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18. Mai 2009, 07:57 Uhr

Alexander Rybak hat das Zeug zum Superstar

Wie feiert ein norwegischer Grand-Prix-Sieger? Mit Blasmusik, Lachshäppchen und Apfelsaft. Auch das unterscheidet Alexander Rybak vom arroganten Vorjahressieger Dima Bilan. Vor allem aber die Tatsache, dass er es auch in Deutschland zum Superstar bringen könnte. Von Jens Maier, Moskau

Eurovision Song Contest, Grand Prix, Rybak, Norwegen, Moskau

Triumphale Rückkehr: Fans umringen Grand-Prix-Sieger Alexander Rybak auf dem Flughafen von Oslo© Stian Lysberg Solum/AFP

Eigentlich wollten sie am Sonntag in ihrer Botschaft in Moskau nur ihren Nationalfeiertag begehen. Doch die Norweger hatten einen Grund mehr zu feiern - und der heißt Alexander Rybak. Der 23-Jährige hat am Tag zuvor mit einem Rekordergebnis von 387 Punkten den Eurovision Song Contest gewonnen. Statt triumphaler Siegesparty glich der Empfang allerdings eher einem Familienfest. Eine Blaskapelle spielte auf, dazu wurden Lachshäppchen und Apfelsaft gereicht und irgendwo dazwischen war er, immer von einem Pulk von Menschen umringt. Bereitwillig kam Alexander Rybak jedem Autogrammwunsch nach, schüttelte hier Hände, gab dort ein kurzes Interview und posierte mit Fans für ein Erinnerungsfoto - ein Superstar zum Anfassen. Von Größenwahn keine Spur, obwohl er allen Grund dazu hätte.

Schließlich gebührt der Erfolg allein ihm. Seinen Siegersong "Fairytale" hat er selbst komponiert, den Text selbst geschrieben und ihn auch noch selbst auf der Geige begleitet. Dafür hagelte es Höchstwertungen aus ganz Europa - von Spanien bis Weißrussland. Sechzehn Mal erhielt er zwölf Punkte, lag von der ersten bis zur letzten Wertung in Führung. Vom Gerede, er sei ein Wunderkind, wollte er trotzdem nichts wissen. "Ich bin nur ein Musiker, der Glück hatte, solch tolle Eltern zu haben", sagte er bescheiden zu stern.de.

In Norwegen längst eine Berühmtheit

Geboren wurde Rybak in Weißrussland. Im Alter von vier Jahren wanderte er mit seinen Eltern nach Norwegen aus. Die Liebe zur Musik war ihm in die Wiege gelegt worden. Sein Vater ist Violinist, seine Mutter eine bekannte Pianistin. Sie sorgten dafür, dass er bereits im Alter von fünf Jahren Klavierunterricht erhielt. Bekannt wurde er durch die norwegische Variante von "Deutschland sucht den Superstar". Da belegte er zwar nur den zweiten Platz, das hinderte ihn aber nicht daran, in seiner neuen Heimat so bekannt zu werden wie Wencke Myhre, die in den 60er- und 70er-Jahren auch in Deutschland eine große Karriere machte.

Statt auf "dicke Hose" zu machen, genießt er seinen Erfolg - ganz norwegisch - im Stillen. "Ich habe mit meinen Eltern gefeiert und bin dann ins Bett gegangen", beschrieb er stern.de den Abend, der wohl der bisher wichtigste seines Lebens war. Dass er sich nach seinem Sieg nicht mehr auf der Aftershow-Party am Kreml hat blicken lassen, haben ihm die Grand-Prix-Fans zwar ein bisschen übel genommen, trotzdem lieben ihn alle. Wohl auch deshalb, weil Vorjahressieger Dima Bilan genau das Gegenteil verkörperte: arrogant, großkotzig, größenwahnsinnig.

Chance auf eine Weltkarriere?

Dessen große Pläne in Deutschland Fuß zu fassen, sind Geschichte. Von Dima Bilan will hierzulande niemand etwas wissen. Das könnte bei Alexander Rybak schon bald anders sein. Beim deutschen Online-Händler "Amazon.de" war seine Single am Sonntag bereits ausverkauft und nur mit Lieferzeit zu haben, in den Musikdownload-Charts von "iTunes" überholte er sogar Lady Gaga und steht derzeit auf Platz 2. Seit langem könnte Rybak damit wieder der erste Eurovisions-Sieger sein, dem eine Weltkarriere bevorsteht. Das hatte zuletzt die damals noch unbekannte Celine Dion 1988 mit ihrem Sieg für die Schweiz geschafft. Heute ist sie mit 250 Millionen verkauften Platten eine der erfolgreichsten Popsängerinnen weltweit.

Seine Landsleute glauben jedenfalls an ihn. Zum Dank stimmte er am Flügel seinen Siegertitel an. Und selbst ohne Tanzeinlagen, Geige und Orchester waren die Zuhörer hin und weg. Zum Dank durfte er sich danach mit einem Stück Torte in ein Nebenzimmer zurückziehen - wenigstens für ein paar Minuten.

