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2. März 2007, 17:25 Uhr

"Super-Herbert" jetzt im Dutzend

Es war keine Liebe auf den ersten Blick zwischen ihm und den Deutschen. Heute ist der Mann, dessen zwölftes Album nun erschienen ist, unser aller Super-Herbert. Wie konnte das geschehen? Von Oliver Fuchs

Grönemeyer hat wieder ein neues Album am Start, auf "12" beschäftigt er sich mit unserer Erde und dem Glauben© Oliver Berg/DPA

Niemand singt wie er. Na ja, was heißt hier singen? Eigentlich ruft er mehr. Wenn seine neue Single im Radio läuft, verstummen Gespräche. Eben hat sich der Freund beim Mittagessen noch stolz über das Neugeborene ausgelassen, hat Größe, Gewicht und Verdauungstätigkeit des Babys erörtert. Doch plötzlich dreht er sich mitten im Satz weg, in Richtung Radio. Kein Zweifel, da ist er wieder: Herbert Grönemeyer. Diese Stimme - umweht von den Klängen einer grandios schmalzigen Ballade - erkennt man sofort, dieses Pressen und Grollen und Flehen. Die Stimme brüllt: "Ein Stück vom Himmel/Ein Platz von Gott" und "Hier ist dein Heim/Dies ist dein Ziel/Du bist ein Unikat". Echte Grönemeyer-Lyrik eben. Was sie meint, ist: Du bist nicht allein. Ich versteh dich. Alles wird gut.

Das ist die Botschaft. Eine Botschaft, nach der sich das Land von Album zu Album stärker sehnt. Grönemeyers neue CD "12" wird, da muss man kein Prophet sein, wie selbstverständlich an die Spitze der Charts stürmen, seine Tournee wird ein Triumphzug sein. Die Erwartungen sind immens: Mit "Mensch" sang, litt und trauerte sich Herbert Grönemeyer vor fünf Jahren endgültig zum Nationalsänger der Deutschen, der immer da ist, wenn irgendwo jemand Trost, Beistand, Geborgenheit braucht. Seit "Mensch" glaubte jeder, diesen Mann persönlich zu kennen, so intim, verletzlich und offen sang Grönemeyer über sich und sein Leben.

Es war die Zeit der großen Elbe-Flut. Im Osten Deutschlands kämpften die Menschen grimmig bis verzweifelt mit den Wassermassen und sich selbst. Und zu den Bildern der TV-Sondersendungen lief Grönemeyer: "Und der Mensch heißt Mensch", sang er, "weil er erinnert, weil er kämpft/Und weil er hofft und liebt/Weil er mitfühlt und vergibt". Es war vollkommen egal, dass Grönemeyer sich selbst meinte und nicht die Flutopfer. Die Menschen fühlten sich verstanden - und liebten ihn. Endlich. Denn zwischen den Deutschen und Herbert Grönemeyer gab es keine Liebe auf den ersten Blick. Grönemeyer kennt den Misserfolg, die Demütigungen und Rückschläge. Den Spott. Außer Herbert Grönemeyer hat an Herbert Grönemeyer jahrelang niemand geglaubt.

Als Kind sitzt er gern allein im Dunkeln, spielt Klavier und singt. Einzige Zuhörerin ist seine Großmutter, die ihm zuruft: "Wenn du weiter so brüllst, hast du mit 14 keine Stimme mehr." Mit Anfang 20 ist er immer noch gut bei Stimme, er bekommt sogar einen Plattenvertrag, aber der Zuhörerkreis wächst kaum. Er muss froh sein, wenn an manchen Abenden zwölf Leute kommen. Das Publikum reagiert oft noch unfreundlicher als die Oma. Einmal spielt er am Kölner Tanzbrunnen, und nach drei oder vier Takten schreit jemand: "Geh nach Hause, du schwule Sau!" Er wird ohne Unterbrechung ausgepfiffen, mitten im Konzert klaut man ihm die Pedale vom Klavier.

Wenn einer Popstar werden will, Ende der 1970er, und Herbert heißt und aus Bochum kommt, hat er es nicht leicht. Noch dazu, wenn er aussieht wie eine Mischung aus Klaus Kinski, Oskar Matzerath und dem Jungen auf der Brandt-Zwieback-Packung. Rührend blass, rührend unbeholfen. Und dann dieser merkwürdige Scheitel im strähnigen Haar, das immer wirkt, als müsste es dringend mal gewaschen werden. Stars schauen anders aus.

Das Erste ein Flop, das Dritte ein Desaster

Das erste Album wird 1979 ein Flop. Das zweite ein Fiasko. Und das dritte ein Desaster. Kommerziell gesehen. Seine Plattenfirma legt ihm einen Namenswechsel nahe, favorisiert werden "Glamour Green" und "Herbie Green". Lächerlich. Grönemeyer lässt nicht mit sich reden, so wie er überhaupt erstaunlich selbstbewusst auftritt. Er fordert seine Musikerkollegen auf, die ZDF-Hitparade zu boykottieren. Die Reaktion: Wer ist der denn? Der wird doch sowieso nicht eingeladen.

Mit "Das Boot" gelingt Durchbruch als Schauspieler

In der Schauspielerei läuft es besser. Grönemeyer wird vom großen Peter Zadek in seine Theaterrebellen-Einheit aufgenommen und spielt 1981 in Wolfgang Petersens Kinohit "Das Boot" einen empfindsamen Leutnant. Was aber nichts daran ändert, dass er auch mit seinem nächsten Album scheitert. Vier Millionen Menschen sehen "Das Boot", aber Grönemeyers Musik will noch immer keiner hören. Plattenfirmen haben Anfang der 1980er Jahre noch viel Geduld mit ihren Künstlern und sind bereit, in schwierige Fälle jahrelange Aufbauarbeit zu investieren. Die Nennung des Namens Grönemeyer jedoch löst abteilungsübergreifendes Haareraufen aus. Aus dir wird nichts, bescheinigt man ihm, vergiss es. Kündigung.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 09/2007

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