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Hochstaplerin

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Video
Die Hochstaplerin in Nowitzkis Haus

Die Verhaftung einer Hochstaplerin in Dirk Nowitzkis Haus in Dallas wirft Fragen auf. Ist sie sogar die Verlobte des deutschen Basketball-Superstars - und schwanger? Das behauptet jedenfalls die Brasilianerin, die laut Polizei acht verschieden Decknamen benutzte. Wir zeigen ein Video, das Nowitzki mit der Frau zeigt, entstanden in der Villa des Basketballspielers.

Der Jetlagger
Blog "Der Jetlagger"
Die Lügnerin

Ich sitze zuhause am Rechner, als Anika mich auf Skype anfunkt. Du, sagt sie begeistert, deine Freunde sind echt Klasse. Ich glaube ich habe mich verliebt! Irgendwie bin ich enttäuscht. Ich schreibe belanglose Antworten und denke über mich selbst nach. Ist es verletzte Eitelkeit? Hatte ich Gefühle entwickelt oder ging es mir nur um’s Geld? Warum sonst wäre ich jetzt enttäuscht. Es ist einer dieser Momente, in welchen man sich selbst nicht mehr mag. Am Ende bin ich noch mehr enttäuscht und versuche Anika loszuwerden, doch die redet munter weiter. Irgendwann sage ich, dass ich müde bin und ins Bett muss. Ich lege auf und denke weiter über mich selbst nach, bis ich einschlafe. Die nächsten Tage höre ich immer wieder von Anika. Manchmal ist sie im Krankenhaus und skypt in ihrer Pause, dann ist sie wieder zuhause. Sie schreibt mir Details von den Treffen mit meinem Freund und fragt mich aus. Ich nenne besser keine Namen und schreibe jetzt nur noch von "meinem Freund". Sie meint, dass es da nun einen zweiten Typen gibt und sie sich nicht entscheiden kann. Nein, es ist mein Freund, der sich nicht entscheiden kann. Sie hätte ihn schon gerne, aber er kommt eben nicht in die Gänge. Sie redet, als ginge es um den Mann des Lebens. Den Traummann. Den Soulmate. Denjenigen, welchen sie heiratet. Und anscheinend hat sie es eilig. Willst Du denn Familie und Kinder?, frage ich. Ja, ganz sicher, antwortet sie bestimmt. Zwei Wochen später erzählt mir Micha, dass auch einer seiner Freunde „sehr angetan“ von Anika ist und dieser sie in die Oper eingeladen hat. Hm, in der Oper war sie doch auch gerade mit meinem Freund. Die Frau geht aber gerne in die Oper. Irgendetwas an ihr stört mich, aber ich lege diese Gedanken schnell wieder zur Seite, denn ich glaube es geht um meine verletzte Eitelkeit. Dezember. Meine Russisch-Lehrerin Natascha kam gerade und wir gehen die Hausaufgaben durch, als das Telefon klingelt. Micha ist am anderen Ende. Er meint es wäre wichtig, also bitte ich Natascha um eine Pause. Sie sitz neben mir und hört zu. Ich brauche deinen Rat, meint Micha. Irgendetwas stimmt nicht mit Anika. Was meinst Du?, frage ich. Ihre Geschichten passen oft nicht zusammen und es gibt Widersprüche. Sie ist gerade in New York. Und? Was ist daran ungewöhnlich?, frage ich. Sie emailt uns fast täglich. Will wissen was sie uns mitbringen soll. Sie drängt, obwohl wir gar nichts wollen. Und?, frage ich. Ist doch nett. Am Ende haben wir sie gebeten etwas mitzubringen und jetzt meldet sie sich nicht mehr. Sie hat uns das ja förmlich aufgeschwätzt. Micha meint, er hätte dann die IP-Adresse ihrer Mails gecheckt. Und? Die IP Adresse ist in Kassel, sagt Micha. Sie ist also nicht in New York! Anika hatte letztens Besuch von einem älteren Ehepaar aus Kassel. Das waren ganz ordentliche Leute. Ganz Solide. Er ist Dekan. Angeblich sind das Freunde ihrer Familie. Die Miete wurde letzten Monat auch zum Teil aus Kassel überwiesen. Mir ist es ja egal, wo sie ist und es geht mich auch nichts an, ob sie wirklich nach New York fliegt oder nicht. Sie kann doch hinfahren, wohin sie will, regt Micha sich auf. Warum redet sie dann ständig davon, dass sie mir etwas mitbringen will. Da ist was faul, sag ich dir. Wir reden noch ein paar Minuten und gleichen unsere Anika Geschichten ab. Vieles passt nicht zusammen. Mist, denke ich. Ich muss meinen Freund warnen. Natascha hört aufgeregt zu. Es muss sich wie ein Krimi anhören. Nach meiner Russisch-Stunde rufe ich meinen Freund an. Ich erzähle ihm alles und er ist schockiert. Anika hat ihn wegen einer Familienangelegenheit mit ins Krankenhaus begleitet und sich dort als Ärztin der Charité ausgegeben. Meinst du, dass das auch nicht stimmt?, fragt er verunsichert. Mein Freund ist hin und hergerissen. Anika hat wohl in der Zwischenzeit ein sehr tiefes