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14. Mai 2011, 08:11 Uhr

Das sind die sechs Favoriten für das Finale

Eurovision Song Contest

Vom Tenor bis zu verrückten Zwillingen: Alle wollen Lenas Thron. Sechs Kandidaten werden als Favoriten gehandelt. Für wen wird sich Europa entscheiden? Von Jens Maier

Aus Irland droht der Angriff der Lippenstifte, Großbritannien versucht es mit einer in Vergessenheit geratenen Boyband, Frankreich will mit einem Tenor punkten und Russland schickt einen Popstar: Die 25 Finalisten für den Eurovision Song Contest 2011 in Deutschland stehen fest. Ein bunter Mix aus Balladen, Popsongs und Folklore kommt beim 56. Eurovision Song Contest in Düsseldorf auf die Zuschauer zu. Und obwohl der Sieger des Wettbewerbs als nahezu unvorhersehbar gilt, zeichnen sich diese Kandidaten als Favoriten ab.

Frankreich: Der Tenor

Er wird bei den englischen Buchmachern auf Platz Eins gewettet: Amaury Vassili ist so etwas wie das französische Pendant zum Engländer Paul Potts - nur jung und gutaussehend. Der 21-Jährige schmettert eine wuchtige Ballade, die zu Beginn verdächtig an Ravels "Bolero" erinnert und sich schließlich zu einem Schmachtfetzen à la "Time To Say Goodbye" von Andrea Bocelli steigert. "Sognu" (Traum) heißt die Klassik-Arie, die Vassili komplett auf korsisch singt. Der Franzose wird allein auf der Bühne stehen, während auf der riesigen LED-Wand hinter ihm die Sonne aufgeht und einen Wolkenhimmel in ein bombastisches Rot verwandelt. Drama pur! Der Grat zwischen Kitsch und Gänsehaut ist allerdings schmal. "Ich möchte mich im Geschichtsbuch des Wettbewerbs verewigen", sagte der 21-Jährige staatstragend zu stern.de. Ein Sieg sei nicht nur wichtig für ihn, sondern auch für sein Land. Ob Vassili sich am Ende gegen die vielen modernen Popsongs durchsetzen und den Traum vom ersten Eurovisions-Sieg Frankreichs seit 34 Jahren wahr machen kann, wird wohl im Wesentlichen von seiner Tagesform abhängen.

Aserbaidschan: Das Liebespaar

Eldar Qasımov und Nigar Camal sind die sperrigen Namen der beiden Teilnehmer aus Aserbaidschan. Dort wurden sie in einem langwierigen Vorentscheid als Kandidaten für Düsseldorf festgelegt, wohl in dem Wissen, noch ein passendes Duett für sie in der Schublade zu haben: "Running Scared" heißt die Schmusenummer, die aus der Feder der renommierten schwedischen Songschreiber Stefan Örn und Sandra Bjurman stammt. Die beiden haben bereits 2010 den hoch favorisierten Song "Drip Drop" (Platz 5) für Aserbaidschan geschrieben, in Düsseldorf soll jetzt endlich ein Sieg her. Der scheint greifbar nahe: Eldar und Nigar verkörpern das Liebespaar auf der Bühne so perfekt, dass sie ständig gefragt wurden, ob sie auch privat ein Paar seien. Sind sie nicht! Auf sympathische Art und Weise haben sie sich in den vergangenen Tagen in Düsseldorf präsentiert. Elgar, der in Deutschland studiert hat, spricht sogar Deutsch. Warum Europa für ihn anrufen soll? "Das Gefühl von Liebe muss immer leben", sagte er über seinen Song zu stern.de. Die Herzen der Düsseldorfer hat er damit jedenfalls schon erobert.