Von Jens Maier, Moskau
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
Louyi (20.05.2009, 00:35 Uhr)
jedes Jahr ein neuer Superstar?
Wann ist man als Musiker bzw. als Künstler eigentlich ein Superstar?
War es in den Medien derjenige Gewinner des ESC vom letztem Jahr nicht auch schon ? Ich höre viel Musik, alle Stilrichtungen und Interpreten - mir ist er als Europäer nie mehr aufgefallen?
Und so geht es doch schon seit Jahren -ob mit oder ohne Favoritenbonus - Punkte Hine und Her Geschachere. Heute bist Du bereits Superstar -(siehe DSDS) wenn Du als gecasteter Nachwuchssänger nicht gerade von der Bühne fallst. (Reine Selbstinszenierung!). Die richtigen Superstars der Musikszene(sind irgendwo anders)- nicht beim jährlichen Harakiri Deutscher Eitelkeiten das nicht funktioniert.
Lasst Norwegens neuer "Superstar"
singen und fideln wie er will. In 5 Jahren wird es sich zeigen ob es sich ausgezahlt hat- oder andere mit ihm nur Geld verdient haben.(D.Bohlen würde es genauso machen -
in diesem Sinne "Marecito" Medlock Superstar - Madonna,Timberlake,Eminem und Co. lässt grüssen.
loisl (18.05.2009, 16:25 Uhr)
The Show must go on?
Oder was ist der Grund dafür, dass mein messerscharf formulierter Beitrag gelöscht wurde?
freakshow (18.05.2009, 12:56 Uhr)
@Reiner.Unsinn
Wie jetzt? Nur um nicht alleine dazustehen sollte ich lieber meine Meinung ändern? Verstehe gar nicht, dass Sie das so stört was ich hier schreibe. Ich dachte es gäbe hier noch sowas wie Meinungsfreiheit. Oder irre ich?
Außerdem bin ich hier nicht alleine mit meiner Meinung.
Mal ein bisschen genauer nachlesen.
Tom3 (18.05.2009, 12:49 Uhr)
...um was genau gehts dabei...
...wenn ganz Europa einmal im Jahr den kleinsten gemeinsamen Nenner im musikalischen Sinne sucht?
Wieso sollte das irgend jemanden, der Musikgeschmack hat überhaupt interessieren?
Reiner.Unsinn (18.05.2009, 12:22 Uhr)
@freakshow
Soweit ich weiß, sind Meinungen immer subjektiv. Und wenn man mit seiner Meinung ziemlich alleine dasteht (Bubi!?...kann nicht singen etc.) und sich auch sonst recht abfällig äußert, läßt dies sehr wohl einige Rückschlüsse zu.
Aber wenn Sie meinen, Sie sind weder neidisch, noch mißgünstig - meinetwengen!
faustjucken_de (18.05.2009, 12:20 Uhr)
Superstar?
Klar, hat der das Zeug zum Superstar. Genau wie dieser... na, Dings, wie hieß der nochmal, der mit dem Bohlen, ach Mist, komme gerade nicht auf den Namen.. aber genau so, MINDESTENS, jawollsky
kldrkur (18.05.2009, 11:51 Uhr)
Nur peinlich?
War das für Deutschland eigentlich nur peinlich oder sollten wir bewußt verarscht werden? Vertreter Deutschlands ein Schwuler, eine Stripperin und ein Ferkelbarde!!
shine (18.05.2009, 11:49 Uhr)
Re: Clamaria
Also das mit "Türkei jedes Jahr 12 Punkte" ist ja wohl falsch. Dieses jahr waren es nur 10 und die Jahre davor auch nicht IMMER 12 !! Und ob eine Jury anders bzw. "besser" urteilen würde sieht man an der Auswahl der NDR-Jury für den deutsche Beitrag...
Silbador (18.05.2009, 11:40 Uhr)
Super
dieses Vorhängsel an andere Begriffe kann ich so langsam nicht mehr ab.
Man wird nicht zum Supermodel oder Superstar gemacht - man wird es oder nicht.
Vorher muss aber erst einmal ein Model oder ein Star sein.
Hirnlose Zeit der Mega- Super- Hyper- Ultra- Gigantomanien.
Hadschi (18.05.2009, 11:15 Uhr)
Wir wollen unseren Ralph Siegel wiederhaben
Waren das noch Zeiten, als Deutschland noch Chancen beim ESC hatte. Da ging es noch um Musik und nicht um irgendwelche Titten. (Davon mal abgesehen finde ich es sowieso merkwürdig, wenn ein Schwuler mit einer Stripperin singt und das auch noch im homophoben Russland.)
Dem Bericht kann man getrost, nach langer Zeit mal wieder, als vollkommen geglückt bezeichnen.
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