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10. Juli 2007, 12:53 Uhr

"Oper kann auch ganz anders sein"

Klingt wie das Motto der künftigen Leiterin der Bayreuther Festspiele. Jetzt gibt Katharina Wagner, 29 Jahre junger Spross des zerstrittenen Clans, ihre Visitenkarte dafür ab - mit Urgroßvaters "Die Meistersinger von Nürnberg", ihrer ersten Inszenierung auf dem Grünen Hügel.

Katharina Wagner wird in diesem Sommer ihre erste Wagner-Oper in Bayreuth inszenieren© Ulrike Schamoni

Frau Wagner, heute schon Walther ausgeführt?

Nur kurz, heute morgen. Gott sei Dank schläft Walther sehr gern, wie alle englischen Bulldoggen. Wenn ich früh aufstehe, liegt er schnarchend auf dem Sofa und ist beleidigt, dass ich ihn wecke.

Walther schnarcht?

Und wie! Wegen der eingedrückten Nase. Oft wundern sich Leute, die mich besuchen: Wer schnarcht denn da? Na, der Hund, im Nebenzimmer.

Ihr Urgroßvater Richard trug seine Kompositionen stets zuerst seinem Bologneser Peps vor; im Park der Villa Wahnfried ließ er sich neben dem Neufundländer Russ begraben. Liegt die Hundeliebe den Wagners in den Genen?

Absolut! Für Richard war es immer ein Riesendrama, wenn einer seiner Hunde ausgerissen war. Das war fast so schlimm, als wenn ihm die Frau weggelaufen wäre. Mein Vater hatte früher sogar acht Hunde, jetzt sind es immerhin noch drei.

Die heißen sicher Isolde, Senta und Siegfried.

Nein, nein: Molly, Sam und Helga.

Von der Hundeliebe abgesehen - woran erkennt man noch, dass Sie eine Wagner sind?

Manche sagen, ich hätte Richards Nase. Das stimmt zum Glück nicht. Zum Leidwesen meiner Mutter spreche ich aber wie mein Vater gern breites Fränkisch. Auf jeden Fall bin ich bei Wutanfällen meines Vaters Tochter. Die Schmerzgrenze ist hoch. Aber plötzlich geht es mächtig los.

Jetzt war überall zu lesen, dass Sie, wie Richard und Wolfgang, die Leitung der Bayreuther Festspiele übernehmen wollen.

Ich wäre dazu bereit. Prinzipiell.

Schon morgen? Ihr Vater ist jetzt 87 und seit 1951 Intendant. Oder brauchen Sie noch Zeit?

Ich fühle mich nicht mehr zu jung, ich sähe mich dazu in der Lage. Aber wir sprechen natürlich im Konjunktiv. Es ist ja nicht so, dass mein Vater mich zur Festspielleiterin machen könnte oder ich mich selber. Es gibt einen Stiftungsrat. Und der bestimmt.

Falls Sie es aber werden: Öffnen Sie das Haus dann auch für Opern anderer Komponisten?

Ich sperre mich gegen keinen Vorschlag. Aber das hätte gewaltige Konsequenzen. Man müsste die Stiftungssatzung ändern. Dabei würde man die Einmaligkeit aufs Spiel setzen. Wir könnten das Problem bekommen, dass wir wie andere Häuser nicht mehr ausverkauft sind, weil Bayreuth dann vielleicht nichts Besonderes mehr wäre.

Das Bayreuth-Publikum stirbt langsam weg. Wie wollen Sie neue Besucher gewinnen?

Ich kann verstehen, dass junge Leute denken, alle Opernsänger sind dick, tragen Samtkostüme, singen vor muffigen Kulissenschinken unverständliches Zeug - und das Ganze dauert fünf Stunden.

Stimmt doch oft auch.

Schon. Aber Oper kann auch ganz anders sein. Gute Stoffe können, auch wenn sie schon älter sind, sehr gut Konflikte verhandeln, die auch heute noch aktuell sind.

Sind "Die Meistersinger von Nürnberg" Ihre Bewerbung für die Festspielleitung?

Immer diese unselige Koppelung der Nachfolgefrage mit meiner künstlerischen Arbeit! Ein guter Regisseur muss ja kein guter Festspielleiter sein, und das gilt umgekehrt genauso.

Trotzdem: Alles schaut jetzt auf Sie...

...und ich weiß heute schon genau, dass ich am 25. Juli nach der Premiere raustrete und ausgebuht werde. Da brauche ich gar keine Glaskugel, um das vorherzusehen.

Können Sie nachts noch schlafen?

Wenn ich über all das ständig nachdenken würde, dann würde ich wahrscheinlich wahnsinnig werden (lacht). Man muss das ausblenden und sich einfach sagen: Okay, konzentrier dich jetzt auf deine Arbeit.

Christoph Schlingensief schlug es auf Magen und Galle, als er vor drei Jahren in Bayreuth den "Parsifal" inszenierte. Und Lars von Trier, der 2006 auf dem Grünen Hügel den "Ring" neu herausbringen sollte, warf gleich ganz das Handtuch.

Klar, der Erwartungsdruck ist extrem. Wenn man Wagner heißt, wahrscheinlich noch mehr. Aber ich kann ja nichts dafür, dass ich in diese Familie hineingeboren bin. Ich muss halt immer dagegen ankämpfen, dass ich nur als Tochter und Urenkelin wahrgenommen werde...

...als Kronprinzessin...

...oder Barbiepuppe, bloß weil ich blond bin! Ich will als Regisseurin beurteilt werden, für meine Leistung. Man soll mich nicht mit dem Namen verknüpfen.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 27/2007

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