Großbritannien: Die Boyband

Die Engländer wollen sich endlich die Eurovisions-Krone zurückholen: Nach einem letzten Platz in Oslo und zahlreichen misslungenen Anläufen soll es nun eine Boyband richten: Blue treten für Großbritannien an. Ihr Song "I Can" klingt denn auch ein bisschen wie eine Kampfansage: Seht her, wir können's noch. Leider liegen die besten Tage der vier Jungs, die sich zusammen mit Elton John und dem Hit "Sorry Seems To Be The Hardest Word" einst in die Herzen ganz Europas gesungen hatten, schon ziemlich lange zurück. "Wir sehen den Eurovision Song Contest als Start für unser Comeback", sagten sie zu stern.de. Dafür hätten sie hart gearbeitet. "Wir trainieren seit einem halben Jahr regelmäßig, um fit für den Auftritt zu sein", sagte Sänger Duncan. Vom Ergebnis dieser Arbeit konnte man sich bereits in einem Schwulenmagazin überzeugen, für das die Vier halbnackt posiert haben. Am 14. Mai zählt allerdings nicht nackte Haut, sondern vor allem ihr Gesang. Bei den Proben in Düsseldorf konnten sie damit nicht immer überzeugen. Dennoch glaubt die Band: "Alles ist möglich."

Irland: Die Verrückten

Die 19-jährigen Zwillinge singen zwar so schief und unsynchron, dass selbst die Jakob Sisters ihnen noch Konkurrenz machen würden, doch ihr Song "Lipstick" ist ein Ohrwurm. Jedward aus Irland haben mit ihren verrückten Rasierpinselfrisuren in Düsseldorf schon etliche Nachahmer gefunden - wenn auch nur als Papierperücke auf dem Kopf. "Unglaublich nervig", fand der britische Superstar-Juror Simon Cowell die beiden, doch Europa ist offenbar drauf und dran, die Jungs unglaublich cool zu finden. Jedward werden auf Platz Zwei bei den englischen Buchmachern gewettet. Dort lässt sich übrigens auch darauf wetten, dass einer von den beiden bei ihren intergalaktischen Luftsprüngen oder Salti von der Bühne fällt. Aber das würde ihre Punktzahl im Finale wahrscheinlich nur noch erhöhen.

Russland: Das Multitalent

Er singt, er tanzt, er modelt, er schauspielert und er spielt Fußball. Er sieht gut aus, hat einen Astralkörper und ist obendrein noch sympathisch: Alex Sparrow aus Russland ist ein echtes Multitalent. In Düsseldorf tritt er nicht mit russischer Folklore, sondern mit dem komplett durchgestylten Popsong "Get you" an, der aus der Werkstatt von schwedischen Hitproduzenten stammt. Um die Eurovisionskrone zum zweiten Mal nach 2008 zu holen, war den Russen kein Aufwand zu teuer. Vor der riesigen LED-Wand im Hintergrund fahren sie zwei eigene LED-Wände auf die Bühne, auf Sparrows Jacke blinken LED-Lämpchen, in seinen Schuhen ebenfalls - Moskau im LED-Wahn. Dass Sparrow hier ist um zu gewinnen, daraus macht er keinen Hehl. "Jeder ist hier, um zu gewinnen", sagte er zu stern.de. Nicht nur der Song, sondern allein schon Sparrows Ruckwärtssalto auf der Bühne ist ein paar Punkte wert.

Finnland: Der nette Junge von nebenan

Jurys, Schwiegermütter, kleine Mädchen, Ökos und auch Schwule werden ihn lieben: Paradise Oskar, der mit bürgerlichem Namen Axel Ehnström heißt, tritt für Finnland an und scheint der Kandidat zu sein, der bei fast allen Zielgruppen gleichermaßen gut ankommt. Auf einem Barhocker sitzend und mit Gitarre in der Hand singt der 19-Jährige das selbstgeschriebene Lied "Da Da Dam". Eine einfühlsame Weltverbesserungs-Ballade, mit der er ohne viel Schnick-Schnack Europa zum Träumen von einer grüneren Zukunft bringen will. "I'm going out in the world to save the planet", singt er, während auf der Leinwand im Hintergrund der Planet zu sehen ist, den er beschützen möchte. Oskar, der Weltverbesserer. Er tritt damit in die Fußstapfen von Nicole: Sein Song ist die 2011er-Version von "Ein bisschen Frieden". Lediglich sein früher Startplatz - der Finne eröffnet den Wettbewerb - könnte ihn Punkte kosten.

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