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23. Mai 2010, 09:25 Uhr

Nicht zu sexy, nicht zu bieder

Sie ist in Oslo angekommen und stand am Samstagabend zum ersten Mal auf der Bühne: Lena Meyer-Landrut. Schon die Proben zum Eurovision Song Contest könnten zeigen, ob sie ihrer Favoritenrolle gerecht wird - oder ob es wieder heißt: "Germany, Zero Points". Von Jens Maier, Oslo

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Bei ihrer ersten Probe auf der Bühne des Eurovision Song Contest legt Lena Meyer-Landrut sich ins Zeug© Alain Douit/DDP

Sie lümmelt in den Pausen auf dem Boden der Osloer Eurovisionsbühne herum, als würde sie zu Hause vorm Fernseher liegen. Keine Spur von Angst vor der mächtigen Halle, die am 29. Mai mit 18.000 Zuschauern gefüllt sein wird, ist ihr anzumerken. Unbekümmert wie immer wirkt sie. So erfrischend wie der Regen, der am Samstagabend die schwüle Frühlingsluft abgekühlt hat. Es war Lena Meyer-Landruts erster Tag auf der Grand-Prix-Bühne. Die gute Nachricht gleich vorweg: Sie wird uns auf keinen Fall blamieren. Aber wird das Gezeigte für mehr reichen?

Während die Teilnehmer der beiden Semifinals schon seit über einer Woche proben, ist Lena erst am Freitag in der norwegischen Hauptstadt angekommen. Zusammen mit den anderen vier bereits fürs Finale qualifizierten Kandidaten aus Frankreich, Großbritannien, Spanien und Norwegen standen am Samstagnachmittag die ersten Proben für die deutsche Teilnehmerin an. Das Programm: eine Tonprobe, vier Bühnenproben, eine Pressekonferenz und schließlich noch die obligatorische Besprechung mit den Maskenbildnern. Das alles soll Lena die Sicherheit geben, die eine Schülerin braucht, die bis vor fünf Monaten noch nie in einer Konzerthalle auf der Bühne stand und hier an diesem Sonntag ihren 19. Geburtstag feiert.

Lena und die tonnenschwere Last der Favoritenrolle

Mit Jubel wird sie empfangen, als sie aus den Katakomben der Telenor-Arena heraustritt. Die Begeisterung, sie hält also auch in Oslo an. So voll wie beim Auftritt der Deutschen war es an diesem Tag bei noch keiner Probe. Hunderte Fans, Reporter und Fotografen sind gekommen, um Lena zu sehen. Um einen Blick auf das angebliche deutsche Wunderkind zu werfen, die mögliche Siegerin des 55. Eurovision Song Contest. Der Hype um Lena in Deutschland, er hat alle neugierig gemacht. Die tonnenschwere Last der Favoritenrolle, sie ist ihr zu Beginn der Probe deutlich anzumerken.

Lena ringt um Orientierung. Das komplette Bühnenbild ist nur auf sie abgestimmt. Hier sind nicht Pyrotechnik, Windmaschine oder Trickkleider der Star, sondern die Interpretin. Scheinwerfer tauchen den Hintergrund in ein leichtes Blau, ähnlich wie im Video zu "Satellite". Lena trägt ein schwarzes Minikleid und schwarze Strumpfhosen - nicht zu sexy und nicht zu bieder. Ein vierköpfiger weiblicher Chor unterstützt sie beim Refrain. Ansonsten soll kein unnötiger Schnickschnack von ihr ablenken. Doch als die ersten Töne von "Satellite" erklingen, müssen die deutschen Fans um sie bangen.

Der Ton funktioniert nicht. Es sieht aus, als würde Lena nur die Lippen bewegen. Ihre Natürlichkeit, mit der sie in Deutschland sofort alle von sich begeistert hat, ist angestrengter Anspannung gewichen. Nach dem ersten Durchgang kommt Stefan Raab auf die Bühne, spricht mit seinem Schützling. Was auch immer er ihr eingeflüstert hat, es wirkt wie Medizin und bringt die Lena zurück, die wir alle kennen. Sie winkt fröhlich in den Zuschauerraum, macht es sich auf dem Boden gemütlich, während sie auf den nächsten Durchgang wartet. Den absolviert sie so famos, dass sie später auf der Pressekonferenz auf die Frage "Was muss noch besser werden?" selbstbewusst mit "Nichts" antwortet.

