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Als Stefan Raabs welkes Fleisch vibrierte

Bei "Unser Star für Oslo" waren die Song-Beiträge wie gewohnt hörenswert, die Jury-Statements dagegen erneut fiebrig-fantasievoll. "Hinten wird keiner klar ausscheiden!" war die Devise. Wer jedoch dem stern.de-Votum vertraut hatte, der ahnte es schon vor der Sendung - am Ende nahm der "Jopi Heesters" des Castings seinen Hut.

Von Ingo Scheel

Fremdschämen war - wen wundert's mittlerweile noch - erneut Fehlanzeige bei Raabs Grand-Prix-Generalüberholung. Und dass es, dem hehren Auftrage scheint auch das geschuldet, sogar hinter den Kulissen nachhaltig fair, ja, bodenständig zugeht, zeigten die Backstage-Aufnahmen, die es in der gestrigen Unser Star für Oslo-Ausgabe zum ersten Mal zu sehen gab. Dort nämlich waren Eitelkeiten oder Zickenkrieg überhaupt nicht angesagt, stattdessen parlierten Jennifer und Leon zusammen locker über ihre Song-Beiträge, gaben Lena und Kerstin einander professionell die Klinke zum Musikraum in die Hand.

Mit Mettbrötchen auf Trab gebracht

Ganz unglamourös wurde da in einem garagenartigen Verhau geprobt, saßen die Heavytones in einem engen Kabuff beisammen und studierten mit den verbliebenen sechs Eleven deren Songs ein. Wie gut diese dann in der Live-Sendung über die Rampe gingen, mussten am Abend die Gäste Joy Denalane und Reamonn-Sänger Rea Garvey beurteilen. Dazu gesellte sich wie gewohnt Stefan Raab, der mit Mettbrötchen auf Trab gebrachte "König der Juroren".

Der Musikmix war dann, im besten Sinne, spannungsarm. Kerstin, die nordische Nymphe mit dem blassen Teint, hatte Regina Spektors "Better" gewählt, zitierte Tarkan, flötete und falsettierte sicher und dehnte lediglich das Outro etwas lang. Lena Meyer-Landrut bewies ein gutes Näschen, indem sie ihren zur Abnutzung neigenden Geek-Charme diesmal in den Hintergrund stellte. Ihre Version von Paolo Nutinis "New Shoes" geriet beinah unaufgeregt normal. Jennifer griff, nach Melissa Etheridge in der vorletzten Sendung, erneut tief in die Setlist ihrer Stadtfest-erprobten Coverband, und erledigte ihren Job ebenfalls sehr souverän. So souverän, dass Raab gar eingestand, ihm würde vom Groove des Chaka-Khan-Klassikers "Ain't Nobody" das welke Fleisch vibrieren.

"Tears in Heaven" war die falsche Entscheidung

Leon, mit 26 Jahren mittlerweile der Senior und laut Opdenhövel "Jopi Heesters" dieser Castingshow, vergriff sich anschließend am Clapton-Song "Tears in Heaven" - wie sich am Ende herausstellte, nicht nur für Jurorin Joy Denalane die falsche Entscheidung. Sharyhan vertraute mit "In the City" zum zweiten Mal erneut mit Fug und Recht auf einen eigenen Song. Und Christian "Dursti" Durstewitz, der inzwischen nicht nur vom Vater, sondern sogar von einer Fanclub-Präsidentin in die Show begleitet wird, pickte sich mit Mando Diaos "Dance with Somebody" einen Song, der wiederum bestens dazu angetan war, den kumpeligen Kerl mit der Naturkrause eine Runde weiter Richtung Oslo zu befördern. Ähnlichkeiten mit Prince hörte da zwar nur Joy Denalane heraus, die Stimmen der Anrufer waren ihm am Ende dennoch sicher.

Hieße diese Sendung "Wetten, dass ..?", stünden wohl schlechte Quoten und ein leidlich gekrümmter Spannungsbogen zur Diskussion, so aber brachten Raab & Co. ein weiteres Mal die Euro-Schäfchen sicher ins Trockene. Da machte es auch nichts, dass Rea Garveys Anmerkungen klangen wie von Howard Carpendale synchronisiert und Joy Denalane das meiste schlicht "ganz toll" fand. Ein Sänger, eine Sängerin für Oslo muss her - und diesem Ziel ist "USFO", mit Ausnahme von Leon, der sein Ausscheiden entspannt nahm, wieder ein Stück näher gekommen.

stern.de-User hatten den richtigen Riecher

Im stern.de-Votum jedenfalls, wo Leon bereits vor der Sendung den letzten Platz belegte, gibt es auch in Sachen Pole-Position einen mehr als deutlichen Trend, die Entscheidung aber ist noch nicht gefallen. Die Wahrheit liegt wie gewohnt auf der Bühne und dort - Gracia und Zlatko, Texas Lighting und die No Angels können davon ein Lied, nun ja, singen - ist, insbesondere mit dem Zielband in Sicht, noch so einiges möglich.

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