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Cowboys auf Ausritt

Yeehaw-Schreie, Cowboyhüte, Feinripp-Hemden und die Whiskeyflasche in der Hand: Die Band The BossHoss wurde mit Westernimage und der Adaption von Hits im Countrystyle erst Kult, dann sogar Kommerz. Zum Tourstart sprachen Boss und Hoss im stern.de über eigene Lieder, neue Wege und wie es ist, richtig zu rocken.

Die Berliner Country-Rockband The BossHoss hat gerade ihr drittes Album veröffentlicht: "Stallion Battalion". Bekannt wurden die sieben Musiker als sie vor drei Jahren begannen, kultige Radiohits zu covern - im Country-Style. Für ihre aktuelle Platte haben sie überwiegend eigene Titel komponiert und sind dabei ihrem temperamentvollen Stil treu geblieben: rockig und voller mitreißend guter Laune.

Jetzt reitet das "Hengstbattalion" wieder durch die Lande - zu über 40 Auftritten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. Tausende tobende Fans erwarten die Band in wohl wie üblich ausverkauften Hallen, denn The-BossHoss-Auftritte garantieren Cowboy-Entertainment und Spaß pur. stern.de hat die beiden Frontmänner "Boss Burns" alias Alec Völkel und "Hoss Power" alias Sascha Vollmer getroffen.

Für Ihre neue Platte haben Sie überwiegend eigene Songs geschrieben und sind rockiger geworden - wollten Sie raus aus der Country-Cover-Ecke?

Boss: Wir stehen natürlich voll hinter dem Countryding und den ersten beiden Alben. Aber jetzt wird es Zeit, mehr Facetten reinzubringen von dem, was uns musikalisch so interessiert. Natürlich wünschen wir uns erst einmal, dass das neue Album bei den Leuten genauso gut ankommt wie die beiden davor. Dass unsere Fans nicht enttäuscht sind und sich denken, 'oh, schade, wo sind die schönen Countrycover?', sondern dass sie unsere Entwicklung mitgehen.

Was war der besondere Reiz beim Komponieren der eigenen Songs?

Hoss: Der Reiz war, dass ich nicht mehr dieses klare Schema hatte, in dem ich mich bewegen musste - sprich Country: "Dong, taka, dong, taka, dong...", sondern wir konnten auch mal "Dudum, dudum, dudum, da, da..." nehmen, einen straighten Beat. Wir hatten mehr Möglichkeiten, es bleibt aber immer Rock´n Roll, ganz klar. Boss: Die Coversongs haben es einfacher gemacht: Man sucht sich starke Songs aus und konzentriert sich darauf, sie super umzusetzen. Das ist auch eine Leistung, aber der Song war zumindest schon da. Wenn man den erst selbst schreiben muss, ist das natürlich eine größere Herausforderung.

Mussten Sie bei dieser neuen Platte irgendwelche Kompromisse eingehen?

Boss: Höchstens zeitlich. Wir haben schon einen krassen Zeitplan hinter uns die letzten drei Jahre: Jedes Jahr ein Album, und dann noch so viel spielen wie kaum eine andere Band in Deutschland... Hoss: Da kommt uns allerdings unsere langjährige Erfahrung als Musiker schon vor BossHoss-Zeiten zu Gute: Wir meistern das eben trotzdem souverän - auch in relativ kurzer Zeit. Wir sind einfach die "hardest working band in showbusiness"...! (lacht)

Das ist wahrscheinlich gar nicht mal weit übertrieben: Sie spielen zwischen hundert und zweihundert Auftritte im Jahr. Wie wichtig ist das Live Spielen?

Hoss: Extrem wichtig. Wir sind keine Studioband. Wir wollen raus, wir brauchen Leute, wir brauchen das Feedback direkt. Wir sind sieben Jungs auf der Bühne - es macht so einen Spaß zusammen zu rocken! Es wäre total langweilig, nur zwei Touren im Jahr zu machen, eine im Frühjahr und eine im Herbst. Was macht man denn dann in der Zwischenzeit?! Wir brauchen den Druck, und wir brauchen die Arbeit. Boss: Auf jeden Fall! Wir sind auch keine Radioband. Wir laufen da nicht hoch und runter wie Robbie Williams, auch nicht auf MTV, und wir sind auch nicht ständig zu Gast bei "Wetten, dass...". Auch deswegen ist es für eine Band wichtig, live zu spielen und den Leuten zu zeigen, was man macht, und was man kann. Hoss: Und abgesehen von der Passion ist es natürlich nach wie vor so: Die Ochsentour zahlt sich aus. Unsere große Fangemeinde, der wir unseren Erfolg zu verdanken haben, haben wir uns live erspielt.

