Ein Empfang wie für einen Fußballmeister: Lena Meyer-Landrut wurde in ihrer Heimatstadt Hannover vom Bürgermeister begrüßt. Mehr als 1000 Fans jubelten ihr im Rathaus zu. Fragen nach ihrem Privatleben hat sie wie immer abgeblockt. Nur einer hat geplaudert. Von Jens Maier, Hannover

Wie ein Popstar: Lena Meyer-Landrut bedrängt von der Journaille im Rathaus ihrer Heimatstadt Hannover© Jochen Lübke/DPA
"Als Putin hier war, gab's weniger Presse", ruft einer der anwesenden Journalisten. Im großen Ratssaal des Neuen Rathauses von Hannover drängen sich Medienvertreter aus ganz Deutschland. Sie warten vor einer schweren Eichenholztür mit dicken Messingbeschlägen ungeduldig auf eine Schülerin aus Hannover, die noch vor sechs Wochen kaum ein Mensch in Deutschland kannte. Seit Freitag ist sie ein Popstar. Sie tritt am 29. Mai vor 120 Millionen Fernsehzuschauern beim Eurovision Song Contest in Oslo an. Heute hat sie Heimspiel: Lena Meyer-Landrut wird nach ihrem Sieg bei "Unser Star für Oslo" in ihrer Heimatstadt empfangen, als sei Hannover 96 gerade deutscher Fußball-Meister geworden.
Die Scorpions, Mark Morrison, Oliver Pocher ("Schwarz und Weiß"), Fury in the Slaughterhouse und vielleicht noch die Band Marquess - viel mehr Popstars hat Hannover bislang nicht hervorgebracht. Umso stolzer ist Oberbürgermeister Stephan Weil, sich jetzt mit einer 18-Jährigen schmücken zu dürfen. Eine, in die sich ganz Deutschland verliebt hat und die scheinbar kurz davor steht, Europa im Sturm zu erobern. Es sei eine wunderschöne Geschichte, dass eine Schülerin aus Hannover zum Eurovision Song Contest fahre, verkündet Weil strahlend über die selbstbewusste Frau, die neben ihm steht. Eine maßlose Untertreibung.
Lena Meyer-Landrut ist nicht mehr nur irgendeine Schülerin aus Hannover, sondern wahrscheinlich eines der größten Showtalente Deutschlands. Sie hat nicht nur innerhalb weniger Tage einen neuen Rekord bei Musikdownloads im Internet aufgestellt und über 35.0000 Fans beim sozialen Netzwerk "Facebook" um sich geschart, sondern beantwortet Fragen von Journalisten, als hätte sie nie etwas anderes getan - ein Medienprofi. Selbstsicher schaut sie in die Kameras, lächelt verschmitzt und lässt sich von keiner noch so blöden Frage aus der Fassung bringen.
Wie sie sich jetzt fühle, wird sie gefragt. Ob sie mit ihrem Sieg gerechnet habe und wie es jetzt weitergehe. Standardfragen beantwortet Lena mit Standardantworten. Sie sei überglücklich, aber auch erschöpft. Sie habe nicht mit dem Sieg gerechnet, aber darauf gehofft. Und sie werde weitere Termine haben, lasse diese aber auf sich zukommen. Nur bei einer Frage wird ihr Gesicht ernster: "Sind Ihre Eltern heute da?" "Dazu sage ich nichts", antwortet sie herzlich, aber bestimmt. Während andere Castingshowkandidaten täglich neue Details aus ihrem Privatleben ausplaudern, wissen ihre Fans über Lena Meyer-Landrut so gut wie nichts.
Fragen nach ihrem bekannten Großvater - der Diplomat Andreas Meyer-Landrut leitete von 1989 bis 1994 das Bundespräsidialamt - beantwortet sie ebenso wenig wie die nach ihren Eltern oder nach einem Freund. "Ich war schon acht Mal zwangsverheiratet", sagt sie in Interviews dann keck. Und obwohl sie Mitte April ihre schriftlichen Abiturprüfungen ablegen wird, erfahren ihre Fans nicht einmal, ob sie gut oder schlecht in der Schule ist. Nein, Stoff für "Bild", "Bravo" oder "Bunte" liefert Lena Meyer-Landrut nicht. Trotzdem warten mehr als 1000 Fans in der Rathaushalle von Hannover auf "ihre" Lena.