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"Nimm kein Koks, und crem' dich ein"

Beth Ditto und ihre Band Gossip haben das Aussehen, den Sound und das Gefühl von Pop verändert. Im Interview mit stern.de geht es um Lagerfelds Fächer, Aliens und das reine Überleben.

Von Sophie Albers

Warum sieht das Cover so gruselig aus?
Beth: Ich finde das gar nicht so gruselig.
Hanna: Wir wollten, dass das Label ausflippt. Und es hat geklappt!
Beth: Das Label meinte, "Wir wollen ein nettes Bild von euch als Band. Und ich dachte: "Kriegt ihr!"
Hannah: Mit Echsenaugen!

Das sind also Echsenaugen?
Beth: Teufelsaugen - weil es einfach lustig ist! Ursprünglich sollte es auch meine Hand mit fies abgebrochenen Nägeln sein. Aber dann mussten wir einen Kompromiss machen.

Wieviele Kompromisse muss Gossip mittlerweile eingehen?
Hannah: Wir sagen dauernd nein. Wir sind so stur!
Beth: Wir hätten das Album "Career Suicide" nennen sollen, das Label wäre durchgedreht! (kugelt vor Lachen fast vom Sofa)

Das Album heißt "Joyful noise" (fröhlicher Lärm), aber Sie haben es als traurig beschrieben. Wie geht das zusammen?
Hannah: Ich mag Musik, zu der du tanzen kannst, die dir aber zur gleichen Zeit das Herz bricht.
Beth: Ich mag traurige Songs.

Es heißt, dass man nur wirklich kreativ sein kann, wenn man traurig ist.
Beth: PMS (Prämenstruelles Syndrom) ist eine großartige Zeit, um Songs zu schreiben.

Wieviele PMS-Songs sind auf dem Album?
Beth: Mindestens die Hälfte.

Leiden Sie sehr unter den Mädchen und ihre Launen, Brace?
Brace: Ja, es ist schrecklich.
Beth: Männer haben doch auch Tage!
Hannah: Das kann ich bezeugen.

Hat jeder Mensch das Recht darauf, glücklich zu sein?
Beth: Ich hoffe es.
Hannah: Ja.
Beth: Ich glaube, es ist eine Entscheidung, die man trifft. Es gibt diesen Spruch: Wenn du am Morgen aufwachst, hast du die Wahl, ob der Tag ein guter oder ein schlechter Tag wird. Ich glaube, dass man das zum Teil kontrollieren kann. Es ist ein Kampf, glücklich zu sein. Aber einer, der es wert ist.

Wie hart war es, das Album nach dem großen Erfolg zu schreiben?
Beth: Es war nicht so schlimm. Wenn wir morgen keinen Erfolg mehr hätten, würden wir trotzdem Musik machen. Wir haben sowieso mehr erreicht, als wir je erwartet haben. Natürlich hoffst du, dass die Leute deine Musik mögen, aber mehr kannst du nicht tun. Stell dir selbst keine Falle, sonst machst du kein Album von Herzen, sondern eines aus Angst.

Entschuldigung, aber sagt das nicht jeder? Der Druck ist doch einfach da.
Hannah: Wir denken da wirklich nicht drüber nach.
Beth: Natürlich ist es Unsinn zu sagen, dass man die Platten noch ganz genauso macht wie ganz am Anfang. Aber du bist immer noch der gleiche Mensch, und du schaffst die gleiche Atmosphäre. Du willst etwas machen, mit dem du leben kannst. Ich denke, das ist der Unterschied zwischen einem kommerziellen Künstler und einem Künstler. Ich mache einfach Songs, die ich mag und mit denen ich leben kann. Wenn es gut läuft, sparst du das Geld. Ich habe immer Geld für die Kosmetikschule gespart.

Kosmetikschule?
Beth: Ich habe immer darüber nachgedacht, welchen Job ich hinterher haben würde.
Brace: Ich werde Farmer.
Hanna: Und ich Innenarchitektin.

Was ist am Hype das Beste?
Beth: Dass du ihn nicht glaubst?! Gratis-Klamotten sind cool.

Wie wichtig ist Karl Lagerfeld?
Beth: Er hat mir genau zwei Outfits gegeben. Um das mal klarzustellen. Aber er hat mir wirklich Türen geöffnet. Es war cool, ihn zu treffen.
Brace: Karlsi.
Hannah: Karlsiboy.

Haben Sie etwas von ihm gelernt?
Beth: Die Presse macht da mehr Freundschaft draus, als es tatsächlich ist. Ich fand ihn schon immer cool, allerdings mochte ich ihn am liebsten, als er dicker war und mit diesem Fächer rumgelaufen ist.
Hannah: Ich habe mich mal Halloween als Lagerfeld verkleidet. Und meine Freundin war Donatella Versace. Da kam ein anderer Typ, der auch als Lagerfeld verkleidet war, und wir haben einen Fächerkampf gemacht!
Beth: Warum hat er den Fächer eigentlich nicht mehr, seit er nicht mehr dick ist? Ich will Lagerfelds Fächersammlung haben!

Nervt Sie die ganze Dick-Diskussion eigentlich manchmal, Frau Ditto?
Beth: Nein, denn das ist eine gute Diskussion!

Was sagen Sie zu Leuten, die prophezeien, dass der Erfolg auch Sie dünn machen wird?
Beth: Die werden sich wundern! Ich habe kein Verlangen danach, dünn zu sein. Wenn ich abnehmen sollte, dann nur weil ich krank wäre. Ist es nicht interessant, dass all die Künstler, die total abnehmen, plötzluch weg vom Fenster sind? Weil es nur noch darum geht, dass sie dünn sind, nicht mehr um ihre Kunst.

Haben Sie vor irgendetwas Angst?
Beth: Dunkelheit.
Hannah: Aliens.
Brace: Ich hab auch Angst vor Aliens.
Beth: Du lebst auf ner Farm! Die greifen nur große Städte an.

Wie überlebt man im Popgeschäft?
Beth: Der besten Rat, den ich je bekommen habe, kam vom ehemaligen Manager von Cindy Lauper: "Nimm kein Koks, und crem' dich immer gut ein."

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