29. August 2003, 10:54 Uhr

"Ich bin nicht der Käpt'n Blaubär der deutschen Pop-Musik"

Anlässlich der Veröffentlichung ihres fünften Albums "Haiku Ambulanz" sprach stern.de-Mitarbeiterin Birgit Helms mit Nils Koppruch, dem Sänger der Gruppe Fink.

Fink-Sänger Nils Koppruch©

Mit Nils Koppruch, dem Sänger der Musikgruppe Fink, sprach Birgit Helms

Ende August kommt euer fünftes Album, "Haiku Ambulanz", in die Läden. Je öfter man es hört, desto treffender erscheint der Titel. Wie seid ihr darauf gekommen?

Eigentlich ist das relativ profan. Irgendwann hab ich Richard Brautigan entdeckt und dieses "Haiku Ambulanz" ist hängen geblieben. Eines der Charakteristika vom Haiku ist ja, dass es eine Momentaufnahme ist, aus der Zeit herausgenommen, die im Prinzip einen Mikrokosmos abbildet. Im Laufe der Zeit war einfach klar, dass das Album Haiku Ambulanz heißen muss, nicht nur inhaltlich, sondern auch, weil es ein toller Titel für eine Platte ist. Er lässt Raum für alle möglichen Assoziationen und ist keine Anleitung: Wir wollen auf nichts Bestimmtes hinweisen mit dieser Platte.

Ein Haiku steht ja auch für eine improvisierte Handlung mit vordergründiger Handlungskomik. Das ist tatsächlich sehr bezeichnend für das was dann kommt auf dem Album - wenn auch vielleicht nicht so bewusst gewählt: Immer wieder geht es um das Sich-im-Kreis-drehen, das Nicht-weiterkommen, das Hoffen, es nun doch geschafft zu haben...

...oder dass man hofft, einen Weg aus dem Hamsterrad heraus zu finden.

Ganz witzig in dem Zusammensatzung ist eure eigene Geschichte: Ihr habt als Duo gestartet, seid zum Quartett angewachsen, wieder aufs Duo geschrumpft, wart wieder ein Quartett. Jetzt seid ihr wieder ein Duo. Also auch ein Kreislauf, wenn auch nicht immer frei gewählt. Wie geht es weiter, wie sind eure Pläne?

Im Prinzip gibt es ja zwei Konzepte von Band. So wie wir es jetzt drei Jahre und vorher auch schon einmal gemacht haben: Da sind vier Leute, die basisdemokratisch die Entscheidungen treffen – so waren unsere Konstellationen bisher immer. Das setzt aber voraus, dass das Interesse von allen konstant gleich bleibt, sich miteinander auseinander zu setzen und dabei zu bleiben. Das ging immer über eine bestimmte Zeit gut. Es ist immer ein bisschen traurig, wenn man feststellt - wie in einer Beziehung -, dass man es nicht geschafft hat, sich über einen längeren Zeitraum hinaus zu inspirieren und zu befruchten. Aber andererseits liegt darin auch eine große Chance, weil ich keine Lust auf ein Band-Konzept habe, bei dem nur wichtig ist, dass man zusammen bleibt. Dann kann man auch eine Skat-Runde machen.

...wobei der Zeitpunkt von Hennings Ausstieg auch etwas ungünstig war, zum Ende der Platte hin...

...ja, aber es war schon klar: Bis Henning sich entgültig entschieden hat, hatte er sich schon weitgehend rausgezogen. Wir haben ja im März noch die Tour gemacht, aber man merkte schon ziemlich stark, dass Henning mit dem Kopf woanders war. Ich seh das jetzt als Chance, wieder etwas mit anderen Leuten zu probieren... Eine dauerhafte Dynamik mit vielen Leuten herzustellen, ist unglaublich schwer.

Das heißt, ihr macht jetzt erst einmal zu zweit weiter?

Ja, wir geben jetzt keine Anzeige auf, "Bandmitglieder gesucht". Wenn sich irgendwas Beständiges herauskristallisiert, passiert es sowieso.

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