In den 80ern gelangte der Wiener Falco mit Songs wie "Rock me Amadeus" zu Weltruhm. 75 Goldene Schallplatten, rund 40 Millionen verkaufte Alben, ein Leben mit Drogen und Exzessen. Falcos Traum vom Popstar aber war zerbrochen, noch bevor er vor zehn Jahren tragisch verunglückte. Von Marco Lauer, Wien

Der österreichische Popstar Falco während eines Auftritts 1997. Falco war 40, als er am 6. Februar 1998 ums Leben kam© Herbert Pfarrhofer/DPA-Bildfunk
Auf einmal ist er wieder da. Aufgetaucht aus der Versenkung. Es war still geworden um ihn, obwohl er mal ein Großer war, der größte Popstar, den Österreich je hatte. Sechzig Millionen verkaufte Platten und der Einzige, der je mit einem deutschsprachigen Lied an die Spitze der amerikanischen Charts kam. Aber Erfolg ist ein Stück Seife, kaum festzuhalten, auch nicht von ihm. 1998 ist er zurück in den Schlagzeilen, zwölf Jahre nach seinem Welthit. Doch die Meldung, die von ihm an jenem 6. Februar durch die Medien geht, ist keine gute: Falco ist tot.
Er starb in der Dominikanischen Republik, in die er sich zwei Jahre zuvor zurückgezogen hatte, um vor der negativen Presse in Österreich zu fliehen und Ruhe zu haben für ein neues Album, das ihm endlich zurückhelfen soll zu alten Höhen. Oder vielleicht auch nur vor der Stille, die dort um ihn entstanden war. Als er rückwärts mit seinem Mitsubishi-Jeep vom Parkplatz der "Turist Disco" in Monte Llano fährt, rammt ihn ein Autobus. Die Obduktion ergab, mutmaßlich, 1,5 Promille Alkohol im Blut und Spuren von Kokain. Ansonsten aber: ein ganz normaler Unfall. Kein großer Abgang. Ausgerechnet für ihn, dem Zeit seines Lebens nichts mehr verhasst war als Normalität.
Aber immerhin erinnern sich viele plötzlich wieder: stimmt, Falco. Rock me Amadeus, Jeanny, Der Kommissar. Noch dazu gelingt ihm postum, was ihm längst schon nicht mehr gelungen war: ein Hit. Die Single "Out of the dark", zwei Jahre vor seinem Tod geschrieben und zurückgehalten wegen mangelnder Erfolgsaussichten, schießt nach oben in den deutschen und österreichischen Charts. Vor allem des Textes wegen, der Gerüchte aufkommen ließ: Kein Weg zurück. Das weiße Licht rückt näher Stück für Stück. Will mich ergeben. Muss ich denn sterben, um zu leben?
Wien, 1971, Falco ist noch Hans Hölzel und 14 Jahre alt. Als er von seiner Lehrerin gefragt wird, ob er schon Vorstellungen habe von seiner beruflichen Zukunft, antwortet er: "Popstoar!" Es platzt förmlich aus ihm heraus, als ob er schon lange auf diese Frage gewartet hätte und seine Ambitionen nun endlich auch einem Publikum mitteilen kann. Auch wenn das vorerst nur aus der achten Klasse des Rainer-Gymnasiums besteht. Ganz in der Nähe, auch im kleinbürgerlichen fünften Wiener Bezirk, liegt die Wohnung der Hölzels, Ziegelofengasse 37. Dreißig Jahre später wird an deren Hauswand eine graue Gedenktafel auf den großen Sohn der Stadt hinweisen. 1971 ist das noch Traum.
Trotzdem glaubt Hans schon damals, dass für ihn mehr bereit steht als ein Schulabschluss, vielleicht ein Studium, danach ein Job für vierzig Jahre, konstant, ohne Hoch, ohne Tief. Und am Ende namenlos ins Gras beißen. Das Leben muss mehr hergeben für ihn. Vielleicht nimmt er es auch deshalb an, weil er zu Hause abgöttisch geliebt wird, und seine Mutter mit der Großmutter um die Zuneigung des Jungen buhlt. Um diesen Kerl mit den dunklen, eindringlichen Augen und dem schwarzen Haar. Es ist schon bei Hans Hölzel zu erkennen, was sein Biograf Peter Lanz "Falcos lebenslangen Widerstand gegen die Banalität" nennt.
Deshalb wohl war auch sein Wunsch so groß, berühmt zu werden. Bloß nicht zu versinken in der Masse. Aber der frühreife Junge setzt sich damit auch schon früh dem Druck aus, dass er seinen Ansprüchen nur gerecht werden kann, wenn er genau das schafft. Er will es mit der Musik schaffen. Klavier spielte er von Kindheit an (seine Lehrerin attestierte ihm ein absolutes Gehör), singen konnte er gut, und mit 14 beginnt er, Bassgitarre zu lernen.
Als er drei Jahre später immer noch in der Schule sitzt und also noch immer keine Bühne hat für sich und sein Talent, überkommt ihn das Gefühl, dass ihm die Zeit davonrennt. Er droht den Absprung aus der gefürchteten Bürgerlichkeit zu verpassen. Noch vor dem Abitur bricht er die Schule ab und beginnt seine Karriere, auch wenn der erste Schritt gemäßigt anmutet: Er geht auf das Wiener Konservatorium, um an seinem Spiel am Jazz-Bass zu feilen.
"Hoch wie nie" Auch nach seinem Tod schlägt Falco alle Rekorde: Anlässlich seines 50. Geburtstags am 19. Februar 2007 brachte die Plattenfirma Sony BMG das Best-of-Album "Hoch wie nie" heraus - es schoss von Null auf Platz eins der Austria Top 40 und erreichte in nur zwei Wochen Doppelplatin. Die Hit-Sammlung enthält 34 Lieder der österreichischen Musikikone, unter anderem "Jeanny", "Der Kommissar" und den nach seinem Tod veröffentlichten Song "Out of the dark". Ein Jahr später, pünktlich zu Falcos zehntem Todestag, erscheint nun eine Limited Edition des Doppelalbums - es ist Falcos achtes Nummer-eins-Album.