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29. Mai 2009, 12:11 Uhr

"Vielleicht solltet ihr die Stripperin weglassen"

Der Eurovision Song Contest hat ihn über Nacht berühmt gemacht. Jetzt erscheint Alexander Rybaks Album. stern.de erzählt er, wie ihn seine Eltern gedrillt haben, dass sein "Fairytale"-Mädchen jetzt ein Duett mit ihm singen will und was Deutschland beim Grand Prix in Oslo ändern muss. Von Johannes Gernert

Alexander Rybak, Eurovision Song Contest, Norwegen, Dieter Bohlen, Geiger, Fairytale, Moskau, Harry Potter

Alexander Rybak - der Junge mit der Geige. Ähnlichkeiten mit Harry Potter? Er selbst erkennt nicht ganz so viele© Henning Kaiser/DDP

In der Grand-Prix-Nacht haben 100 Millionen Europäer Alexander Rybak zugesehen. "Der Junge mit der Geige" bekam so viele Stimmen wie keiner zuvor. Danach war er bei "The Dome" in München, in Amsterdam bei einer niederländischen Fernsehshow, im ZDF-Fernsehgarten. Jetzt steht Ryback in seinem Zimmer, in einem Hotelhochhaus am Ku'damm, der Berliner Einkaufs- und Touristenmeile. Unterm lila Shirt schauen kräftige Oberarme hervor. Er trägt Jeans und bittet in die Sofa-Ecke. Rybak isst während des Gesprächs Pflaumen, er wirkt frisch, freundlich, witzig.

Herr Rybak, Deutschland schneidet beim Eurovision-Wettbewerb immer sehr schlecht ab. Hätten Sie einen Tipp, wie sich das künftig ändern ließe?

Vielleicht solltet ihr mal die Stripperin weglassen. Über Dita von Teese habe ich mich zwar gefreut, aber die Zuschauer womöglich nicht ganz so sehr. Es ist ja doch eine Familienshow, das vergessen die Leute schnell. Es ist nicht wie bei "Deutschland sucht den Superstar", wo vor allem Teenager zuschauen. Das sind bei Eurovision eher die Großmütter. Da muss man sich auf der Bühne schon ein bisschen benehmen. Deshalb hat auch die Ukraine [Svetlana Loboda, Anm. d. Red.] nicht gewonnen, die fand ich persönlich am besten.

Kennen Sie Dieter Bohlen?

Dita?

Der Sänger von Modern Talking, ein bekannter Produzent. Er will Deutschland beim nächsten Eurovision-Wettbewerb helfen. Das hat er angekündigt.

Ich liebe Modern Talking. Aber vielleicht wäre es besser, mit jemandem anzutreten, der noch nicht so bekannt ist und sein Lied selbst schreibt. So wie ich. Statt drei Leute zu haben, die am Text arbeiten und drei andere an der Musik und am Ende erst fragt man dann: Wer soll's eigentlich singen?

Sie haben viel Stress in diesen Tagen. Wem vertrauen Sie sich an, wenn es zu viel wird?

Ich habe die netteste Managerin der Welt. Nach außen ist sie knallhart, aber zu mir überhaupt nicht. Eine echte Freundin. Und meine Mutter kennt mich noch besser. Sie ist eine sehr professionelle Mutter. Sie weiß, dass sie nicht jeden Tag anrufen sollte. Wissen Sie, wenn ich Zeit hätte, würde ich ein Mädchen klarmachen und ins Kino gehen. Sightseeing stünde da nicht so weit oben auf meiner To-Do-Liste.

Sie gehen gern ins Kino. Haben Sie die Harry-Potter-Filme gesehen?

Ich bin ziemlich faul. Wenn es einen Film zum Buch gibt, schaue ich immer den, statt den Roman zu lesen. Manche der Potter-Verfilmungen sind gar nicht so schlecht. Es ist ein bisschen wie "Herr der Ringe" für Kinder.

Sind Sie Harry Potter ähnlich?

Ich?

Das haben manche Eurovision-Beobachter geschrieben.

Seltsam. Das ist eine Filmfigur, den gibt's gar nicht. Mich schon. (lacht) Und die Ähnlichkeiten: Wir haben beide einen Stab. Er zaubert mit seinem, ich spiele mit meinem Geige. Ach, ja, da fällt mir noch was ein: Wenn er seine Brille absetzt, ist er hübscher. Das ist bei mir genauso.

