Mit ihrem neuen Album "Soulicious" ehrt Sarah Connor alte Soul-Helden. Sogar ein posthumes Duett mit Marvin Gaye befindet sich darauf. Im Interview mit stern.de spricht die 26-Jährige über ihre Funktion als Soul-Nachhilfe-Lehrerin, über Familie und radikale Diäten.

Sarah Connor, 26, erfolgreiche deutsche Sängerin© x-cell Records
Ich habe meinen Großvater nie kennen gelernt und bin auch leider noch nicht in New Orleans gewesen. Aber mein Vater war mit dem Soul-Virus infiziert - er hat mir all die Lieder vorgesungen. Ich hatte damals gar nicht den Bezug zu den Künstlern, mochte aber diese leidenschaftliche Musik. Und mein Vater hat mich mit Aretha Franklin und Otis Redding in den Schlaf gewogen. Dieses wohlige Gefühl von damals habe ich heute immer noch, wenn ich die Songs höre.
Auch das ist ein Wiegenlied. Mein Vater hat es immer gespielt, wenn er von der Arbeit nach Hause kam. Diese musikalischen Perlen liefen bei uns rauf und runter. Während andere Schlager oder Disco hörten, waren bei uns immer noch die 60er und 70er präsent. Für mich bedeutet Soul Leidenschaft und Kraft, selbst 40 Jahre später haben die Songs nichts von ihrer Power verloren.
Mein Platten-Boss hat ein Layout des Songs mit meiner Stimme an die Verantwortlichen von Motown geschickt. Wochen später kam dann ein Anruf, dass es klappt. Übrigens die erste Genehmigung außerhalb der USA für ein solches Projekt. Beim ersten Hören des Songs mit der eingesetzten Stimme von Marvin Gaye bin ich bei mir in der Küche rumgetanzt wie eine Irre. Und mein Vater hat sich natürlich auch gefreut: Eines seiner Idole zusammen mit seiner Tochter - das hat ihn fast sprachlos gemacht.
Ganz klar: Luther Vandross. Auch, wenn der erst in den 80ern richtig erfolgreich war. Und von den Lebenden natürlich Aretha Franklin. Die darf jederzeit anrufen - und ich würde sofort in jedes Studio auf der Welt rennen.
Ich wollte niemals an den Klassikern kratzen, sondern sie nur mit dem nötigen Respekt in die jetzige Zeit transportieren. Ja, Sie haben Recht - ich fühle mich dabei auch ein wenig als Lehrerin, die ihren Fans eine Stunde in Musikgeschichte gibt. Die Kids sollen wissen, wo gute Musik seine Wurzeln hat. Schließlich spielen sie in den Clubs heute noch die Originale - mit dem gleichen Ergebnis wie damals. Die Menschen tanzen entfesselt.
Das war in der Schule. Ein Lehrer hat mich darauf aufmerksam gemacht, weil ich ständig in den Pausen gesungen habe. Dann kam die Chor-AG und irgendwann wusste ich, dass meine Zukunft in der Musik liegt.
Mit 16 Jahren habe ich mir das natürlich gewünscht, wusste aber, dass es verdammt schwer wird. Deshalb wollte ich Jazz-Piano, Journalismus oder Meeresbiologie studieren. Als ich das erste Mal eine Hauptrolle in einem Musical spielen konnte, waren die Weichen für die Zukunft gestellt.
Sarah goes Motown Mit ihrem sechsten Album hat sich Sarah Connor die Hürde ziemlich hochgelegt. Die 26-Jährige covert auf "Soulicious" - neben zwei eigenen Songs - bekannte und weniger bekannte Songs aus der Ära des Souls. Darunter sind Klassiker wie Marvin Gayes "Your Precious Love", das sie hier im Duett mit dem toten Künstler singt. Das digitale Zeitalter macht's möglich. Doch wie gewohnt beim Connor-Sound, verkleben die Soul-Perlen unter einer großen Portion aus Bombast und Pathos. Weniger wäre hier mehr gewesen. Immerhin löblich, dass sie ihren jungen Fans die Musik näher bringen will - die sollten dann aber lieber gleich auf die ungesüßten Originale zurückgreifen.