Seit über 15 Jahren setzt die Popmusikerin Diane Weigmann ihren Kopf durch, im Beruf und im Privatleben. Ein Gespräch mit der Ex-Lemonbabies-Sängerin über die Kunst, eine eigene Identität zu finden - ohne dabei über Leichen zu gehen.

Geht mit viel Selbstbewußtsein durchs Leben: Sängerin Diane Weigmann© Dietmar Theis
Ich glaube, das hat ganz viel mit deinem Umfeld zu tun. Wenn du schon früh gemeinsam mit anderen Menschen Sachen ausprobierst und erste eigene Projekte wagst – dann fällt’s dir viel leichter, einen eigenen Standpunkt zu finden. Denn du bist nicht die Einzige, die nach vorne prescht und auf ein Ziel losrennt. Natürlich gibt es dabei auch Regeln, die man befolgen muss: Deine Freiheit ist grenzenlos, aber im Grunde genommen hört sie da auf, wo du in den Bereich eines anderen hineinpreschst. Wenn du solche Regeln subtil beherrschst und befolgst, dann bist du weniger eine Emanze oder eine anstrengende Persönlichkeit. Sondern jemand, der geradlinig seinen Weg geht.
Gerade in einer Gruppe geht das sogar schneller, als man denkt! Weil andere Menschen diese vier Personen, die ihnen innerhalb kurzer Zeit begegnen, einer Kategorie zuordnen müssen. Wenn du merkst, du wirst in eine Schublade geschoben, die dir gar nicht gefällt, dann fängst du sehr früh an, innerhalb der Gruppe zu gucken: Wofür schätze ich die anderen? Und wofür schätzen die mich? Bin ich wirklich das, was ich auf den ersten Blick zu sein scheine? Gerade dadurch, dass man miteinander und aneinander wächst, ist es ziemlich leicht, seinen eigenen Charakter viel besser und geschliffener hervorzubringen.
Ich glaube, indem man es ausprobiert. Am allerbesten weiß man, was man will, wenn man weiß, was man nicht will. Wenn du dich zum Beispiel zwischen zwei Gerichten nicht entscheiden kannst, lässt du jemanden anderen sagen, was er dir vorschlägt. Und spätestens, wenn du denkst: Chicken Tandoori, nee, das wollte ich eigentlich nicht, dann weißt du, du wolltest das andere Gericht haben! Und genauso ist es auch im Leben.
Da haben Sie recht. Rumprobieren bedeutet aber eben auch, relativ schnell zu einem Ergebnis zu kommen, mit dem man sich erst einmal zufriedengeben muss. Außerdem ist es die älteste Regel der Welt: Die Praxis macht Erfahrung. Wer alles im stillen Kämmerlein in strenger Selbstjustiz mit sich selbst ausmacht, der kann nicht weiterkommen! Der kann nur auf der Stelle treten.
...gefunden in Das Interview von Juliane Rusche mit Diane Weigmann stammt aus der Juni-Ausgabe des Magazins u_mag. Außerdem im Heft: Schockrocker Marylyn Manson über Schönheit und Hässlichkeit, besser Bloggen mit Musiker Jens Friebe und die Sammelleidenschaft von White Stripes Chef Jack für Gitarren und ausgestopfte Tierköpfe.