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Ein widerwilliger Prominenter

Funny van Dannen ist kein Künstler wie jeder andere. Im stern.de-Interview spricht er über die Kunst, seinen wachsenden Bekanntheitsgrad und "Neues von Gott".

Sie waren auf Lesereise mit Ihrem Buch "Neues von Gott". Wie sind Sie auf diesen Titel gekommen?

Mir ist einfach nichts Besseres eingefallen.

"God sells", oder wie heißt die Strategie, die da hintersteckt?

Na ja, vielleicht. Aber wenn so ein richtiger Gottsucher das Buch kauft, könnte der womöglich enttäuscht sein (lacht).

Sind Sie denn selbst religiös?

Religion ist ein großer Begriff. Ich bin katholisch erzogen worden, kenne deshalb die ganzen biblischen Bilder und Namen und die biblische Geschichte. Das ist wichtig für meine Geschichten und nicht ob ich selbst religiös bin. Ich glaube jedenfalls nicht an Gott, das Buch ist also nicht aus der "Fan-Perspektive" geschrieben.

Sie sind künstlerisch sehr vielfältig, sind Liedermacher, Autor und auch Maler. Wie teilen Sie sich Ihre Arbeit ein?

Ganz pragmatisch. Habe ich genug Lieder zusammen, kommen die auf eine CD, sind genug Bilder beieinander, mache ich eine Ausstellung. Bei meinen Geschichten läuft es genauso. Die Geschichten aus "Neues von Gott" sind innerhalb der letzten fünf, sechs Jahre entstanden. Ein relativ langer Zeitraum für meine Verhältnisse. Die ganzen alten Geschichten wollte das Stadtmagazin damals einfach nicht veröffentlichen.

Ihre größten Erfolge feiern Sie als Liedermacher. Ließen sich die Kurzgeschichten nicht auch vertonen?

Ist auch schon vorgekommen, aber eher selten. Meistens weiß ich schon vorher, ob eine Geschichte oder ein Lied draus wird. Die Musik steckt ja bereits in den Worten, sodass schnell klar ist, ob das Ganze singbar ist. Aber auch nicht immer: Im Frühjahr habe ich einige Lieder geschrieben, die auch Lieder geworden sind. Singbar sind die trotzdem nicht.

Gibt es einen speziellen Weg, wie Sie Ihre oft sehr schrägen Ideen entwickeln?

Es gibt keinen Weg, entweder mir fällt etwas ein oder eben nicht. Einfälle kann man bei den ganz alltäglichen Dingen haben, auf der Stra?e, beim Kochen. Natürlich setze ich mich auch hin und denke gezielt darüber nach, aber ein spezielles Konzept gibt es nicht.

Sie schreiben häufig über die kleinen Dinge im Leben, achten Sie im Alltag viel auf Details?

Überhaupt nicht, ich bin nicht der stiller Beobachter, der immer alles analysiert. Selbstverständlich bin ich schon sehr wachsam, etwa wenn ein gefährlicher Mensch auftaucht. Den habe ich dann genau im Blick. Gefährliche Tiere natürlich auch. Aber wenn alles friedlich ist, dann lasse ich die Dinge lieber auf mich wirken, nehme alles eher gefühlsmäßig wahr.

Ist es gerade dieser emotionale Aspekt, der den Menschen an Ihren Liedern gefällt?

Ja, wäre schön, wenn es das wäre. Bei mir spielen Emotionen eine sehr große Rolle. Vor allem kommt es mir aber auf die Kombination von Gefühl und Verstand an.

Sie schreiben Texte für die Toten Hosen?

Nicht direkt für die Toten Hosen, ich schreibe mein Zeug erst mal für mich. Dann setze ich mich mit Campino und den anderen zusammen, und wir schauen dann einfach, welche Lieder die Hosen spielen könnten. Direkt für Leute schreiben könnte ich nicht. Ich bin viel zu eigen, als dass ich für andere Leute etwas machen könnte. Wenn ich 20 Songs habe, dann passen höchstens zwei davon für die Hosen. Die haben ja einen ganz anderen Musikstil. Nehmen wir einmal einen Song wie das "Bayernlied". Das hatte bei mir einen viel versöhnlicheren Charakter, bei den Hosen kam das gleich viel aggressiver rüber.

Sie sind in der letzten Zeit häufiger mal im Fernsehen zu sehen gewesen. Wie lebt es sich denn so als Prominenter?

Na ja, ich bin ein eher widerwilliger Prominenter. Die paar Fernsehauftritte kamen so zustande, dass ich mit meiner Verlegerin gewettet hatte, dass die nichts bewirken würden. Ich sehe meine Sachen eher als Außenseitergeschichten an, sodass es egal ist, ob eine größere Öffentlichkeit davon weiß. Aber sie hat die Wette gewonnen, niemals hätte ich mir träumen lassen, mal über 10.000 Bücher zu verkaufen. Ich werde das aber auch nicht zu häufig machen. Prominent sein, ist nichts für mich. Da wird man dann von allen Leuten erkannt und angesprochen, und mal ehrlich: Wer braucht das schon?

Da unterscheiden Sie sich aber von vielen anderen echten und sogenannten Stars.

Ach, das ist einfach nur eine Frage, wie man seine Arbeit auffasst. Für mich ist Arbeit die Kunst, das Malen, das Schreiben. Ich will in erster Linie an der Arbeit dranbleiben. Wenn ich ein Lied mache und es aufgenommen habe, dann reicht mir das meistens schon. Für mich ist die eigentliche Arbeit dann gegessen. Und wenn ich denke, ich hätte ein Klasse-Bild gemalt, dann setze ich mich vor die Leinwand, rauche vier Zigaretten, trinke etwas. Das ist fantastisch! Der Gang in die Medien ist für mich eher ein lästiges Beiwerk. Aber wenn ich meine Kunst nur so verkaufen kann, dann muss ich es halt machen.

Sie beschreiben in einer Ihrer Geschichten einen Mann, der plötzlich von einem Tag auf den anderen Bundeskanzler wird. Was könnten wir von einem Kanzler Funny van Dannen erwarten?

Hm, vermutlich würde ich grundlegende Reformen einleiten(lacht). Von größeren Firmen mehr Steuern eintreiben, aber schwups, die wären dann ganz schnell weg. Und als Bundeskanzler wäre ich dann ganz schnell weg vom Fenster.

Sie haben ein eher distanziertes Verhältnis zur Ausübung von Macht?

Ja, absolut, ich bin kein Machtmensch. Das ist mir völlig fremd. Ich verachte die Macht aber nicht, wenn Leute Macht sinnvoll einsetzen können, ist das eine gute Sache. Es gibt ja Leute, die haben persönliche Macht, im Sinne von Autorität. Wenn die die gut einsetzen können, ist das doch prima. Ich bin da eher ein zurückhaltenderer Mensch.

Sind Sie in Ihren Liedern politischer geworden als früher?

Nein, das glaube ich nicht. Nur weil ich auf meinem letzten Album eine Übernachtung mit Guido Westerwelle und Angela Merkel besinge und einen Tango mit Roland Koch tanze? Nein, das war eher Spaß, ich hatte mir nur überlegt, was man gegen den elenden Guido Westerwelle machen könnte. Auf meinem ersten Album war ja schon ein Song wie "Gutes tun" drauf. Da zeige ich mich mit Empfehlungen wie "Keine japanischen Autos mehr kaufen" oder "Den Islam näher kennen lernen" ja durchaus visionär. Diese Probleme sind ja heute aktueller denn je.

Von Björn Erichsen
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