Wenn Sie drei Monate in Folge fast jeden Abend in einer anderen deutschen Kleinstadt unausgeschlafen auf die Bühne müssen, wie motivieren Sie sich?

Boss: Es gibt natürlich auch Tiefpunkte: Manchmal hat man einfach keine Lust oder ist körperlich am Ende nach der zehnten Show hintereinander. Auch durch das Feiern nach dem Gig immer... (grinst) Aber trotzdem: Da gibt es keine Ausreden, da muss man raus! Die Leute warten wochenlang, man hat versprochen, dass man kommt, und dass man spielt, dann hat das Publikum auch einen Anspruch darauf, dass man sich Mühe gibt und nicht einfach so hinstellt: Boah, heute habe ich aber echt keinen Bock! Ich ziehe hier meine anderthalb Stunden runter, gebe keine Zugabe und lege mich dann wieder hin, ist mir doch wurscht, Geld ist im Kasten... So geht's halt nicht! Hoss: Die Motivation ist auch, dass die Leute tatsächlich kommen. Da stehen dann tausend, zweitausend Leute mit dem Arm nach oben, und man selbst steht hinter der Bühne kurz vor dem Auftritt und denkt: Yes! - Und jeden Tag sind andere Leute da. Das ist schon sehr geil! Da kommt die Adrenalinausschüttung, und man ist hoch motiviert - jeden Abend.

Am Anfang war Ihre Countryband-Idee eher ein Gag, der plötzlich zum Selbstläufer wurde. Ist jetzt nach drei Jahren noch etwas übrig von der Leichtigkeit, aus der alles entstanden ist?

Boss: Das Feuer brennt nach wie vor! Am Anfang ist es natürlich ein ganz anderer Flash: Du machst etwas einfach so, und dann geht das plötzlich total ab! Da denkst du: Ey Alter, ist ja krass, was ist denn hier los?! Fett!! Das ist ja total neu für einen selbst, und das findet man natürlich voll spannend. Jetzt gibt es andere Spannungsfelder: Du machst eine neue Tour, ein neues Album, gehst ins Ausland... Das ist immer spannend und krass! Es ist nicht so, dass uns langweilig wird.

Sie haben sich ein ganz klares Image aufgebaut: Cowboys mit Siegelringen, Feinripp-Unterhemden, Cowboyhüten und Yeehaw-Schreien, Bühnensprache ist ausschließlich amerikanischer Slang. Macht Ihnen das auch nach drei Jahren noch Spaß?

Boss: Voll Spaß! Wir haben uns das ja selber ausgesucht. Wir haben da schon Bock drauf, aber es ist genauso wie beim Musikalischen: Irgendwann muss es mal ein bisschen vielfältiger werden. Man hat ja auch nicht zehn Jahre lang dieselbe Frisur. Hoss: Wir sind schon noch Rock'n'Roll-Cowboys, bloß auf diesen Cowboyfasching haben wir keinen Bock. In diese Schublade werden wir vom Style oft gesteckt und gefragt: Werft ihr auch Hufeisen und Lasso, und seid ihr nur am Whiskeytrinken? So ist es natürlich nicht.

Wie einfach oder schwer war es denn, mit BossHoss erfolgreich zu werden? Von außen betrachtet klingt Ihre Geschichte wie ein modernes Erfolgsmärchen...

Boss: Nee, das ist nicht so. Die Initialzündung war schon Zufall, aber einfach kann man nicht sagen, denn wir machen schon Musik seit wir 16 Jahre alt sind. Wir haben also 15/16 Jahre gewartet, bis es dahin kam. Hoss: Die Hundenummer haben wir auch hinter uns: Wenig Geld, Backstage auf dem Boden pennen, draufzahlen und wenig Publikum. Boss: Wir hatten mit BossHoss natürlich eine gewisse Portion Glück, die nicht jedem zuteil wird. Aber wir haben einfach aus Spaß etwas gemacht, ohne uns darüber Gedanken zu machen, und haben damit irgendwie den Nerv der Zeit getroffen.

Sie haben vor Ihrer Rockstar-Karriere als Werbegrafiker gearbeitet. Inwiefern hat der Background geholfen, Ihre Musik zu vermarkten?

Boss: Die Leute sagen das immer gerne: Das sind Werbeprofis, die wissen wie man sich gut vermarktet. Das einzige, was es geholfen hat ist, dass wir unsere Sachen selbst machen können: Plattencover, Poster, Website usw. Wir können direkt umsetzen, was wir im Kopf oder im Bauch haben, das macht es schon einfacher. Und abgesehen davon: Es macht mir auch Spaß! Ich könnte mir schon vorstellen, mein Leben mit Grafik zu verdienen - aber am liebsten natürlich mit Musik!

Interview: Bianca Kopsch
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