Startseite

Stern Logo Eurovision Song Contest

Sind wir nicht alle ein bisschen Schlager?

Jahrzehntelang wurde er geächtet, der deutsche Schlager galt als altbacken und uncool. Doch jetzt erlebt die Gute-Laune-Musik ihre Auferstehung. Dabei sind die Grenzen zum Pop längst fließend.

Von Jens Maier, Malmö

  Beatrice Egli heißt die Gewinnerin der Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar". Ihr Siegertitel "Mein Herz" handelt von den typischen Ingredenzien des deutschen Schlagers: Liebe und Herzschmerz.

Beatrice Egli heißt die Gewinnerin der Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar". Ihr Siegertitel "Mein Herz" handelt von den typischen Ingredenzien des deutschen Schlagers: Liebe und Herzschmerz.

Wie eine Blume am Winterbeginn
so wie ein Feuer im eisigen Wind,
wie eine Puppe, die keiner mehr mag,
fühl ich mich am manchem Tag.
Dann seh ich die Wolken, die über uns sind,
und höre die Schreie der Vögel im Wind.
Ich singe als Angst aus dem Dunkeln mein Lied
und hoffe, dass nichts geschieht.

Songtext von Nicoles "Ein bisschen Frieden"

Das deutsche Schlagertrauma beginnt am 24. April 1982 beim Eurovision Song Contest im britischen Harrogate. Ein 17-jähriges Mädchen mit langem, lockigen Haar sitzt mit seiner Gitarre auf einem Hocker und singt vom Weltfrieden. Adrett sieht sie aus, wie eine Pfarrerstochter. In nur drei Minuten bricht ihr Lied den Zeitgeist der wilden Sechziger und Siebziger Jahre. Statt zur Revolution fordert sie zu Liebe, Harmonie und Frieden auf. "Ein bisschen Frieden", um genau zu sein. Ein Ruf, der in ganz Europa erhört wird. Nicole gewinnt mit haushohem Vorsprung den Schlager-Grand-Prix, wie er damals noch genannt wird. Über fünf Millionen Mal wird die Platte verkauft, feiert europaweit Charterfolge. Doch ihr Sieg versetzt Deutschland einen dauerhaften Schlagerschock, von dem sich die Nation der Minnesänger und Volkslieder erst heute zu erholen scheint.

Comeback nach 31 Jahren

Denn erst nach 31 Jahren feiert der deutsche Schlager sein Comeback. Nicht in Malmö, wo derzeit die Proben für das Finale des Eurovision Song Contest stattfinden, sondern im RTL-Studio in Köln. Beim Finale von "Deutschland sucht den Superstar" gewann am vergangenen Samstagabend die 24-jährige Beatrice Egli mit einem Titel, der Nicoles "Ein bisschen Frieden" in nichts nachsteht. "Mein Herz" handelt von Liebe und Herzschmerz - und steht damit genau für das, was dem deutschen Schlager über Jahrzehnte Kritik, ja sogar Anfeindung und Hass entgegenschlagen ließ. Schlager, das galt lange Zeit als Schimpfwort, als Synonym für seichte Unterhaltungsmusik, seine Hörer als naive Romantiker. Lyriker Peter Rühmkorf bezeichnete den deutschen Schlager sogar als "verbrecherische Volksverdummung".

Vor allem deutsche Grand-Prix-Fans hatten jahrzehntelang unter diesem Image zu leiden. Schuld war daran vor allem die Musikindustrie. Während sich in anderen Ländern die Genregrenzen zwischen Popmusik und Schlager oder gar Volksmusik mehr und mehr vermischten, war der ESC hierzulande der Ort, an dem deutsche Populärmusik erst sicher vor Einflüssen wie Disco oder der Neuen Deutschen Welle, dann vor der zunehmenden Anglikanisierung war. Die Interpreten und Komponisten der heilen Schlagerwelt suchten Zuflucht beim ESC. Allen voran Ralph Siegel. Der deutsche Mister Grand Prix verweigerte nach seinen ESC-Erfolgen mit Dschinghis Khan, Lena Valaitis und Nicole jegliche Erneuerung. Eine Entwicklung, die in der Schlagerkatastrophe endete. Noch 1997 trällerte Bianca Shomburg für Deutschland "Zeit" und wirkte damit wie aus eben dieser gefallen. Ein Titel für Ewiggestrige, der mit einem 18. Platz abgestraft wurde. Der Schlager war tot in Deutschland. Doch der Eurovision Song Contest war es nicht. Warum? Weil andere Länder nicht den gleichen Fehler wie Deutschland gemacht haben.

