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Chicuelo - Mezquida: Ein Jazz-Flamenco-Feuerwerk

Berlin - Es könnte sehr einfach sein, ein solches Projekt in den kitschtriefenden Fusion-Sand zu setzen. Wenn Flamenco-Gitarre und Jazz-Piano zusammentreffen, ist neben viel Können auch guter Geschmack vonnöten. Wie bei Chicuelo - Mezquida.

Chicuelo - Mezquida

Ungewöhnliche musikalische Annäherung: Juan Gómez «Chicuelo» (l) und Marco Mezquida. Foto:  Carlos Moreno

Es könnte sehr einfach sein, ein solches Projekt in den kitschtriefenden Fusion-Sand zu setzen. Wenn Flamenco-Gitarre und -Piano zusammentreffen, ist neben viel Können auch guter Geschmack vonnöten. Wie bei Chicuelo - Mezquida.

Auf «Conexión» (Taller de Músics/Galileo) vermeiden es die beiden Spanier, bei aller Schönheit ihrer Melodien in die Klischeefalle zu tappen. Diese Stücke sind also kein biederer Soundtrack für Strandurlauber oder Tavernengäste. Sondern ein sehr eigenständiger Beitrag zur Vermählung von Flamenco-Feuer, dezenten Klassik-Elementen und Jazz-Improvisation, von tiefer Melancholie und sprühendem Temperament.

Das Ende 2016 in Barcelona zusammen mit dem Percussionisten Paco de Mode eingespielte Album stellt mal die mitreißenden Gitarrenklänge von Juan Gómez «Chicuelo» in den Mittelpunkt, dann die perlend-swingenden Klavierläufe von Marco Mezquida - aber am Ende finden beide stets zu einer formidablen Einheit zusammen. Der neunminütige Titelsong etwa entwickelt sich aus einem balladesk-wehmütigen Thema zu einer Raserei beider Instrumente, wie man das in dieser Virtuosität selten zu hören bekommt.

Mögen diese Musiker hierzulande noch eher unbekannt sein - in ihrer Heimat gehören sie zu den bewährten Größen der jeweiligen Zunft. «Chicuelo» gilt als einer der aufgeschlossensten Gitarristen der aktuellen Flamenco-Szene, 2013 erhielt er für einen Filmsong den spanischen Oscar, einen Goya-Preis. Und der 1987 auf Menorca geborene Mezquida wurde zwischen 2011 und 2013 vom Jazz-Verband Kataloniens als «Musiker des Jahres» geehrt.

Wie sich diese Hochkaräter hier mit Erfolg um eine Verbindung zweier nicht einfach zu fusionierenden Stile bemühen, das verdient höchsten Respekt. Eines der Jazz-Folklore-Highlights des Jahres!

Konzerte im September: 22.09. Darmstadt - Centralstation, 23.09. Köln - Philharmonie

dpa
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