Wie feiert ein norwegischer Grand-Prix-Sieger? Mit Blasmusik, Lachshäppchen und Apfelsaft. Auch das unterscheidet Alexander Rybak vom arroganten Vorjahressieger Dima Bilan. Vor allem aber die Tatsache, dass er es auch in Deutschland zum Superstar bringen könnte. Von Jens Maier, Moskau

Triumphale Rückkehr: Fans umringen Grand-Prix-Sieger Alexander Rybak auf dem Flughafen von Oslo© Stian Lysberg Solum/AFP
Eigentlich wollten sie am Sonntag in ihrer Botschaft in Moskau nur ihren Nationalfeiertag begehen. Doch die Norweger hatten einen Grund mehr zu feiern - und der heißt Alexander Rybak. Der 23-Jährige hat am Tag zuvor mit einem Rekordergebnis von 387 Punkten den Eurovision Song Contest gewonnen. Statt triumphaler Siegesparty glich der Empfang allerdings eher einem Familienfest. Eine Blaskapelle spielte auf, dazu wurden Lachshäppchen und Apfelsaft gereicht und irgendwo dazwischen war er, immer von einem Pulk von Menschen umringt. Bereitwillig kam Alexander Rybak jedem Autogrammwunsch nach, schüttelte hier Hände, gab dort ein kurzes Interview und posierte mit Fans für ein Erinnerungsfoto - ein Superstar zum Anfassen. Von Größenwahn keine Spur, obwohl er allen Grund dazu hätte.
Schließlich gebührt der Erfolg allein ihm. Seinen Siegersong "Fairytale" hat er selbst komponiert, den Text selbst geschrieben und ihn auch noch selbst auf der Geige begleitet. Dafür hagelte es Höchstwertungen aus ganz Europa - von Spanien bis Weißrussland. Sechzehn Mal erhielt er zwölf Punkte, lag von der ersten bis zur letzten Wertung in Führung. Vom Gerede, er sei ein Wunderkind, wollte er trotzdem nichts wissen. "Ich bin nur ein Musiker, der Glück hatte, solch tolle Eltern zu haben", sagte er bescheiden zu stern.de.
Geboren wurde Rybak in Weißrussland. Im Alter von vier Jahren wanderte er mit seinen Eltern nach Norwegen aus. Die Liebe zur Musik war ihm in die Wiege gelegt worden. Sein Vater ist Violinist, seine Mutter eine bekannte Pianistin. Sie sorgten dafür, dass er bereits im Alter von fünf Jahren Klavierunterricht erhielt. Bekannt wurde er durch die norwegische Variante von "Deutschland sucht den Superstar". Da belegte er zwar nur den zweiten Platz, das hinderte ihn aber nicht daran, in seiner neuen Heimat so bekannt zu werden wie Wencke Myhre, die in den 60er- und 70er-Jahren auch in Deutschland eine große Karriere machte.
Statt auf "dicke Hose" zu machen, genießt er seinen Erfolg - ganz norwegisch - im Stillen. "Ich habe mit meinen Eltern gefeiert und bin dann ins Bett gegangen", beschrieb er stern.de den Abend, der wohl der bisher wichtigste seines Lebens war. Dass er sich nach seinem Sieg nicht mehr auf der Aftershow-Party am Kreml hat blicken lassen, haben ihm die Grand-Prix-Fans zwar ein bisschen übel genommen, trotzdem lieben ihn alle. Wohl auch deshalb, weil Vorjahressieger Dima Bilan genau das Gegenteil verkörperte: arrogant, großkotzig, größenwahnsinnig.
Dessen große Pläne in Deutschland Fuß zu fassen, sind Geschichte. Von Dima Bilan will hierzulande niemand etwas wissen. Das könnte bei Alexander Rybak schon bald anders sein. Beim deutschen Online-Händler "Amazon.de" war seine Single am Sonntag bereits ausverkauft und nur mit Lieferzeit zu haben, in den Musikdownload-Charts von "iTunes" überholte er sogar Lady Gaga und steht derzeit auf Platz 2. Seit langem könnte Rybak damit wieder der erste Eurovisions-Sieger sein, dem eine Weltkarriere bevorsteht. Das hatte zuletzt die damals noch unbekannte Celine Dion 1988 mit ihrem Sieg für die Schweiz geschafft. Heute ist sie mit 250 Millionen verkauften Platten eine der erfolgreichsten Popsängerinnen weltweit.
Seine Landsleute glauben jedenfalls an ihn. Zum Dank stimmte er am Flügel seinen Siegertitel an. Und selbst ohne Tanzeinlagen, Geige und Orchester waren die Zuhörer hin und weg. Zum Dank durfte er sich danach mit einem Stück Torte in ein Nebenzimmer zurückziehen - wenigstens für ein paar Minuten.