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Barbara Schöneberger kürte die Siegerin im Alleingang

Was, der will nicht? Dann wird es halt Ann Sophie. Nicht die ARD, sondern Barbara Schöneberger entschied, was nach dem Verzicht von Andreas Kümmert zu tun ist. Ein souveräner, aber kühner Alleingang.

Von Jens Maier

  Barbara Schöneberger fackelt nicht lange: Sie macht Ann Sophie zur Siegerin und nimmt die verdutzte Hamburgerin in den Arm.

Barbara Schöneberger fackelt nicht lange: Sie macht Ann Sophie zur Siegerin und nimmt die verdutzte Hamburgerin in den Arm.

Sie hatte wohl schon so eine Vorahnung, als er das Mikrofon noch einmal wollte. "Wir sind gespannt, was jetzt passiert", sagte Barbara Schöneberger nach der Verkündung seines Sieges bei "Unser Song für Österreich" zu Andreas Kümmert. Was dann folgte, wird in die Geschichte des ESC eingehen. Der 28-Jährige mit der grandiosen Stimme und dem Zottelbart erklärt seinen Verzicht. Ein noch nie dagewesener Eklat, für den es keine Regeln gibt. Da stand Schöneberger nun: ohne Sieger. Eine Entscheidung musste her.

"Ich hatte das Gefühl, Andreas Kümmert rauslassen zu müssen", sagte Schöneberger über die Situation in der Show. "Für diesen Moment gab es kein Skript, also musste ich entscheiden." Zeit, mit der Regie Rücksprache zu halten, hatte die Moderatorin in der Live-Show nicht. Es gab weder ein Regelwerk für diesen Fall, noch eine Anweisung von oben. "Ich glaube, die in der Regie wären auch nicht in der Lage gewesen, irgendeine Anweisung zu geben", sagte sie in der Pressekonferenz in Hannover. Es sei auch niemand auf der Bühne gewesen, den sie hätte fragen können. Schöneberger musste selbst eine Entscheidung treffen. Und das tat sie. Im Alleingang kürte sie die Zweitplatzierte Ann Sophie zur Siegerin.

Eine zweite Abstimmungsrunde wäre möglich gewesen

Ein souveräner, aber auch gewagter Schritt. Denn theoretisch wäre es auch denkbar gewesen, die letzte Abstimmungsrunde zu wiederholen, um den anderen Künstlern nochmal eine Chance zu geben. Und wer weiß, vielleicht hätten die Zuschauer bei der Wahl zwischen Ann Sophie und Laing oder Ann Sophie und Alexa Feser ganz anders entschieden - und eben nicht die Hamburgerin nach Wien geschickt. Doch Schöneberger ist den Televotern zuvor gekommen - und hat sie damit auf eine gewisse Art entmündigt.

"Ich finde es aus juristischer Sicht schwierig, den Ausgang von einer Moderatorin entscheiden zu lassen", sagt ESC-Experte Irving Wolther, der sich in seiner Doktorarbeit mit dem Eurovision Song Contest befasst hat. Selbst bei DSDS gäbe es für solche Fälle einen Notar, der im Zweifel zu Rate gezogen werde. "Nach der Bundestagswahl entscheiden ja auch nicht die Moderatoren in der Elefantenrunde, wer bei einem Rücktritt der nächste Bundeskanzler wird", kritisiert Wolther.

EBU gibt Entwarnung

Die European Broadcasting Union, die den ESC veranstaltet, gibt für das deutsche Prozedere hingegen Entwarnung. "Wir haben keine Vorgaben, wie die Nationen ihre Künstler für das Finale auswählen", sagte ein Sprecher. Es sei den einzelnen Ländern überlassen, nach welchem Verfahren sie ihren Künstler aussuchten. "Der Rücktritt von Andreas Kümmert gefährdet Deutschlands Teilnahme nicht, auch wenn der Vorgang meinen Informationen nach bisher einzigartig ist."

Ann Sophie wird also für Deutschland nach Wien fahren. Die Schöneberger hat's entschieden - und so wird es geschehen.

Nachtrag:

Am Freitagnachmittag veröffentlichte der NDR die Votingergebnisse. Demnach hatten sich im letzten Wahlgang 78,7 Prozent der Anrufer für Andreas Kümmert entschieden. Auf Ann Sophie entfielen 21,3 Prozent. Der riesige Abstand wird die Debatte, ob es nicht besser gewesen wäre eine neue Wahl durchzuführen, sicherlich erneut anheizen.

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