vorjahressiegerin Loreen

Wird ebenfalls Bestandteil der Show von Malmö sein: Vorjahressiegerin Loreen

Mehr Feuerwerk, eine noch aufwendigere Bühne und immer größere Arenen: Der Eurovision Song Contest hat sich in den vergangenen Jahren zu einer millionenschweren Mammutveranstaltung entwickelt. Think Big lautete das Motto der Veranstalter. Um das Zuschauerinteresse zu steigern, wurde die Show immer weiter aufgerüstet. Ob die Bombast-Show von Moskau, der Hightech-Grand-Prix in Düsseldorf oder die Millionenspiele von Baku - die Ausrichter überboten sich gegenseitig mit neuen Rekorden. "Wie können wir das toppen?", fragte sich auch der schwedische Fernsehsender SVT, als nach dem Sieg von Loreen fest stand, dass der ESC 2013 in Schweden stattfinden würde. Die erstaunliche Antwort lautet: Downsizing.

"Wir möchten zurück in die Zukunft", erklärt Martin Österdahl, der bei SVT für die Show verantwortlich ist, das Konzept des diesjährigen ESC. "Wir haben uns überlegt, was die Wurzeln des Wettbewerbs sind", sagte er auf einer Pressekonferenz in Malmö. Die Ursprungsidee der Eurovision sei gewesen, möglichst viele Nationen an einem Fernsehereignis zu beteiligen, das von einem Ort live gesendet wird. "Dahin wollen wir zurück." Der ESC brauche nicht zwingend die größte Bühne der Welt, aber er müsse dem Gefühl der Zusammengehörigkeit die größtmögliche Bühne bieten.

Downsizing geht zu Lasten vieler Fans

Die Entscheidung der Schweden, sich dem Größenwahn zu entziehen, findet aber nicht nur Zustimmung. Da die Malmö-Arena nur zirka 12.000 Zuschauer fasst (zum Vergleich: in Düsseldorf fanden im Finale 35.000 Platz), sind viele Fans bei der Ticketvergabe leer ausgegangen. Die Enttäuschung ist groß, die Wut ebenso. "Der schwedische Vorentscheid hat in Stockholm in einer Halle stattgefunden, die dreimal so groß ist. Ich kann nicht verstehen, warum das Hauptevent, das große Finale, jetzt in einer viel kleineren Halle in Malmö stattfindet ", beklagt sich ein deutscher Fan. Doch die drastische Entscheidung zu Lasten der Fans hat die European Broadcasting Union (EBU) bewusst getroffen - aus pragmatischen und politischen Gründen.

In den vergangenen fünf Jahren waren mit Russland, Norwegen, Deutschland, Aserbaidschan und Schweden stets reiche Länder die Sieger und im folgenden Jahr Gastgeber des Wettbewerbs. Doch wie sollen finanzschwache Staaten wie Zypern, Slowenien oder gar Griechenland einen Grand-Prix ausrichten? Aus Geldmangel haben Portugal, Polen, Bosnien-Herzegowina und die Slowakei ihre Teilnahme in diesem Jahr sogar zurückgezogen. Den EBU-Verantwortlichen in Genf dämmerte, dass ein von Gigantomanie geprägter ESC nicht mehr in ein von einer Schuldenkrise geschütteltes Europa passt. Für das Bestehen des Wettbewerbs war ein Downsizing unausweichlich. "Wir müssen die Kosten reduzieren", sagt EBU-Chef Jan Ola Sand.

Eine Show mit Charme und Witz

So ist es nun ausgerechnet an Schweden, der gemessen an Einschaltquoten und Fanbegeisterung mit Abstand größten Grand-Prix-Nation Europas, den Wettbewerb auf ein Normalmaß zu stutzen. Es soll der Spagat gelingen, trotz weniger Geld eine gute Show abzuliefern. Wie? "Mit Charme und Spaß", sagt Christer Björkman, Erfinder des schwedischen Vorentscheids "Melodifestivalen" und Ideengeber für die europäische Show. Am Freitag hat er einen kleinen Ausblick darauf gegeben, was die Zuschauer im Finale am 18. Mai erwartet. Moderatorin Petra Mede wird in Einspielern auf historische Momente des ESC zurückblicken und sich zum Beispiel bei Udo Jürgens ("Merci, Chérie", 1966) übers Klavier beugen oder mit Cliff Richard ("Congratulations"; 1968) tanzen. Ein charmanter und gelungener Einfall. Außerdem werden sich die Schweden selbst aufs Korn nehmen. "Wir wollen ausgefallen sein", sagt Björkman.

Das Unterhaltungskonzept der Schweden klingt klug: viele gute Ideen, statt Millionen von Euro. Ob der skandinavische Humor auch in Ost- und Südeuropa ankommen wird, zeigt sich spätestens beim Pausenakt. Dann sollen tanzende Köttbullar die Bühne stürmen. Verrückt, diese Schweden.

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