Norwegen im Sturm erobert

Wenn Sie auf der riesigen Osloer Bühne genauso gut rüberkomme wie bei ihren Auftritten zuhause, habe sie den Grand Prix schon so gut wie in der Tasche, sagten Fans vor der Probe. Und? War das schon der Sieg? Nein, denn vor allem die Kameraeinstellungen müssen noch verbessert werden. Lena muss öfter in Nahaufnahmen gezeigt werden, statt in der Totalen vor der reduzierten Bühne. Daran werde bereits gearbeitet, sicherte Stefan Raab auf der Pressekonferenz zu und versuchte erneut, die hohen Erwartungen herunter zu schrauben: "Wir haben keine Hoffnung zu gewinnen, aber ein gutes Gefühl, unter die ersten zehn zu kommen", sagte er.

Doch für mahnende Worte ist es längst zu spät. Lena hat auch Norwegen im Sturm erobert. In der größten Tageszeitung "VG" wird sie als "aussichtsreichste Favoritin" bezeichnet. Begeistert sind die Norweger vor allem von Lenas Schlagfertigkeit. "Sie antwortet Journalisten mit Gegenfragen und schneidet Grimassen", schreibt das Blatt mit überraschter Bewunderung über die deutsche Schülerin. Grund zur Freude hat nicht nur sie, sondern ganz Deutschland. Egal welche Platzierung am Ende herausspringt, wir haben endlich eine Kandidatin gefunden, die in ganz Europa bewundert wird.

Von Jens Maier, Oslo
 
 
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Grand Prix Platzierungen
KOMMENTARE (10 von 24)
 
SethusCalvisius (24.05.2010, 22:29 Uhr)
Die einzige Frage st doch:
Kann Lena nächsten Samstag die Zuschauer in Europa mit ihrer Darbietung begeistern? Ob sie das mit korrekter oder falscher englischer Aussprache tut, ob sie die Töne mit sauberer Stimme hervorbringt oder aus dem HAls knödelt, ob sie perfekte Tanzschritte zeigt oder irgendwie auf der Bühne herumhüpft, spielt dabei überhaupt keine Rolle.
So sind die Regeln im Showgeschäft.
Wenn man das nicht akzeptieren kann, kann man ja auf andere Musik umsteigen.

In Deutschland hat das zumindest funktioniert. Schon nach ihrem ersten Auftritt brach eine unglaubliche Begeisterung aus, warum auch immer.
Wenn das in Europa genauso funktioniert, hat sie doch eine reelle Chance. Zumal die deutschen Miesmacher ja eh nicht über ihr Lied abstimmen dürfen. :-)

Nichts für ungut. Ich kann die Nörgler irgendwie auch verstehen. Die völlig unkritische Berichterstattung in den Medien, die Lena schon zum neuen Superstar gemacht haben, fordert solche Reaktionen geradezu heraus.
kurtaxe1 (24.05.2010, 22:03 Uhr)
Danke
Ich freue mich, jomimo, wenn Ihnen meine zwei geistigen Ergüsse gefallen haben. Zu Ihrer Aufforderung, mich doch öfter hier blicken zu lassen und vielleicht zur deutschen Innenpolitk ein paar Bonmonts zum Besten zu geben, muss ich Sie leider enttäuschen. Zu wenig weiss ich darüber, ausserdem masse ich mir nicht an, vor anderen Türen zu kehren, ich hab genug zu tun vor meiner eigenen zu kehren.

Auch Ihnen, hadudreid, danke für die netten Zeilen.

Und generell: Mit Schrecken stelle ich fest, dass Österreich nicht einmal am Song Contest teilnimmt. Zumindest sagt mir das meine Fau und ich nehme doch an, dass das stimmt und sie das nicht nur sagt, weil sie auf Lena eifersüchtig ist.

Ich wünsche allen einen schönen Abend und garantiere, dass Lena zumindest von mir - symbolisch - die versprochenen zwölf Punkte erhalten wird.
jomimo (24.05.2010, 18:50 Uhr)
@kurtaxe1
Ihr Humor gefällt mir, kommen Sie öfter in dieses Forum, vor allem, wenn es nicht um eine singende junge Dame, sondern um eine politisch aktive eher reifere Dame geht.
mantrid (24.05.2010, 17:56 Uhr)
Freche Antworten auf freche Fragen
Es gibt kein Gesetz, wie auf Reporterfragen zu reagieren ist, besonders wenn sie so unverschämt und respektlos sind, nach dem Privatleben zu fragen, was bekanntlich von Lena Meyer-Landrut nicht erwünscht ist.

