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Der Shitstorm der enttäuschten Prince-Fans

Pop-Gigant Prince will spontan in Berlin auftreten. Ein Ticket soll 300 Euro kosten. Dann fällt das Konzert aus. Es gibt einen Shitstorm gegen den Veranstalter. stern hat mit ihm gesprochen.

Von Sophie Albers Ben Chamo

  Statt in Berlin gab er zwei ausverkaufte Konzerte in London.

Statt in Berlin gab er zwei ausverkaufte Konzerte in London.

Ein Fan ist ein Mensch, der längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu einem für ihn externen, öffentlichen, entweder personalen, kollektiven, gegenständlichen, abstrakten oder sportlichen Fanobjekt hat und in die emotionale Beziehung zu diesem Objekt Ressourcen wie Zeit und/oder Geld investiert." Der Popstar Prince hat ziemlich viele, ziemlich treue Fans. Und die haben in Berlin gerade Zeit und Geld umsonst investiert, was auf Grund besagter emotionaler Bindung zu großem Frust geführt hat, der sich gerade in den sozialen Netzwerken entlädt und dessen Entstehung auf dem Preisvergleichportal ticcats dokumentiert ist.

Prince, dessen größte Zeit die 80er waren, der aber nie aufgehört hat, das Universum der Unterhaltungsmusik zu durchkreuzen, gilt vielen als Genie. Und er ist einer der letzten Giganten aus einer Zeit, da Stars noch Geheimnisse haben durften. Musik veröffentlicht er andauernd, gern auch kostenlos, auf Tour ging er zuletzt eher selten, weshalb ein für den 3. Juni in Berlin angekündigtes Spontankonzert die Fan-Gemeinde in begeisterte Aufregung versetzte. Bis man die Preise sah.

332 Euro für ein Konzertticket

Knapp 300 Euro sollte das "billigste" Ticket im Vorverkauf kosten, der sechs Tage vor Konzerttermin begonnen hat. Das teuerste schlappe 332 Euro. Fans fingen an, auf der Facebookseite des Konzertveranstalters Dirk Becker Entertainment zu wettern. "Abzocke" war ein beliebtes Wort.

Am zweiten Verkaufstag gab es plötzlich günstigere Tickets zu 188,40 Euro. Darüber wunderte sich nun auch der "Rolling Stone". Auf der Facebook-Seite des Veranstalters wütete mittlerweile ein Shitstorm. Der zog noch mal an, als vier Tage vor dem Konzerttermin ein Angebot für zwei Karten zum Preis von einer auftauchte. Am 2. Juni, am Abend vor dem Konzert lief das dann Fass nicht nur über, sondern brach auseinander: Das Konzert wurde ersatzlos abgesagt. Aus "produktionsbedingten Gründen", hieß es. "Bereits gekaufte Konzertkarten können an der jeweiligen Vorverkaufsstelle zurück erstattet werden."

Laut ticcats hat der Veranstalter am gleichen Abend die Kommentarfunktion auf seiner Facebook-Seite herausgenommen und Beiträge gelöscht. Der Frust fand andere Mitteilungskanäle.

stern online hat mit dem Veranstalter gesprochen.

Herr Becker, hat Prince das Konzert abgesagt, weil nicht genug Tickets verkauft wurden?

Ich weiß es wirklich nicht. Aber er wäre nicht der erste und nicht der letzte Künstler, der vor einer halbvollen Halle spielt. Ich hätte mir auch einen substantielleren Text für die Kunden gewünscht. Aber ich habe nach der Absage durch das Management nichts mehr von ihm gehört.

Kann er denn so einfach absagen?

Das kann er, er muss uns nur zurückgeben, was wir ihm gezahlt haben.

Herr Becker, sind 330 Euro für ein Konzertticket nicht übertrieben?

Ganz ehrlich, ich finde auch, dass es ist ein stolzer Ticketpreis ist. Aber ich fand ihn angemessen dafür, diesen Künstler in einem verhältnismäßig kleinen Club erleben zu können. Ich habe mich geirrt.

In Online-Foren wird Ihnen "Abzocke" vorgeworfen, wie kommen die Ticketpreise zustande?

Verzeihen Sie, aber es ist naiv zu glauben, dass ein Veranstalter sich Ticketpreise ausdenken kann, um den großen Reibach zu machen. Die Preise werden mit dem Management und dem Künstler verhandelt. Zuerst kommt ein Agent und bietet verschiedenen Veranstaltern einen bestimmten Künstler an. "Mach mir ein Angebot", heißt es dann.

Warum waren Konzerttickets früher so viel billiger?

Weil Künstler früher Platten verkauft haben und Konzerte nur Promo-Zwecken dienten. Heute müssen sie mit Auftritten das Geld verdienen, was die Tonträger nicht mehr liefern. Die leben davon. Mir wäre ein Ticketpreis von 50 Euro auch lieber, aber leider Gottes ist nicht jeder Künstler wie Herbert Grönemeyer, der sagt, ich will dass die Preise für jederman erschwinglich sind.

Und wie sind die unterschiedlichen Ticketpreise zustande gekommen?

Die sind der Kurzfristigkeit geschuldet. Wir haben beim Veranstaltungsort angefragt, ob man den Innenraum nicht für günstigere Tickets aufteilen könnte. Die Antwort hat eben etwas gedauert. Das war alles unfassbar knapp.

Haben Sie Verständnis für die Wut der Fans?

Natürlich lässt der Shitstorm mich nicht kalt! Ich verstehe die Enttäuschung, aber es wird jetzt nach einem Schuldigen gesucht. Ich will mich aber nicht rausreden. Wenn ich nicht daran geglaubt hätte, hätte ich es nicht gemacht. Wir erstatten auf jeden Fall den vollen Ticketpreis samt Bearbeitungsgebühren. Was anfällt, sind die Versandgebühren.

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