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Der blonde Rächer aus Bad Münstereifel

Heino geht unter die Rocker: Statt mit Schunkelmusik überrascht der Volksmusiker mit Coversongs von den Ärzten und Rammstein. Ein Racheakt, der sich für den Schlagerbarden bezahlt macht.

Von Jens Maier

  Mit Lederjacke und Totenkopfring: Heino schlägt zurück

Mit Lederjacke und Totenkopfring: Heino schlägt zurück

Das Titelbild irritiert. Statt in einem knallbunten Jackett und mit Gitarre ist Heino auf seinem neuen Album als Rocker abgebildet - mit genieteter Lederjacke, schwarzem Totenkopfring und in Angeberpose. Nur die verdunkelte Sonnenbrille erinnert noch an den alten Heino, den die Zuschauer aus dem Musikantenstadl kennen. Der selbsternannte Barde der Nation ist unter die Rocker gegangen: als blonder Rächer aus Bad Münstereifel.

Am 1. Februar erscheint sein neues Album "Mit freundlichen Grüßen". Heino singt nicht mehr von der "schwarzbraunen Haselnuss" oder dem "blauen Enzian", sondern covert Songs deutscher Rock- und Hip-Hop-Bands. Insgesamt zwölf Coverversionen sind auf der Platte zu hören, darunter Lieder von Peter Fox ("Haus am See"), den Fantastischen Vier ("MFG"), den Ärzten ("Junge"), Rammstein ("Sonne") und Oomph! ("Augen auf") - und dazu mussten die Musiker nicht mal ihre Erlaubnis geben.

Heino veräppelt seine Kritiker

Die Platte ist Heinos Vergeltungsschlag. "Er möchte den Kollegen, die ihn (…) veräppelt haben, einfach auch mal einen Spiegel vorhalten", sagt sein Manager Jan Mewes. Mit 74 Jahren rächt sich der Volksmusikant an allen, die jahrelang über ihn Witze gemacht haben. Und seine Rache ist fürchterlich. Damit sich die Bands nicht juristisch gegen die Coverversionen wehren können, hat Heino die Original-Kompositionen nicht verändert. Gnadenlos wird er künftig statt mit "Dia Katja, die hat ja" die schunkelwütigen Zuschauer beim "Frühlingsfest der Volksmusik" mit einem Ärzte-Song in Mitklatsch-Ekstase versetzen - und Bela B. kann rein gar nichts dagegen machen.

Die Lacher hat Heino dabei auf seiner Seite. Ein musikalisches Highlight, die Neuerfindung des Schlagerbarden ist ihm allerdings nicht gelungen. Denn Heino macht die Songs nicht zu seinen, sondern beschränkt sich gezwungenermaßen auf das Plagiat. Richtig schlimm wird das Nachäffen dann, wenn wie bei "Junge" von den Ärzten die Ironie des Songs verloren geht. Heinos Bariton klingt so ernst, dass jeder Hörer ihn sich gut als den schimpfenden Vater vorstellen kann, der in dem Lied besungen wird.

"Wut-Beben" von Rammstein eine Ente

Die Reaktionen auf das Album sind gemischt. "Ich find's geil. Heino lässt die Fetzen fliegen", sagt ein User auf der Twitter-Seite der Ärzte. Ein anderer befürchtet den "Verfall der Rockkultur". Die "Bild"-Zeitung berichtet, viele der gecoverten Musiker hätten das Heino-Projekt scharf kritisiert. Top-Bands wie Die Ärzte oder Rammstein gingen "auf die Barrikaden", heißt es wörtlich. "Wir könnten kotzen", zitiert die Zeitung eine nicht näher bezeichnete Person aus dem "Umfeld" der Band Rammstein. Davon scheinen die Musiker allerdings gar nichts zu wissen.

"Rammstein haben mit Befremden die heutige Berichterstattung der 'Bild'-Zeitung zur Kenntnis genommen", heißt es am Abend auf der Homepage der Band. Es gebe keine Auseinandersetzung mit Heino. "Die im Text genannten Zitate, die der Band in den Mund gelegt werden, spiegeln ausdrücklich nicht das Meinungsbild von Rammstein wieder." Auch die Fantastischen Vier, deren Song "MFG" Heino covert, sind entspannt. Via Facebook wünschen sie Heino sogar "viel Erfolg".

Heinos Platte stürmt die Charts

Das "Wut-Beben" der Rockmusiker scheint nicht viel mehr als ein laues Lüftchen zu sein - und gut gemachte PR von Heinos Management. Obwohl seine Platte erst in der kommenden Woche erscheint, hat sie beim Versandhändler Amazon bereits Platz eins der Album-Verkaufscharts. Noch fürchterlicher kann Heinos Rache nicht werden.

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