Andere an ihrer Stelle hätten die Pressekonferenz sofort für beendet erklärt. Ich finde es gerade gut, das Lena kein gestylter Medienprofi ist, sondern mit dem Schuss Albernheit daherkommt, die den meisten Mädchen in diesem Alter eigen ist.

Und wir Deutschen sollten uns keinesfalls dazu hinreissen lassen, Österreicher als Deutsche zu vereinnahmen, das ist 1945 schon einmal ganz übel geendet. Da sollten doch 12 Punkte für unsere Lena als kleine Wiedergutmachung drin sein, gell?
drumboy (24.05.2010, 16:34 Uhr)
@Swissmiss
Sind Sie sicher, dass sie fast gleich alt wie Lena sind? Ihren Beitrag haette auch meine Oma schreiben koennen...
Wilfried100 (24.05.2010, 15:59 Uhr)
Markt
Ich kann nicht beurteilen, ob sie singen kann, sehr beeindruckend finde ich es nicht.

Sehr beeindruckend finde ich, wie erfolgreich sie Herr Raab vermarktet. Dieser ganze Hype, aus dem Nichts, ohne erkennbaren sachlichen Grund, das ist schon genial.

Das Problem in Oslo wird sein, dass es halt keine europäische Marke ist. Aber ich denke, das Geschäft ist gemacht, alles was nun kommt ist Dreingabe.
martineden (24.05.2010, 14:10 Uhr)
@confused
also ich singe besser als Lena, aber dieses Können teile ich wohl mit 79 Millionen anderer Deutscher...
herdubreid (24.05.2010, 13:48 Uhr)
@kurtaxe1
Och manno, nun seien Sie doch nicht gleich so erzürnt, ist echt so, siehe unten aus Wikipedia:
"Er war ein Untertan des Salzburger Erzbischofs Sigismund Graf von Schrattenbach, Fürst des Heiligen Römischen Reiches im Bayerischen Reichskreis. Seine Eltern, aus beruflichen Gründen in das kirchliche Fürstentum Salzburg gezogen, waren der aus Augsburg stammende fürstbischöfliche Kammermusikus (ab 1757 Hofkomponist und ab 1763 Vizekapellmeister) Leopold Mozart und die aus Sankt Gilgen stammende Anna Maria Pertl."

Aber Mozart gehört doch allen, die seine Musik lieben, genau wie Brahms, Tschaikowski oder die Zillertaler (naja...zur Not auch die...).
Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag. Nach Villach würde ich ja gern mal kommen, soll schön sein, aber zum Boxen???
kurtaxe1 (24.05.2010, 12:56 Uhr)
herdubreid
So, jetzt reicht es. Es möge mir niemand nachsagen, ich wär vielleicht aufbrausend, leicht erregbar und nachtragend. Aber es gibt Grenzen. Grenzen sogar bei mir, der ich doch geradezu ein Vorbild an Umgänglichkeit und Menschenfreundlichkeit bin.

Aber, herdubreid, Mozart umzuvolken und aus ihm einen Deutschen zu machen, das schlägt dem Fass den Boden aus, das ist schiere Infamie.

Wir treffen einander also heute abend, 22 Uhr, Villach in Kärnten, vor der Kakadu Bar. Mitzubringen sind Neun- Unzen- Handschuhe, ein Sekundant und genügend Heftpflaster beziehungsweise Verbandmaterial.

Rechnen Sie nicht mit Gnade.
Elysia (24.05.2010, 11:47 Uhr)
Lena sakrosant
@confused
Ihr Kommentar hat wirklich den Tag gerettet! Und Sie haben echt den richtigen Namen gewählt (confused=verworren,durcheinander). Als dürfe man nur etwas kritisieren, was man selber besser kann. Schon mal was von Demokratie gehört? Und was sagen Sie all den Millionen Fussballfans, sollen die alle besser spielen als Ballack & co.? Und Marcel Reich-Ranicki, soll der alle Bücher selber schreiben?

Übrigens bevor sie Sing-Sang-Säusel-Lena so verteidigen, sollten Sie mal im Internet awngucken, wie die sich bei ihrer ersten Pressekonferenz aufgeführt hat. Imelda Marcos ist ein braves Mädchen dagegen.
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