Vertrauensverhältnis zu ihm und seiner Familie aufgebaut. Dieses ist nun in tausend Stücke zerbrochen. Jetzt steht er vor dem Scherbenhaufen und kann das einfach nicht wahrhaben. Es tut mir leid, sage ich leise. Es war das erste Mal, aber ich werde es noch öfter sagen. Was tut dir leid, fragt er? Dass ich sie dir vorgestellt habe, sage ich schuldvoll. Und nun? Ich fühle mich verantwortlich. Anika hat mittlerweile auch seinen Freundeskreis eingenommen und sogar versucht Geschäfte mit einigen seiner Freunde anzubahnen. Was für Geschäfte?, frage ich. Aus den Geschäften wurde nichts, meint er, weil sie sich einfach unvermittelt aus dem Staub gemacht hat. Schaden hat sie aber trotzdem verursacht, weil meine Freunde zwischenzeitlich anderen Interessenten abgesagt hatten. Noch am Abend rufe ich ein paar Kontakte an. Versuche etwas von meinen serbischen und kroatischen Bekannten heraus zu bekommen. Doch da kennt man sie nicht. Dann rufe ich einen alten Kollegen bei der Polizei an. Doch der darf mir auch nichts sagen. Ich glaube die Frau hat Dreck am Stecken, sage ich. Jemand der so auf den Putz haut und dann in einer WG wohnt. Das passt nicht. Vielleicht ist sie zur Fahndung ausgeschrieben. Vielleicht zur Aufenthaltsermittlung. Sich als Arzt auszugeben ist Titelmissbrauch. Außerdem könnten Betrugsdelikte vorliegen. Der wage Verdacht alleine reicht aber anscheinend nicht aus, um eine Antwort zu bekommen. Mein Ex-Kollege zögert und ich lasse ihn in Ruhe. Na ja, wahrscheinlich ist ihr Name ohnehin nicht richtig. Ich habe Vor- und Nachnamen gegoogelt und Anika erscheint erst ab Oktober 2008 im Internet. Fast hätte ich sie in die Elite Communities Small World und Schwarze Karte eingeladen. Ich bin froh, dass ich es nicht gemacht habe, denn dann hätte sie noch mehr meiner Bekannten ansprechen und ausnutzen können. Einen Monat später bin ich in Berlin. Anika ist ausgezogen. Sie hatte die Miete wieder nicht bezahlt und die letzten Wochen hat sogar ihr Bruder bei ihr gewohnt. Das war dann zu viel und ihre Mitbewohner haben sie vor die Tür gesetzt. Vorher hat sie noch brav die Miete des letzten Monats gezahlt, weil man ihr mit der Polizei gedroht hat. So viel Glück hatte mein anderer Freund nicht. Anika hat sich dort, und auch bei anderen, Geld geliehen und ist nun untergetaucht. Es ist Mittag und wir haben Lunch beim Thai. Ich sitze meinem Freund gegenüber. Wir reden über Anika. Er schaut mich fast vorwurfsvoll an. Hast du wenigstens mit ihr geschlafen, frage ich? Mein Freund ist ein Gentleman. Er grinst und schweigt. Es tut mir leid. Ehrlich. In Zukunft werde ich vorsichtiger sein, wenn ich Leute zusammenbringe. Auf der anderen Seite kannst du mir nicht wirklich einen Vorwurf machen. Ich habe dich lediglich gefragt, ob du sie einen Abend mit ins Cookies nehmen kannst. Ich konnte doch nicht wissen, dass ihr euch so Nahe kommt. Ausserden bin ich genauso auf sie hereingefallen und wäre ich nicht nach Moskau zurückgeflogen, dann wäre sonst was passiert. Mann, es tut mir wirklich leid. Lass uns das bitte bei Seite legen. Er nickt schweigend. Für mich ist die Sache damit erledigt, füge ich hinzu. Wir zahlen und trennen uns. Gott Sei Dank als Freunde. Ein paar Tage später klingelt das Telefon. Die Anika Geschichte verfolgt mich immer noch. Micha ist am Apparat. Es kam ein Brief vom Staatsanwalt für Anika, meint er. Und was steht drinnen, frage ich? So etwas mache ich doch nicht auf. Der geht postwendend zurück. Gut, damit ist die Sache für mich erledigt, erkläre ich nun auch Micha. Ich will nichts mehr von oder über Anika hören! Nein, nicht ganz. Ich muss Anika noch aus meinen Facebook Kontakten löschen. Das war’s dann. Wir werden wohl nie herausbekommen, wer Anika wirklich ist. Vielleicht eine Hochstaplerin? Krank? Schizophren? Früher war ich offener. Es gab die Zeit vor Anika, in der habe ich immer versucht gute Leute zusammenzubringen. Ich gebe zu, oft auch ein bisschen leichtfertig. Heute bin ich vorsichtiger. Man müsste jeden neuen Bekannten durchleuchten, doch dazu braucht man viel zu viel Zeit. Zumindest werde ich in Zukunft seinen Namen Googeln, und wenn ich nichts finde, dann bin ich vorsichtig. Komisch, in was für einer Zeit leben wir eigentlich? Vor 10 Jahren wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, den Namen eines neuen Bekannten in eine Suchmaschine einzugeben.

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