Sie achten deshalb peinlichst genau darauf, sich in der Öffentlichkeit nie mit Brille zu zeigen. Ihre Begleiter warnen Sie, wenn Kameras auftauchen. Ist das nicht ganz schön anstrengend?

Total. Es ist so viel angenehmer mit Brille.

Könnten Sie sich nicht einfach ganz authentisch geben und sagen: Ich stehe zu meiner Brille?

Vielleicht. Wenn ich damit nicht so unglaublich langweilig aussehen würde.

Sie sind extrem diszipliniert erzogen. Ihre Eltern haben Sie ganz schön getriezt. Sie mussten ständig üben, schreiben Sie in der Widmung in Ihrem Album.

Ich bin Ihnen dafür immer noch ein bisschen böse. Ich hätte schon gern eine normalere Kindheit gehabt. Ich sollte üben, ich habe geheult, und sie haben gesagt: Du wirst uns noch einmal dankbar sein. Heute würde ich sagen: stimmt. Aber mit meinen Kindern würde ich es anders machen. Hätte ich einen Sohn oder eine Tochter und würde merken, dass die talentiert sind, wäre ich bemüht, das Talent zu fördern. Aber nicht so stark wie meine Eltern das getan haben. Niemals.

Wie lange mussten Sie üben?

Zwei bis drei Stunden am Tag. Seit ich sieben bin. Direkt nach der Schule ging es los. Die anderen spielten draußen und ich stand da mit meiner Geige. Ich habe es gehasst.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrer Geige?

Es ist ein Instrument. Wie ist Ihr Verhältnis zu ihrem Aufnahmegerät?

Wir verstehen uns, aber ich musste damit auch nicht stundenlang üben, als ich noch ein Kind war.

Ich streichle meine Geige nicht die ganze Zeit. Ich passe auf, dass es nicht drauf regnet und dass niemand sie im Feuer verheizt oder so.

Während Ihres Auftritts beim Eurovision Song Contest ist Ihnen eine Saite gerissen.

Kein Drama. Dasselbe ist beim norwegischen Vorentscheid passiert. Und alle Leute riefen: Oh, er hat seine Geige kaputt gemacht! Es ist wie beim Fußball, wen Ronaldinho seinen Schuh bindet. Und alle schauen gebannt zu. Im Grunde ist es aber eine ganz normale Sache.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Was Alexander Rybak für ein Verhältnis zu seiner Ex-Freundin hat, über die er in "Fairytale" singt.

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KOMMENTARE (6 von 6)
 
Sardor (30.05.2009, 10:35 Uhr)
Stripperin weglassen...
Klar, Deutschland tritt ja auch immer mit Stripperinnen an.
Den ESC sehen sicher nicht in der Mehrzahl Großmütter - und warum sollen die was gegen Nackte Haut haben? Die waren auch mal jung. Was für ein Quark...
STR_EDDS (29.05.2009, 19:09 Uhr)
:-)
"Wie ist Ihr Verhältnis zu ihrem Aufnamegerät?" - Ich finde den Typen extrem in Ordnung. :-)
JustMarc (29.05.2009, 18:50 Uhr)
Brille
Na, das hat wohl nicht ganz geklappt ;) http://www.youtube.com/watch?v=sLXmGHPgxWg
bR4iNST0RM (29.05.2009, 18:25 Uhr)
Noch einfacher...
... gar nicht mehr mitmachen.
TT2007 (29.05.2009, 13:45 Uhr)
Nee, so einfach ist es nicht.
Schauen Sie mal, wie viele Punkte Deutschland aus der Schweiz bekommen hat, wo die "Deutschendichte" ja exorbitant hoch ist. Bei der Qualität der deutschen Lieder müsste man wohl zusätzlich mit Entzug der deutschen Staatsbürgerschaft drohen, damit das klappt... :)
.
Ansonsten ist die Idee nicht schlecht, nur auf die öffentliche Vorauswahl müsste man verzichten.
OnTheRoad (29.05.2009, 13:14 Uhr)
Es ist so einfach...
*Ironie an* mehr Deutsche nach Polen, in die Türkei, Russland, Ukraine, Weißrussland, Albanien, Rumänien usw. auswandern. Und dann fleißig für Deutschland voten. *Ironie aus*.
Wie gut oder schlecht
nun die Beiträge im einzelnen sind oder waren, bleibt mal dahin gestellt. Vielleicht sollte mal besser zukünftig jeder Kandidat auftreten, ohne dass dessen Titel oder Nationalität im Vorfeld bekannt gegeben wird.
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