Was wir von Schweden lernen können

Schlagernation Nummer eins in Europa ist heute Schweden. Mit dem Sieg von Abba 1974 beim ESC fing alles an. Ihr Titel "Waterloo" war nichts anderes als ein Schlager - in hippem Gewand und mit zeitgenössischen musikalischen Verzierungen. Was folgte, war das schwedische Popwunder. Statt den Schlager für schwedische Songtexte und Schunkelmelodien zu vereinnahmen, war er offen für ausländische Einflüsse und Erneuerung. Heute ist das kleine Land mit rund 9,4 Millionen Einwohnern der drittgrößte Exporteur englischsprachiger Popmusik, gleich hinter den USA und Großbritannien. Schweden ist eine der erfolgreichsten Nationen beim Eurovision Song Contest. Der Begriff "Schlager", den die Schweden im Übrigen aus dem Deutschen übernommen haben, ist vielleicht verbrannt. Leicht eingängige Melodien mit mitsingfreundlichen Texten erfreuen sich aber weiterhin größter Beliebtheit. Nicht zuletzt Loreens Eurovision-Siegertitel "Euphoria" ist dieser Kategorie zuzuordnen

30 Jahre nach Harrogate scheint sich auch in Deutschland die Erkenntnis durchzusetzen, dass der Übergang vom Schlager zur Popmusik fließend ist. Helene Fischer, Andrea Berg und Andreas Gabalier sind die Vorreiter einer neuen, selbstbewussten Schlagerkultur, die sich nicht dafür schämt, Texte auf Deutsch zu singen. Sieben der zehn meistverkauften Alben waren 2012 deutschsprachig. Darüber hinaus bereichern Künstler wie Clueso, Tim Bendzko oder Mia Diekow die Szene. Sie sind Botschafter des deutschen Schlagers - auch wenn sie sich vermutlich selbst nicht so bezeichnen würden.

Auch Cascada nimmt Anleihen beim Schlager

Wenn am 18. Mai beim Finale des Eurovision Song Contest der deutsche Beitrag erklingt, wird die Arena zur Disco. Cascada singt ihren Dancedampfhammer "Glorious". Mit harten Bässen und viel Bumm-Bumm klingt der Titel alles andere als nach Schlager. Anders ist das, wenn Sängerin Natalie Horler die Nummer als Unplugged-Version singt, wie vor wenigen Wochen im Morgenmagazin. Dann zeit sich, dass der eingängige Refrain, der belanglose Text, und der Mitklatsch-Rhythmus die eindeutigen Zutaten eines Schlagers hat. Von Nicole bis Cascada - alle sind eben ein bisschen Schlager.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Zu hohe Inkassogebühren, rechtens?
Hallo, ich habe am 20 März 15 einen Vertrag über 12 Monate mit einem Fitness-Studio abgeschlossen. Die Kosten (9,98 € 14-Tägig, 39,99€ Verwaltung einmalig, 19,99 Trainer und Servicepauschale Jährlich) sollten per Einzugsermächtigung abgebucht werden. Kürzlich bekam ich überraschend einen Brief von einem Inkassobüro mit der Zahlungsaufforderung für die gesamten 12 Monate inkl. der Verwaltung und Servicepauschale + Auslagen des Gläubigers (63,38€), Zinsen (1,42€), Geschäftsgebühr (45€), Auskunftskosten (5€) , Auslagenpauschale (9€) Hauptforderung 320,28€ Offene Forderung 444,08€ Nach dem ich mich bei der Firma erkundet habe, sagten sie mir, dass Zahlung zurückgegangen ist da mein Konto nicht gedeckt sei. Fakt war das sie einen Zahhlendreher in der Kontonummer hatten obwohl im meinem Durchschlag die Richtige Kontonummer angegeben wurde. Aber im Original hat jemand aus einer 3 eine 8 geändert. Nach Überprüfung konnte ich Feststellen das es diese Kontonummer gar nicht gibt und das diese vom System gar nicht angenommen wird. Spätestens da hätte man mich doch hinweisen oder fragen können was mit dem Konto sei. Es kam nie ein zu einem Zahhlungsrückgang, noch zu einer Zahlungserinnerung Mahnung seitens des Fitnessstudios. Die AGB´s habe ich nie zu Gesicht nie bekommen und auch nicht gelesen - diese stehen (nach meiner Recherche) im Internet aber auch nicht definiert wie man in Zahlungsverzug kommt. Leider habe ich unterschrieben das sie mir bekannt sind. Dies steht ganz kleingedruckt im Durchschlag. Ich habe der Firma vorgeschlagen die offenen Beiträge bis jetzt zu bezahlen und für die Zukunft eine neue Einzugsermächtigung zu erteilen, was sie aber abgelehnt haben und mir gesagt haben ich soll dies mit dem Inkassobüro klären. Der Fitnessvertrag ist somit gesperrt seit einem Monat. Da ich aber mit den Gebühren, Mahnspesen von dem Inkassobüro nicht einverstanden bin weiß ich nicht ob ich diese bezahlen muss. Ich habe dem Inkassobüro auch vorgeschlagen die offenen Beiträge zu begleichen und diese dann wie vertraglich vereinbart abgebucht werden. Sie haben mir angeboten diese in einem Jahr zu einem monatlichen Beitrag von 35€ abzuzahlen. Dies währen Mehrkosten von 100€, ist das rechtens? Bitte Antworten sie mir in einer Sprache die ich auch versteh - mit langen Gesetzestexten kann ich leider nicht umgehen Und was Sie denken was ich tun soll was rechtens ist. Vielen Dank im Voraus

Partner-Tools